Die gute Nachricht zuerst: Scheuerfeld bekommt vielleicht schon zum 1. September einen neuen Pfarrer. Die Stelle, die seit zwei Jahren vakant ist, darf jetzt mit einem Berufsanfänger besetzt werden. Dem stimmte die Regionalbischöfin zu. Pfarrerin Anne Braunschweig-Gorny, die aktuell eine viertel Stelle in Scheuerfeld hat, freut sich über die Perspektive. Ein junger Pfarrer könnte dann immerhin drei bis fünf Jahre in der Gemeinde tätig sein und frischen Wind hineinbringen.

Allerdings: Er wird nicht mehr im schönen Pfarrhaus wohnen, dessen Ausmaße für eine kleine Familie viel zu groß seien.

Und damit wäre wir bei der schlechten Nachricht: Die Renovierungsmaßnahmen, die am ehemaligen Scheuerfelder Schloss anstehen, belaufen sich nach aufwändigen Voruntersuchungen und Kostenschätzungen auf 1,2 Millionen Euro. "Für den Kirchenvorstand war dies ein regelrechter Schock", schreibt Pfarrerin Anne Braunschweig-Gorny im aktuellen Gemeindebrief. Kosten in dieser Höhe könne die Kirchengemeinde nicht aufbringen. "Wir konnten die Zahlen gar nicht glauben", sagt Annerose Kollmann vom Kirchenvorstand.

Fragezeichen bei der Statik

Der Renovierungsumfang bemisst sich am aktuellen Standard im öffentlichen Bau, wie das in der Landeskirche üblich sei. Kostenintensiv sind dabei besonders die Statik des Hauses sowie der Erneuerungsbedarf mehrerer Versorgungssysteme, wie die elektrischen Leitungen und die Wasserrohre.

Jetzt sucht der Kirchenvorstand nach einer Lösung und einer Zukunftsperspektive für das "Herzstück" der Gemeinde. Alle zwei Monate trifft sich dazu der Immobilienausschuss, diskutiert und berät über neue Möglichkeiten. "Das Haus soll auch in Zukunft angemessen genutzt werden. Es darf kein Spekulations-Objekt werden", sagt Annerose Kollmann. Immerhin hat das Haus eine bewegende Geschichte (siehe Info-Text) und bleibe sowas wie das Haus der Gemeinde. Doch damit werde es natürlich schwieriger, einen Käufer zu finden. Das weiß auch Pfarrerin Braunschweig-Gorny. Einige Immonbilienmakler hätten sich das Objekt schon angeschaut - allerdings eher in beratender Funktion.

"Es eilt ja nicht. Der bauliche Zustand des Hauses gibt uns noch etwas Zeit, um eine gute Lösung zu finden", betont die Pfarrerin. Immerhin sei derzeit auch noch das Pfarrbüro im Pfarrhaus untergebracht und alternativ gebe es keine anderen Räumlichkeiten.

Verständlich sei, dass vor allem die Nachbarn unruhig seien und gerne wissen möchten, was aus dem Pfarrhaus und dem dazugehörigen großen Pfarrgarten wird. Doch entschieden ist darüber noch nicht. Im nächsten Schritt muss der Kirchenvorstand einen Beschluss fassen, dass das Haus verkauft werden soll.

Mehrere Baumaßnahmen

Sollte es dann in den nächsten Jahren dazu kommen, wird der Erlös in die Rücklagen für die anderen Immobilien der Kirchengemeinde gesteckt. "Da steht in den nächsten Jahren einiges an", verrät die Pfarrerin: Der Kindergarten in Scheuerfeld hat die Genehmigung für zwei weitere Gruppen bekommen und muss dementsprechend erweitert werden. In Weidach muss sogar der Kindergarten komplett neu gebaut werden, da eine Sanierung aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht in Frage kommt.

Außerdem denke der Kirchenvorstand über eine Erweiterung des Hauses der Jugend nach. Denn vielleicht bestünde da ja die Möglichkeit, das Pfarrbüro zu integrieren.

Bewegte Geschichte vom Schloss zum Pfarrhaus

Das ehemalige Schloss Scheuerfeld im Coburger Stadtteil Scheuerfeld in Oberfranken entstand in seiner heutigen Gestalt im 16. Jahrhundert und beherbergt seit 1893 das evangelische Pfarramt. Der Ursprung der Anlage stammt aus der thüringisch-fränkischer Landnahme des 5. und 6. Jahrhunderts. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Um 1590 kaufte Nicolaus Zech, der Rentmeister und Kammerrat des Coburger Herzogs Johann Casimir, Scheuerfeld und erbaute das in seinen Ausmaßen bescheidene Schloss und eine Reihe von umgebenden Gebäuden. 1598 schenkte ihm Herzog Casimir das nahe Schloss Eichhof aus Dankbarkeit für die Sanierung seiner Finanzen. 1603 fiel Zech in Ungnade, wurde in der Veste Coburg inhaftiert und starb vier Jahre später.

Nicolaus Zechs noch unmündige Kinder Helena und Markus erbten beide Besitzungen, Helena Schloss Scheuerfeld und Markus Schloss Eichhof. Helena heiratete 1615 Dr. jur. Johann Christian von Merklin. Sie starb 1617 und Merklin kaufte 1622 Schloss Eichhof hinzu. Nach Merklins Tod wurde das Gesamterbe unter seinen Söhnen geteilt. Der jüngere Sohn erhielt den Eichhof und der ältere Schloss Scheuerfeld. Seine Nachkommen bewohnten das Schloss bis ins 19. Jahrhundert, obwohl es zwischenzeitlich wieder in fürstlichen Besitz übergegangen war. 1893 wurde es der Gemeinde zur Gründung einer Pfarrstelle übertragen, die es bis heute ist. Eine Denktafel an der Frontseite des Gebäudes erinnert an den Spender.

Das Schloss, einst als Herrensitz oder Rittergut erbaut, weist einen aus einer großen rundbogigen Tonne gemauerten Keller auf, der auf die Entstehung um 1590 hinweist. Von ihm geht ein 25 Meter langer unterirdischer Gang aus, der erst in den 1970er Jahren entdeckt wurde. Man deutet ihn als geheimen Fluchtweg für Kriegszeiten, da das Schloss nicht zur Verteidigung eingerichtet war.

Das Stallgebäude hinter dem Schloss und der parkähnliche kleine Garten stammen noch aus der Zeit des von Nicolaus Zech geschaffenen Ritterguts.

Schulkindbetreuung TV 48 übernimmt die Räume

Die Schulkindbetreuung in Scheuerfeld ist gesichert. Der TV 48, der auch schon die Kinder der Melchior-Franck-Grundschule am Nachmittag betreut, übernimmt den Standort Scheuerfeld. Mieter der Räume im Haus der Jugend wird die Stadt Coburg sein. Genaue Vertragsdetails müssen jetzt noch geklärt werden, aber der Kirchenvorstand in Scheuerfeld hat dieser Lösung einstimmig zugestimmt. Darüber freut sich Pfarrerin Anne Braunschweig-Gorny besonders. Hätte allerdings die Stadt das Defizit übernommen, das die Kirchengemeinde mit der Schulbetreuung gemacht hat, wäre auch geholfen gewesen, sagt sie. Doch dies stand gar nicht zur Debatte. Die Stadt zahlt nur dann die Miete, wenn fremde Räumlichkeiten angemietet werden müssen. Wie jetzt beim TV 48. "Damit ist die Betreuung für das kommende Schuljahr gesichert", bestätigt auch Annerose Kollmann vom Kirchenvorstand. Besonders erfreulich: Die Mitarbeiter, die gerne die Betreuung weiterhin übernehmen möchten, werden vom TV 48 übernommen.nelQuelle: Chronik Scheuerfeld