Seit Jahren schon wird Schlacke aus Müllverbrennugnsanlagen aufbereitet und als Baustoff in Straßen oder Dämmen benutzt. Schlacke sei da sehr beliebt, sagt Peter Baj, Werkleiter des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Nordwest-Oberfranken (ZAW). Schlacke sei hart, stabil, wasserundurchlässig, "wie Bimsstein".

Sie enthält aber auch Spuren verschiedener Metalle, und das könnte sie gemäß einer neuen EU-Richtlinie zum "gefährlichen Stoff" machen. In diesem Moment hätte der ZAW ein Problem. Er könnte die 31000 bis 32 000 Tonnen Schlacke aus seinem Müllheizkraftwerk nicht mehr verkaufen, sondern müsste sie teuer deponieren.
Vor diesem Problem steht nicht nur der ZAW, sondern alle Betreiber von Müllverbrennungsanlagen. Die Entsorgungsunternehmen in Coburg, Bamberg, Schweinfurt und Würzburg wollen nun gemeinsam den Nachweis führen, dass ihre Schlacke nicht gefährlich ist.


Zusammensetzung entscheidend

Dafür müssen in allen vier Anlagen ein Jahr lang Messungen durchgeführt werden, eine pro Quartal, "weil sich die Zusammensetzung des Mülls mit den Jahreszeiten ändert", sagt Baj. Die vier Müllentsorger wollen zudem über Testverfahren nachweisen, dass die Metalle in der Schlacke so gebunden sind, dass sie nicht ausgewaschen und ins Grundwasser gelangen können. Diese Frage sollte ausschlaggebend sein bei der Einstufung als "gefährlicher Stoff", sagt Baj, und nicht die Menge der Metalle an sich.

Das, sagt Baj, würden auch die EU-Kommission und das Umweltbundesamt so sehen. Doch diese Einschätzung sei noch nicht in bundesdeutsches Recht übernommen worden. Eine ähnliche Situation gab es bei der Einstufung von Styropor, die HBCD enthalten. Die sollten nicht mehr in Müllheizkraftwerken verbrannt werden dürfen. Wie auf der Homepage des Bundesumweltministeriums nachzulesen ist, verfolgt das Ministerium das Ziel, die Einstufung von Polystyrol als "gefährlicher Abfall" wieder zurückzunehmen: "Die Verbrennung der Dämmplatten in Müllverbrennungsanlagen ist für die Umwelt problemlos - HBCD wird dabei vollkommen unschädlich gemacht."

Das vorerst ungelöste Schlacken-Problem spielte auch in der Versammlung des Zweckverbands am Mittwoch eine Rolle: Eigentlich hatten die Vertreter der Landkreise Coburg, Kronach und Lichtenfels gehofft, dass sie eine Senkung der Gebühren beschließen können, weil es auch 2016 wieder einen leichten Überschuss gegeben hatte. Doch die Gebühren bleiben erst mal in alter Höhe bestehen, da noch unklar ist, wie die Schlacke künftig verwendet werden kann. Muss sie aufwändig entsorgt werden, rechnen Baj und Kämmerin Katrin Tröger mit Mehrkosten von mindestens 1,5 Millionen Euro im Jahr - "20 Euro pro Tonne Abfall", wie Katrin Tröger sagte.

133 Euro zahlt jedes Verbandsmitglied pro angelieferter Gewichtstonne Abfall. Hinzu kommen gesonderte Gebühren für Klärschlamm sowie für Abfälle, die deponiert werden müssen. Rund 131 500 Tonnen Abfall will der ZAW in diesem Jahr verbrennen. Der kommt nur zum Teil aus den Haushalten im ZAW-Gebiet: Erwartet werden in diesem Jahr rund 19000 Tonnen Gewerbemüll, Erlangen will 21000 Tonnen anliefern, 12000 Tonnen kommen aus den Anlagen, mit denen Coburg zusammenarbeitet und die sich gegenseitig aushelfen. Weitere 14000 Tonnen sollen als Fremdmüll über den freien Markt kommen.

Weil die Verbrennungspreise allgemein steigen, erwartet Katrin Tröger hier leicht steigende Erlöse. 2017 werden erneut rund sechs Millionen Euro in die Instandhaltung des Müllheizkraftwerks in Coburg-Neuses sowie der Verladestationen des Zweckverbands fließen. 5,4 Millionen Euro sind für Investitionen vorgesehen. Größter Posten hier ist die Erneuerung der Nasswäscher in der Rauchgasreinigung für 3,2 Millionen Euro.