Brachten das Zocken und Geldnot den Angeklagten dazu, einen Raubüberfall zu begehen? Am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Coburg kamen immer mehr Details über die persönlichen Verhältnisse eines rumänischen Staatsbürgers ans Licht. Er ist angeklagt, eine Spielhalle in Neustadt überfallen zu haben, ohne, dass er bei der mutmaßlichen Tat Beute machte.

Seine Ex-Freundin, mit der er eine kleine Tochter hat, hatte bereits am Montag ausgesagt, dass er ihr noch Geld schulde und überhaupt "ständig Geldsorgen hatte". Darauf deuten auch DNS-Spuren von zwei Einbrüchen im April und Mai 2020 hin, die Staatsanwalt Schütz zufolge dem Angeklagten zugeordnet werden können. Unter anderem war der Getränkeautomat an der Arbeitsstelle des Beschuldigten aufgebrochen worden.

Laut der Angestellten der Spielhalle besuchte der Verdächtige regelmäßig die Spielbank - und öfter verlor er größere Summen. Die in den Vernehmungen aufgetauchte Summe von 800 Euro, die der Angeklagte angeblich in den Stunden vor der Tat verspielt haben soll, konnte vor Gericht allerdings nicht verifiziert werden.

Allerdings hatte der Mann andere "Ausgaben". Neben einem Kredit von 10 000 Euro musste er eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 45 Euro abstottern. Zu dieser hatte ihn das Amtsgericht Coburg Anfang 2020 wegen Computerbetrugs in zwei Fällen verurteilt. Dazu Miete und Unterhalt - da dürften die 1500 bis 1600 Euro, die er für seine feste Anstellung bezog, kaum ausgereicht haben. Ein Beamter, der bei seiner Verhaftung war, berichtete, dass der Beschuldigte in einer dunklen Wohnung lebte, da ihm der Strom abgestellt wurde.

Nachrichten, die der Angeklagte kurz nach der Tatzeit verschickte, scheinen ebenfalls gegen ihn zu sprechen. "Du musst mich sofort anrufen, ist große Scheiße für mich" lautete der Inhalt einer Whatsapp an seine Ex-Freundin.

Sein Kumpel und Arbeitskollege, neben der früheren Partnerin seine Hauptbezugsperson, wie es hieß, bekam eine SMS auf Rumänisch. Deren Inhalt konnte nach aufwendiger Recherche wiederhergestellt werden. Von der während des ganzen Prozesses anwesenden Dolmetscherin wurde sie sinngemäß so übersetzt: "Ruf mich nach Feierabend an, denn die Sache ist ernster für mich."

Als Zeuge gab der Rumäne an, nichts von den Geldproblemen seines Kumpels gewusst zu haben. Eine Aussage, die Richter Christoph Gillot ihm nicht abnahm. Zumal er auch auf die belastende SMS erst auf Nachfrage einging. Er habe angenommen, dass es sich bei dem "Schlimmen" um seinen kranken Vater gehandelt habe, gab der 39-Jährige zu Protokoll. Laut Verteidiger sind beide Elternteile des Beschuldigten verstorben. Von dem abgestellten Strom, das gab der Zeuge zu, habe er gewusst.

Auch die Kleidung des Täters belastet den Angeklagten. Der Polizeibeamte, der die Videosequenzen auswertete, identifizierte drei "markante, individuelle Merkmale". In der Wohnung des Beschuldigten fanden sich entsprechende drei Kleidungsstücke: leuchtend türkisfarbene Sportschuhe, eine Jogginghose mit Applikationen und eine Jacke mit Logo.Verteidiger Christian Martin hingegen versuchte, durch Standbilder zu widerlegen, dass es sich um dieselben Kleidungsstücke handelte.

Als der Richter gestern die Beweisführung abschließen wollte, regte Staatsanwalt Schütz an, die Akte zur Vorstrafe des Angeklagten als Beweismittel zuzulassen. Darin würden sich Parallelen zum jetzigen Fall finden. Deshalb kommt es zu mehr als den angesetzten Verhandlungstagen. Der Prozess geht am 2. Dezember weiter.