Die Serie tragischer Ereignisse in Coburg reißt nicht ab: Am Donnerstag in den frühen Morgenstunden meldet eine 41-jährige Frau bei der Einsatzzentrale der Polizei, dass sie ihren 66-jährigen Lebensgefährten regungslos in seinem Wohnhaus im Eichenweg 5 im Stadtteil Beiersdorf gefunden habe. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Wie er ums Lebens kam, ist unklar.

Weiträumig abgesperrt

Um die Umstände und die Todesursache zu klären, waren Staatsanwaltschaft und Kriminaldauerdienst sofort vor Ort. Die Polizei sperrte das Gelände rund um das Wohnhaus weiträumig ab. Die Spurensicherung hatte bis in die Nachmittagstunden am Tatort zu tun. Auch Oberstaatsanwältin Ursula haderlein machte sich ein Bild vor Ort. Sie richtete die Soko "Eiche" für die Ermittlungen ein.

BR: Polizei geht von Gewaltverbrechen aus

Der Pressesprecher der Polizeipräsidiums Oberfranken, Jürgen Stadter, hält sich am Morgen "aus ermittlungstechnischen Gründen" sehr bedeckt, was den aktuellen Kenntnisstand betrifft. Er könne weder etwas zur Todesart sagen, noch bestätigen, dass es sich um eine Beziehungstat oder einen Raubmord handelt, wie gestern sehr schnell von diversen Medien verbreitet wurde. Auf die Frage nach möglichen Stichverletzungen antwortet er nicht. Der Bayerische Rundfunk meldet in einem Bericht, dass die Polizei von einem Gewaltverbrechen ausgehe.



Leitender Oberstaatsanwalt Anton Lohneis wies gegenüber dem Coburger Tageblatt mehrfach darauf hin, dass erst die Obduktion abgeschlossen werden müsse um die Todesursache genau feststellen zu können. Er betonte, dass so lange der Obduktionsbericht nicht vorliegt, nicht von einem Gewaltverbrechen ausgegangen werden könne.

Noch am Vormittag wurde sowohl die Lebensgefährtin als auch eine Reihe von "Personen aus seinem nahen Umfeld" bei der Polizei verhört. Die Tochter des Mannes war am Morgen nicht erreichbar, so dass sie erst viel später vom Tod ihres Vaters erfuhr. Der Leichnam wurde in die Rechtsmedizin nach Erlangen gebracht, wo für den Nachmittag die Obduktion angesetzt war, um die Todesursache zu bestimmen. "Wir mussten die Obduktion aus organisatorischen Gründen unterbrechen", informiert der Leitende Oberstaatsanwalt Anton Lohneis. Ein weiterer Sachverständige werde dazu benötigt. Die Autopsie werden am Freitag fortgeführt.

"Die Untersuchungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft laufen in alle Richtungen. Wir ermitteln auf Hochtouren", sagt Stadter. Auch die Spurensicherung leiste "akribische Arbeit". Ermittlungsbeamten durchsuchten das umliegende Gelände und die Wertstoffcontainer nach Spuren und einer möglichen Tatwaffe.

Obduktion unterbrochen

Der Leitende Oberstaatsanwalt Anton Lohneis schließt aber auch eine natürliche Todesursache nicht aus. "Solange das Obduktionsergebnis nicht vorliegt, können wir nichts über die Todesursache sagen", gibt er zu Bedenken. Ungeklärte Todesfälle, erläuterte Lohneis, gebe es im Jahr mehrere Hundert. Und alle landen bei ihm auf dem Tisch. Sobald der Notarzt die Todesursache nicht bestimmen kann, wird der Kriminaldauerdienst eingeschaltet. Kann jedoch aufgrund des Alters oder bestimmter Krankheiten oder Medikamenteneinnahme ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden, verzichtet der Leitende Oberstaatsanwalt auf eine Obduktion. Allein am vergangenen Montag habe er vier solcher Fälle bearbeitet.

Wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben, soll es sich bei dem Toten um einen ehemaligen Musiker des Orchesters am Landestheaters handeln. Der Tubist lebte im Ruhestand mit der 41-jährigen Frau zusammen, die ihn in den Morgenstunden gefunden hatte.