Im Herbst hatte alles noch ziemlich rosig ausgesehen. Glänzend war das erste Halbjahr gelaufen. Die bayerische Möbel industrie schien auf einem deutlichen Wachstumskurs zu liegen.
Mittlerweile ist das Jahr 2012 Geschichte, die Euphorie ist gewichen und die Bilanz der Branche sieht etwas nüchterner aus. Immerhin: Unter dem Strich gab es einen Zuwachs. Der Umsatz der bayerischen Möbelindustrie stieg um 2,8 Prozent auf mehr als 4,1 Milliarden Euro. Noch besser fiel das Ergebnis bei den Unternehmen der bayerischen Polstermöbelindustrie aus, die im Coburger Land besonders stark vertreten sind. "Die Polstermöbelindustrie konnte im letzten Jahr einen Zuwachs von 3,7 Prozent erzielen, wozu insbesondere der Export mit einer Steigerung von mehr als sechs Prozent beigetragen hat", berichtete Christian Dahm, Geschäftsführer des Verbandes der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung Bayern-Thüringen, der unter anderem die Möbelindustrie
vertritt.

Doch angesichts des guten Starts in das Jahr 2012 verhehlte Dahm nicht, dass man sich am Ende mehr erwartet hatte. "Wir können insgesamt nicht zufrieden sein."
Woran es letztlich lag, dass sich die Geschäftslage in der zweiten Jahreshälfte deutlich abgeschwächt hatte, kann niemand genau sagen. Imaan Bukhari, Geschäftsführer der Firma Munzer in Weidhausen, verweist auf den Statistik-Effekt. 2011 habe es ein sehr gutes zweites Halbjahr gegeben. Das wirke sich im Vergleich zu 2012 aus. Außerdem kämpften Polstermöbelhersteller wie Munzer und andere mit gestiegenen Rohstoffkosten und dem Druck der mächtigen Handelsgruppen. Zudem würden Preisspielräume durch die Konkurrenz aus Asien extrem eingeschränkt.

Umsätze sind das eine, Erträge das andere. "Die Ertragslage ist in Summe nicht befriedigend", sagte Bukhari. "Die Vermarktungskosten steigen immer mehr." Auch Verbandsgeschäftsführer Dahm bestätigte diese Entwicklung: "Der Kosten- und Preisdruck ist immens."

Leichtes Umsatzplus erwartet

In der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg stellt sich die Stimmung unter den Polstermöblern im Coburger Land noch ziemlich optimistisch dar. Demnach ist mit 93 Prozent der ganz überwiegende Teil der befragten Betriebe voll oder zufriedenstellend ausgelastet. Und 29 Prozent rechnen mit einem Aufwärtstrend.
Doch Imaan Bukhari ist skeptisch. "Wir stehen nicht vor einem Jubeljahr", meint er. Und auch Möbelexperte Dahm bleibt bei seiner Einschätzung für dieses Jahr "äußerst verhalten" und spricht lediglich von einem "leichten Umsatzplus". Allerdings gibt Dahm zu, dass "ein ehrliches Bild von der Branche abzubilden, nicht ganz einfach" sei.

Genaue Branchenzahlen kann auch Dahms Verband nicht liefern. Der Geschäftsführer spricht von rund 100 Unternehmen der Möbelindustrie in Bayern, darunter seien etwa 20 oberfränkische Polstermöbler, die mit Hausmessen aktiv seien. Rund 3000 Mitarbeiter beschäftige die Polstermöbelindustrie in Oberfranken. Ihre Zahl sei zuletzt stabil geblieben. Immer noch kommt jedes zweite Polstermöbel, das in Deutschland gefertigt wird, aus Oberfranken.

Laut Munzer-Geschäftsführer Bukhari gebe es inzwischen einen gemeinsamen Standard in der Branche, was den elektronischen Datenaustausch angehe. So könne ein Hersteller verschiedene Händler beliefern, ohne von immer anderer Software gebremst zu werden.

Was Trends betreffe, so seien diese "schwer zu benennen", sagte Bukhari. Ledersubstitute würden derzeit versucht. Und vor allem der elektrische Fernsehsessel sei gefragt. Schließlich werde die Bevölkerung immer älter. An einem Trend können die Polstermöbler laut Bukhari aber nur wenig partizipieren: dem Boom von Outdoor-Möbeln, um es Rauchern bequem zu machen. Dieses Geschäft machten andere.