Der Gerichtssaal des Coburger Landgerichts ist nahezu voll besetzt, trotzdem herrscht vor der Urteilsverkündung Totenstille im Saal. Vielleicht liegt es daran, dass niemand so wirklich glauben will, was dem 26-jährigen Angeklagten vorgeworfen wird.

Er soll vier Frauen und eine Jugendliche heimlich gefilmt haben, auf seinem Rechner und seinem Handy sollen außerdem über 400 kinderpornografische Dateien gefunden worden sein. All das soll er getan haben, während er gerade die Ausbildung zum Polizeibeamten absolvierte und auch schon im Polizeidienst tätig war.

Mit seinem gepflegten Aussehen, seiner Brille und dem hellblauen Hemd wirkt der junge Polizist freundlich, professionell und vor allem vertrauenswürdig - wie könnte so jemand zu solchen Straftaten fähig sein? Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner weiß: Genau dieser Mann hat wenige Stunden zuvor unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein vollumfängliches Geständnis abgelegt.

Das Geständnis wertet das Amtsgericht Lichtenfels, das aus Platzgründen in Coburg verhandelte, zu dessen Gunsten. Dass er vorher noch nicht straffällig war und sich mit den Geschädigten bereits zivilrechtlich auf die Zahlung eines Schmerzensgeldes geeinigt hat, wird dem 26-Jährigen ebenfalls positiv angerechnet.

"Man hat sich auf sie verlassen"

Schwer wiegt jedoch die Tatsache, dass er diese Straftaten als Polizist verübt hat. "Es nicht nur von Ihnen erwartet, dass Sie sich rechtskonform verhalten - man hat sich auf Sie verlassen", mahnt der Vorsitzende Richter Matthias Huber. Der Angeklagte hätte helfen und beschützen sollen, stattdessen habe er heimlich Filmaufnahmen von vier Frauen und einer Minderjährigen angefertigt, zudem habe er kinderpornografische Dateien auf Handy und Computer gespeichert. Dieser "erhebliche Umfang" der Taten sei zu Lasten des Angeklagten zu werten. Aus diesem Grund sei das Amtsgericht bei der Urteilsfindung dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt und verhängte eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten. Zu den Bewährungsauflagen für den 26-Jährigen gehört, dass er 3000 Euro an einen gemeinnützigen Lichtenfelser Verein zahlen und sich einer Therapie für Sexualstraftäter unterziehen muss.

Das Urteil mag zunächst mild klingen, durch die Erklärungen von Richter Huber erscheint es dennoch plausibel. Natürlich sei es nicht akzeptabel, dass er die Frauen und die Jugendliche ohne deren Einverständnis gefilmt hat. Auch der Besitz der kinderpornografischen Dateien sei harsch zu verurteilen. "Hinter

jedem einzelnen dieser Bilder steckt eine Leidensgeschichte - und nur, wenn es irgendwann niemanden mehr gibt, der sich diese Bilder anschaut, wird das Leid ein Ende finden", sagt Huber.

Aber: Die Taten wurden zum Teil 2015 und 2016 verübt. Damals seien die Strafen für den Besitz von kinderpornografischen Inhalten noch nicht so hoch wie heute gewesen. Auch eine Freiheitsstrafe auf Bewährung sei deshalb "ein deutliches Zeichen", dass das Verhalten des Angeklagten nicht zu tolerieren sei, so der Vorsitzende. Die Strafe konnte zudem auf Bewährung ausgesetzt werden, da der Angeklagte eine "positive Zukunftsprognose" vorweisen könne.

Besonderes Interesse

Zudem: Durch seinen beruflichen Hintergrund habe er enormes mediales Interesse auf sich gezogen - das war auch der Grund, weshalb die Verhandlung nicht im Amtsgericht Lichtenfels, sondern im großen Sitzungssaal des Coburger Landgerichts stattfand.

Klar ist auf jeden Fall Eines: Der Mann wird als verurteilter Sexualstraftäter niemals als Polizist arbeiten.