Die Pressemitteilung beginnt äußerst sachlich: "Zu den Investitionsplanungen von Brose nimmt Holger Schmidt als Leiter der Zentralen Werksplanung Stellung." Erstes Thema ist die Werkserweiterung, die für Coburg möglich gewesen wäre, nun aber in Bamberg stattfindet. Diese Entscheidung sei von der Brose-Gesellschafterversammlung und dem Beirat getroffen worden, auf Vorschlag der Geschäftsführung. Mit der Geschäftsführung habe Michael Stoschek nichts mehr zu tun, in der Gesellschafterversammlung verfüge er über zehn Prozent der Stimmrechte, erklärt Schmidt. "Ich stelle dies einmal klar, weil bestimmte politische Kreise in dieser Stadt seit der Amtszeit von Oberbürgermeister Kastner versuchen, Herrn Stoschek für alle Aktivitäten der Firma Brose verantwortlich zu machen und ihn in ein schlechtes Licht zu stellen. Nicht nur ich, sondern unsere Mitarbeiter und große Teile der Öffentlichkeit finden es beschämend gegenüber einem Unternehmer, der sich über ein halbes Jahrhundert mehr als andere für die Interessen dieser Stadt und seiner Einwohner engagiert hat. Den dafür verliehenen goldenen Ehrenring hat Herr Stoschek übrigens schon vor einiger Zeit zurückgegeben."

Stoschek war im Jahr 2019 mit dem Ehrenring ausgezeichnet worden, den langjährige Stadträte und verdiente Personen erhalten. Gewürdigt wurde damit Stoscheks persönliches Engagement für die Stadt, unter anderem für seine Hilfen bei der Sanierung von Baudenkmälern und sein Engagement für die Ausbildung junger Menschen. Veranlasst hatte das der damalige Oberbürgermeister Norbert Tessmer, wie sein Vorgänger Norbert Kastner und sein Nachfolger Dominiks Sauerteig bei der SPD. Stoschek selbst gehörte lange der CSU an, trat dort aber vor einigen Wochen aus.

Was die Brose-Erweiterung am Standort angeht, gibt Schmidt der Stadtverwaltung und dem derzeitigen OB Dominik Sauerteig (SPD) die Schuld daran, dass sie nicht zustande kam: Die Stadtverwaltung sei seit September über die Erweiterungspläne informiert gewesen, habe aber nichts unternommen. Die Pläne seien Mitte Dezember erneut im Rathaus vorgestellt worden, und erst im Januar hätten die Stadträte die Unterlagen erhalten. Die Stadt Coburg hatte bislang erklärt, dass sie über den Brose-Masterplan erst Mitte Dezember informiert worden sei. Im Januar hatte der Krisensenat dem Vorhaben zugestimmt und erklärt, alles dafür tun zu wollen, dass es verwirklicht wird.

Schmidt stellt das anders dar: "Aufgrund der Passivität im Vorfeld mussten bedauerlicherweise die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung die Versäumnisse mit mehr Aufwand aufarbeiten." Denn die Stadt habe auch eine höhere "Planungstiefe" gefordert als andere Kommunen. "Auch die Stadt Bamberg hält sich selbstverständlich an Recht und Gesetz, aber es ist doch ein großer Unterschied, wie ich erlebe, dass in Coburg permanent von Problemen gesprochen wird, während in Bamberg von Lösungen die Rede ist." In Bamberg werden das Entwicklungszentrum und das Verwaltungsgebäude errichtet, das auch für Coburg in Aussicht gestellt war.

Globe: Ärger um die Fassadenfarbe

Doch es geht nicht nur um die Erweiterung allein, sondern auch ums Globe. Die Stadt baut das Rundtheater auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände; die Pläne dafür haben die drei Coburger Unternehmen Brose, HUK Coburg und Kaeser finanziert. Sie haben dafür eigens die Globe Coburg GmbH gegründet. Vorige Woche ging es um die Farbe für die Außenfassade. Die Unternehmensvertreter seien nicht in die Auswahl von Materialien und Farben eingebunden worden, erklärt Schmidt. "Vielmehr werden sie einen Tag vor der Sitzung des Bausenats mit alternativlosen Vorschlägen konfrontiert, die weder Architekt Glodschei noch Herr Stoschek akzeptieren." Klaus Glodschei hatte für die Globe GmbH die Entwürfe gezeichnet.

Die Globe-GmbH hatte auch Pläne für Außenanlagen finanziert. Doch nun habe die Stadt Planungen für Außenanlagen neu ausgeschrieben, behauptet Schmidt. Auch sei geplant gewesen, dass die Stadt ein Parkhaus am ehemaligen Güterbahnhof errichtet. Im Herbst hätte es fertig sein sollen, sagt Schmidt - schließlich bestehe seit 2018 "Klarheit" darüber. Den Bau-Auftrag hat Tageblatt-Informationen zufolge die Wohnbau Stadt Coburg. Er halte es "für unwahrscheinlich, dass der Fertigstellungstermin im Herbst kommenden Jahres für den Globe-Bau, das Parkhaus und die Außenanlagen gehalten werden kann", erklärt Schmidt nun. "Unsere Planung und Bau des Parkhauses an der Bamberger Straße dauert übrigens zehn Monate, sofern die Stadt Coburg die Genehmigungen rechtzeitig erteilt."

Zum Schluss kommt auch noch das Thema Weichengereuth zur Sprache. Der Stadtrat hatte vor einem Jahr den vierstreifigen Ausbau der B4 zwischen Frankenbrücke und südlicher Stadtgrenze abgelehnt, obwohl das Projekt im Bundesverkehrswegeplan enthalten ist. "Die grundsätzliche Einstellung zur Wirtschaft hat Oberbürgermeister Sauerteig mit seinem neuen Stadtrat bereits in der ersten Sitzung gezeigt, als er den seit Jahrzehnten geplanten und beschlossenen Ausbau der Bundesstraße 4 gestoppt hat. Damit gibt es nicht einmal bei langfristigen Infrastrukturmaßnahmen eine verlässliche Coburger Stadtpolitik", schließt Schmidt.