"Wir sind einfach stolz!" Dr. Christof Lamberti, Chefarzt und Leiter des onkologischen Zentrums Regiomed Coburg, ist die Freude deutlich anzuhören - die Freude darüber, dass das Klinikum nun eine Vorreiterrolle in dem bewegungstherapeutischen Projekt "OnkoAktiv" einnimmt. Das Coburger Klinikum als Teil des Regiomed-Verbundes ist damit der erste Kooperationspartner des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg.
Hinter dem Projekt steht der Grundgedanke, dass sich körperliche Fitness bei Tumorpatienten günstig auf die Prognose auswirkt. Fehlende sportliche Aktivität kann dagegen sogar lebensbedrohliche Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten nach sich ziehen.
Sei man bis vor etwa zehn Jahren noch davon ausgegangen, dass Ruhe für Krebspatienten das passende Mittel sei, wisse man heute, dass körperliche Aktivität bei einer Tumorerkrankung sinnvoll sei - "und zwar in jeder Phase", wie Lamberti beim Pressegespräch am Dienstag betonte. Vorbeugend Sport zu treiben sei ebenso wichtig, wie vor, während und nach der Therapie und selbstverständlich auch nach der Rehabilitation.
Im Rahmen des Projekts "OnkoAktiv" soll dem Patienten neben der medizinischen Behandlung auch gleich ein regelmäßiges Bewegungstraining angeboten werden, das individuell auf sein persönliches Leistungsniveau, seine Bedürfnisse und Vorlieben zugeschnitten wird. Dazu gehört auch, dass die Angebote für den Patienten wohnungsnah zu finden sein müssen. Schließlich solle die sportliche Betätigung auch Spaß machen, um einen positiven Effekt zu erhalten, erklärte Lamberti. "Das Wichtigste ist anfangen und dann dranbleiben." Um Patienten zu gewinnen, werde in den ersten Gesprächen auch der Begriff "Sport" vermieden. "Wir sprechen lieber von Bewegung", sagte Lamberti.
"Wir arbeiten seit acht Jahren in diesem Bereich", berichtete Dr. Joachim Wiskemann, der die Arbeitsgruppe onkologische Sport- und Bewegungstherapie am NCT leitet. Anfangs hatten die Initiatoren noch versucht, für die Patienten passende Reha-Sportgruppen zu finden, doch das sei schwierig gewesen, etwa, weil die Gruppen keine individuelle Betreuung bieten konnten, erläuterte Wiskemann. Um Patienten wirklich nachhaltig unterstützen zu können, brauchte es ein Netzwerk, das alle Ebenen miteinander verbindet und auch die Politik mit ins Boot holt. "Wir wollten allerdings keine neuen Zentren gründen, sondern vorhandene vernetzen und vom Erfahrungsaustausch profitieren", so Wiskemann.
551 Patienten haben bisher das Angebot in Heidelberg und Umgebung genutzt. Interessenten, die Partner des Netzwerks werden wollen, müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, etwa was das Personal und die Hygiene angeht, erläuterte Wiskemann. In Coburg haben sich mit Medau fit - Praxis für Prävention und Reha - und der Sport-Praxis Faulstich bereits zwei Partner gefunden. Mit weiteren würden bereits Gespräche geführt, wie der Coburger Projektkoordinator des Klinikums, Jens Langenhorst, berichtete.
Die OnkoAktiv-Zentrale und das Klinikum Coburg werden - gerade jetzt am Anfang - eng zusammenarbeiten. So sollen etwa regelmäßig Ergebnisse und Zahlen übermittelt, Veranstaltungen und Fortbildungen unterstütz und Arbeitstreffen abgehalten werden. Nach Coburg sollen übrigens Frankfurt am Main und Freiburg Kooperationspartner Nummer zwei und drei des NCT werden.