Noch ein Weihnachtskonzert? In der kaum zu überblickenden musikalischen Fülle in der Region in den letzten Wochen hat dieser Auftritt in der historischen Schlosskirche von Niederfüllbach dennoch seine ganz besondere Bedeutung.

Zahlreiche Zuhörer

Drangvolle Enge im kleinen Gotteshaus bis hinauf auf die dicht besetzte Empore. Angelockt hat die zahlreichen Zuhörer ein fränkisch-thüringisch-sächsischer Projektchor unter der Leitung des Effelder Kantors Matthias Erler, der sich für seinen Auftritt ein anspruchsvolles, bemerkenswert vielseitiges Programm mit weihnachtlicher Vokalmusik aus fünf Jahrhunderten erarbeitet hat.

Leistungsfähiger Kammerchor

Kantoren, Chorleiter und erfahrene Choristen haben sich in diesem Kammerchor mit einem guten Dutzend Stimmen zusammen gefunden.

"Machet die Tore weit"

Im Wechsel zwischen a cappella und mit Instrumentalbegleitungen dargebotenen Stücken ziehen sie ihre Zuhörer mit fein differenziertem Gesang in Bann. Schon Andreas Hammerschmidts Motette "Machet die Tore weit" demonstriert die Leistungsfähigkeit dieses Kammerchors, der mit fein ausgeformter Dynamik und bester Textverständlichkeit singt - vom zarten, schwebenden Pianissimo bis zum kraftvollen, aber nie forcierten Fortissimo.

"O Bethlehem, du kleine Stadt"

Die Freude über Christi Geburt - sie wird auf diese Weise zum eindringlichen Chorgesang. Neben beliebten weihnachtlichen Weisen aus alter Zeit finden sich in der abwechslungsreichen Vortragsfolge auch einige seltener zu hörende Lieder wie "O Bethlehem, du kleine Stadt" in einem Satz von Ralph Vaughan Williams oder "Weihnacht - im Dunkeln tret ich gern hinaus" von Erhard Mauersberger.

Choralvariationen

Klangliche Abwechslung garantieren solistisch dargebotene Stücke wie ein Duett aus Bachs Magnificat und die von Claudia Kallenbach ausdrucksvoll gesungene Arie "Schließe, mein Herze, die selige Wunde" aus Bachs "Weihnachtsoratorium". Als solistisches Orgelwerk interpretierte Gary O'Connell Dietrich Buxtehudes Choralvariationen über "Wie schön leuchtet der Morgenstern".

Reichlich Beifall

John Rutters "Christmas Lullaby" für Chor und Orgel bildet den ausdauernd beklatschten Ausklang eines rundum gelungenen weihnachtlichen Konzertes, das Erinnerungen weckt an die ehemalige Tradition der Weihnachtskonzerte mit dem Singverein Niederfüllbach. In jedem Fall aber wird der Abend zum Beweis, wie unbürokratisch eine musikalische Zusammenarbeit über die Grenzen von Bundesländern hinweg funktionieren kann.

Musiker zu Gast in der Schlosskirche

Projektchor Das zwölfköpfige Vokalensemble mit Projektchor mit Sängern aus Oberfranken, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen besteht aus erfahrenen Sängern verschiedener Kammerchöre, Kantoren und Chorleitern sowie ehemaligen Sängern des Rundfunk-Jugendchores Wernigerode und des Dresdner Kreuzchors. Schlosskirche Die evangelisch-lutherische Schlosskirche im oberfränkischen Niederfüllbach im Landkreis Coburg stammt in ihrer heutigen Gestalt aus dem Jahr 1695. Die Kirche ist ein Saalbau mit einem Dachreiter. Prägend für den Innenraum sind vier Epitaphe hinter dem Altar, an der Wand zur Sakristei. Mit dem Kirchenneubau wurde wohl Ende des 17. Jahrhunderts auch eine Orgel aufgestellt. 1777 errichtete der Orgelbaumeister Georg Ernst Wiegleb aus Schney ein neues Instrument. Im 19. Jahrhundert folgte vermutlich der Einbau eines zweiten Manuals. 1954/55 wurde die Orgel geringfügig umdisponiert und gründlich renoviert. Restaurierungen fanden 1988 und 2006 durch den Orgelbaumeister Jürgen Lutz statt. Sie besitzt dreizehn Register, zwei Manuale und Pedal.