Die Stadtkirche St. Georg ist ganz auf Martin Luther eingestellt. Eine Ausstellung erinnert daran, dass der Reformator 1530 in der Kirche gepredigt hat. Am Sonntag, beim Gottesdienst ab 10 Uhr, wird sie der Gemeinde ausdrücklich vorgestellt.
Dass sie zu Stande kam, ist gleich mehreren Gruppen zu verdanken, erklärt Horst Gundel, der zusammen mit Klaus Engelhardt einen erheblichen Teil dazu beigetragen hat. Die beiden haben sich mit Luthers Aufenthalt in Neustadt intensiv beschäftigt. Auf Schautafeln erfahren die Besucher alles über Luthers Beziehung zur Stadt am Fuße des Muppbergs, in der er - noch vor Coburg - predigte.
Viel Gedanken hat sich die Klasse 3a der Schule an der Heubischer Straße zu Luther gemacht. Zusammen mit ihrer Lehrerin Sabine Kreußel überlegten sich die Kinder, wie Luther sich heute verkleiden würde, damit er als Vogelfreier nicht erkannt wird. Es kamen bemerkenswerte Bilder dabei heraus. Luther-Portraits, die im Stil von Andy Warhole bearbeitet wurden, gehören ebenso zum Beitrag der Schulklasse, wie kleine dreidimensionale Schaubilder.
Dauerhaft nur als Fotoausstellung werden Abendmalsgeräte gezeigt, die aus der Zeit der Reformation stammen. Darunter ein besonderer Kelch, der normalerweise im Safe der Kirchengemeinde aufbewahrt wird.
Die Sammler- und Briefmarkenfreunde widmen dem Thema Luther und Reformation ihre nächsten Grenzland-Tauschtage. Sie haben eine Präsentation im Rathaus vorbereitet. Und sie beteiligen sich auch an der Ausstellung in der Kirche. Dort zeigen sie Notgeld-Scheine, die mit Motiven um Luther und die Reformation gestaltet worden waren.


Beitrag der Konfirmanden

Schließlich beteiligen sich die aktuellen Konfirmanden von Pfarrerin Bettina-Maria Minth mit einem Beitrag an der Ausstellung. Sie haben eine neue Interpretation des Lutherfensters gestaltet, die aus Plastikbechern gebaut wurde und dazu einlädt, einen ganz genauen Blick in jede Öffnung zu werfen.
Zuvor hatten die Jugendlichen bei einem Ausflug nach Wittenberg Eindrücke rund um Luther und die Reformation gesammelt.


Luther in Neustadt

Horst Gundel und Klaus Engelhardt betreuen das kleine Turmmuseum in der Kirche. Sie haben schon vor Jahren recherchiert, dass Luther Neustadt gut gekannt haben muss und sich der Stadt verbunden fühlte. Nach ihren Forschungen kam Luther 1511 während seiner Pilgerreise nach Rom schon durch Neustadt. 1518 auf dem Weg zu einem Konvent seines Ordens in Heidelberg besuchte er Neustadt ebenfalls.
Eine besondere Rolle für die Stadt spielt aber der Besuch 1530. Am Gründonnerstag kommt der Reformator im Gefolge von Kurfürst Johann dem Beständigen in die Stadt. Rund 70 Edelleute, etwa 120 Reisende und über 300 Pferde überfluten die kleine Stadt mit etwa 650 Einwohnern regelrecht - und dezimieren die Vorräte erheblich. Es ist nämlich verbrieft, was der Tross an diesen beiden Tagen konsumierte: Zehn Kälber, 94,5 Pfund Schweine- und 484,5 Pfund Rindfleisch, sechs Kapaune, zwölf Hühner, 22 Maß Butter, Zwiebeln, Kraut, Mehl, fünf Eimer Wein und 13 Eimer Bier standen am Ende auf der Zeche und mussten mit 33 Gulden, fünf Groschen und sieben Pfennig bezahlt werden.
Am Karfreitag 1530 predigte Martin Luther in der Stadtkirche, die damals noch ganz anders aussah. Am Ostersamstag erwarteten ihn die Gläubigen in der Coburger Morizkirche.


Enge Beziehungen

Zu Luthers Beziehungen nach Neustadt fanden Gundel und Engelhardt ebenfalls einige interessante Informationen heraus. Luther selbst brachte den Pfarrer Andreas Lehr offenbar selbst aus Wittenberg mit und führte ihn am Gründonnerstag 1530 in Oberlind ins Amt ein. Lehr stammte aus Neustadt. Kastner Paulus Bader, der auf der Veste Coburg für Luther sorgte, hieß eigentlich Eichhorn und stammte aus Neustadt.Magister Georg Schnell, der als Lehrer seiner Kinder elf Jahre in Luthers Familie lebte wurde 1554 Pfarrer in Neustadt. Johannes Schuch, Michael Neubauer und Andreas Kachelofen (der sich aber Cachlovius nannte) zählten zu Luthers Studenten. Alle drei waren gebürtige Neustadter.
So viel wurde inzwischen über Luther in Neustadt zusammengetragen, das Horst Gundel aus Überzeugung sagen kann: "Neustadt ist eine Luther-Gedenkstätte."