Michael Porzig ist mit Highspeed im Internet unterwegs. Für den Mitarbeiter der Telenec GmbH ist das zunächst nichts ungewöhnlich, es ist sein Job. Als Abteilungsleiter ist er bei Telenec ist er für die Technik verantwortlich. Nicht alltäglich ist aber - zumindest im Coburger Land - dass er dabei an einem der Biergartentische auf dem Neustadter Marktplatz sitzt, die für das Kinderfest aufgebaut wurden und keinen Cent bezahlen muss. Neustadt ist ab sofort die erste Stadt im Landkreis, die über einen kosten WLAN-Hotspot verfügt.
"In diesem ersten Schritt stehen den Nutzern insgesamt 300 Mbit/s zur Verfügung", sagt Armin Münzenberger. Der Werkeleiter ist auch Chef der Telenec GmbH, die in Neustadt als Provider auftritt. Die angebotene Leistung, die auf der gesamten Fläche des Marktplatzes abgerufen werden kann (in den Seitenstraßen wird das Signal schnell dünn), sollte bei einer normalen Frequentierung ausreichen.
Doch der Zeitpunkt der Freischaltung wurde bewusst gewählt, um gleich zu Beginn einen Härtetest starten zu können.
Am Wochenende ist Kinderfest in Neustadt. Wenn sich der Umzug über den Marktplatz windet, werden Tausende Besucher dabei sein. Viele werden sofort mit ihrem Smartphone Bilder an Freunde und Bekannte verschicken wollen. Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD): "Wenn die Leistung dann ausreicht, reicht sie immer aus."


Weitere Schritte geplant

Für Telenec, den OB und den Stadtrat ist das ein wichtiger Test für ihre weiteren Pläne. Denn der Marktplatz soll nicht der einzige Ort bleiben, an dem freie WLAN-Versorgung angeboten wird. "Die nächsten Schritte, über die wir nachdenken, sind die beiden Bäder", sagt Armin Münzenberger. Insgesamt ist gedacht, an acht Orten der Stadt freien WLAN-Zugang zu schaffen. "Damit wären wir bei der Größe Neustadts schon sehr gut versorgt", ist Münzenberger überzeugt. Das sieht auch Frank Rebhan so: "Das sind die Vorteile, wenn man als Kommune eine eigene Internetfirma hat. Wenn die Telenec in den kommenden 18 Monaten ihr Angebot ausbaut, werden wir eine freie WLAN Verfügbarkeit haben, die für Städte unserer Größenordnung vermutlich einmalig sein wird.
Neben dem kostenlosen Angebot für Jedermann hat die Telenec noch spezielle Pläne für ihre Kunden. Sie sollen parallel zum öffentlichen Angebot Zugang zu freiem WLAN mit erweiterten kostenlosen Leistungen erhalten. Höhere Sicherheit, höhere Upload-Geschwindigkeit und einige weitere Vorteile wären dann nur für die Kunden des städtischen Unternehmens verfügbar. Diese Zusatzvorteile sind laut Michael Porzig aber frühestens zum Jahresende möglich.
Zuerst muss die Testphase mit dem für jeden frei zugänglichen WLAN abgeschlossen sein. Mit Spannung wartet Porzig daher auf das Wochenende. Wenn Tausende auf dem Marktplatz den Festzug bejubeln und fleißig Bilder schießen, die sie in die ganze Welt hinaus schicken, dann wird er am Rechner sitzen und beobachten, wie die Leitung der Telenec ausgelastet wird.


So kommen User ins Netz

Wer den kostenlosen WLAN-Zugang auf dem Marktplatz nutzen möchte, ruft einfach auf seinem Smartphone, Tablet oder Laptop die WLAN-Verbindungen auf, die verfügbar sind. Beim ersten Test am Freitag tauchten auf dem Rechner von Michael Porzig sieben WLAN-Netze auf. Unter ihnen findet sich dann eines mit dem Namen "Telenec frei". Einfach anklicken und bestätigen, dass man keinen Missbrauch treiben wird, schon kann es los gehen.
Wer dabei Probleme erkennt oder Lücken findet, die geschlossen werden sollten, kann das übrigens umgehend auf der Facebookseite der Telenec mitteilen. Die Mitarbeiter werden sich dann damit beschäftigen, versichert Armin Münzenberger. Das gilt allerdings nicht, wenn Anlieger rund um einen freien WLAN-Zugang feststellen, dass sie in ihrer Wohnung darauf nicht zugreifen können. Denn: "Es ist nicht dafür gedacht, dass wir den Anliegern ihren WLAN-Anschluss im Haus ersetzen", stellt Frank Rebhan klar. Das könne nicht die Aufgabe der Stadt sein.