Auch für private Investoren ist die Coburger Innenstadt lukrativ. Dafür sprechen die 44 Wohnungen, die am ehemaligen Brauhof entstanden sind. Sie seien alle belegt, "und die Leute fühlen sich hier wohl", berichtet Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) von Gesprächen mit Bewohnern. Die Stadt hatte mit dem Bauträger einen Erschließungsvertrag geschlossen, was bedeutete, dass der Investor auch die Straßen selbst baute. Eigentlich sollte auch die Treppe hinauf zum Gustav-Freytag-Weg erneuert werden, aber das sei nicht erfolgt, bestätigt Karl Beyer, Leiter des Stadtplanungsamts.

Gleich daneben soll das Anwesen Allee 5 saniert werden. Die drei Gebäude bildeten mal ein Knabeninternat. Nun will ein international tätiges Immobilienunternehmen hier 17 Eigentumswohnungen errichten. Gleich dahinter liegt das ehemalige Landratsamt. Auch das gehört privaten Investoren, die Rede war einmal davon, hier Wohnraum ("Residence") zu schaffen. Erkennbar getan hat sich noch nichts. Ob und wann etwas passiert - da zucken auch die Mitarbeiter des Baureferats die Schultern.

Brauhof und Allee waren Stationen der 40. Stadtbegehung. Die veranstaltet das Baureferat jedes Jahr, um den Stadtratsmitgliedern, aber auch Mitarbeitern in der Stadtverwaltung, einen Überblick über laufende und geplante Projekte zu geben.

Eins davon ist das Sanierungsgebiet Steinweg: Die Voruntersuchungen fürs Sanierungsgebiet sind abgeschlossen, die Wohnbau Stadt Coburg (WSC) hat als Sanierungsträger weitere Gebäude im Steinweg erworben. Für die Umgestaltung des Lohgrabens wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt. Ullrich Pfuhlmann von der WSC geht davon aus, dass die Ergebnisse Mitte 2019 vorliegen. "Langfristig erhoffen wir uns für den Steinweg dieselben Effekte wie für die Ketschenvorstadt", sagt Pfuhlmann mit Blick auf die deutliche Belebung, die die Stadtsanierung dort mit sich brachte.

Die Umgestaltung des Lohgrabens soll eng verzahnt werden mit dem "Seniorencampus", den Regiomed im Areal des Postgebäudes errichten will. Während von Regiomed der Wunsch gekommen sei, möglichst für Senioren geeignete Wohungen zu errichten, spricht Bürgermeisterin Weber lieber vom "Mehrgenerationenquartier" für junge Leute, Familien und Senioren. So weit es möglich sei, würden die Wohnungen barrierefrei gestaltet - aber in Altbauten gehe das nicht immer, sagte sie. Und: Der Steinweg sei nun auch mal Ausgeh- und Kneipenmeile.

Ruhiger verspricht da das Quartier am ehemaligen Diakonisch-sozialen Zentrum am Hofgarten zu werden. Der Protest gegen das Bauprojekt, das sich auch über das ehemalige Gefängnis-Grundstück an der Leopoldstraße erstreckt, ist noch nicht ganz verebbt. Davon zeugen Transparente in der Nachbarschaft. Der erste Abschnitt des Neubaus ist fertig, der zweite im Bau, die Umgestaltung des früheren DSZ bildet den Abschluss. Stadt und Wohnbau sind hier mit im Boot, weil der Johann-Strauss-Platz neu gestaltet werden soll. Hierfür soll Pfuhlmann zufolge aber kein Gestaltungswettbwerb ausgeschrieben werden. Angedacht sei, mehrere Büros zu Entwürfen aufzufordern. Der Johann-Strauss-Platz bestand aus einer Verkehrsinsel mit Kiosk darauf. Das soll sich ändern. Hier soll ein neuer Platz geschaffen werden, der den Kiosk auch aufwertet, wie Pfuhlmann sagte. Der Straßenast von der Leopoldstraße zum Probstgrund soll wegfallen. Er ist ohnehin seit Monaten wegen der Baustelle gesperrt. Die Platzumgestaltung soll beginnen, sobald der zweite Bauabschnitt der Wohnanlage fertig ist.