Meschede - Clausthal - München - Coburg: Das sind ausweislich des Lebenslaufs die Stationen von Christiane Fritze: Die 50-Jährige wurde in Meschede geboren, studierte in Clausthal Werkstoffwissenschaften, arbeitete einige Jahre für BMW in München und wechselte 2003 als Professorin für Angewandte Werkstofftechnik und Qualitätssicherung an die Hochschule München. 2008 bis 2016 war sie dort Vizepräsidentin, seit 15. März ist fungiert sie als Präsidentin der Hochschule Coburg.

Am Freitag erfolgte die Amtseinführung mit rund 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft und der Hochschule. Fürs Kultusministerium sprach der Amtschef, Peter Müller; namens des Hochschulrats hieß der Vorsitzende Professor Johannes Vielhaber die neue Präsidentin willkommen. Vielhaber würdigte gleichzeitig das Engagement von Vizepräsidentin Jutta Michel, die seit Juli 2016 die Hochschule leiten musste, da Präsident Michael Pötzl plötzlich gestorben war, während er bei einer Tagung in Potsdam weilte. "Vieles, was unter Pötzl vielleicht schwierig geworden wäre, weil er auch ein schwieriger Mensch war, ging bei Ihnen problemlos", sagte Vielhaber zu Jutta Michel.

Unter Pötzls Ägide war 2015 der Hochschulentwicklungsplan "HEPCo 2020" beschlossen worden, die Leitlinie für die weitere Entwicklung der Hochschule. Die neue Präsidentin Christiane Fritze bezog sich ausdrücklich darauf und auf Pötzls Wirken, als sie versprach: "Ich werde versuchen, die Erinnerung zu bewahren und die eingeschlagenen Wege weiterzugehen".

Der HEPCo 2020 diene auch ihr als Leitlinie, aber es gelte, ihn "immer wieder anzupassen, zu priorisieren, nachzuschärfen". Denn schon jetzt müsse darüber nachgedacht werden, wo die Hochschule Coburg 2030 stehen solle. Sie wolle das interdisziplinäre Profil der Hochschule weiter schärfen, kündigte sie an. Die Zusammenarbeit über Studienfächer hinweg ist ein wesentliches Element des "Coburger Wegs", für den die Hochschule auch Zuschüsse vom Bund erhält. Ein weiterer Schwerpunkt ist das "gesellschaftlich verantwortliche Handel", zu dem die Hochschule ihre Studierenden befähigen will.

Christiane Fritze sieht die Hochschule außerdem als "Innovationstreiber", nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die Gesellschaft. "Wir müssen unsere Studierenden auf die internationalisierte und digitalisierte Arbeitswelt vorbereiten", forderte die neue Präsidentin.

Wie schon ihr Vorgänger Michael Pötzl macht sich Fritze für Forschung an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften stark - das tat sie auch schon mit Pötzl gemeinsam, als sie selbst noch Vizepräsidentin der Hochschule München war. Denn die praxisbezogene Lehre an den (Fach-)Hochschulen brauche Forschung und Entwicklung für neue Impulse, die dann weitergetragen würden in Wirtschaft und Gesellschaft, sagte Fritze. Die Zusammenarbeit mit den benachbarten Hochschulen in der Technologieallianz Oberfranken sowie die strategischen Partnerschaften mit Unternehmen der Region will Fritze weiterführen und ausbauen. "Ich lade herzlich zum Dialog mit der Hochschule ein."

Der Antrittsrede hätten sich in vor-digitalen Zeiten zahlreiche Grußworte angeschlossen. Die gab es auch - aber vorab aufgezeichnet und zusammengefasst in einem kurzen Video. Die anschließend überreichte Begrüßungstorte war dafür aber ganz echt und analog.