Die gemeinnützige Baugenossenschaft des Landkreises wird für über vier Millionen Euro 24 neue Wohnungen in der Straße "Unterm Buchberg" im Stadtteil Creidlitz errichten. Am Freitag haben die Verantwortlichen der Baugenossenschaft das Bauprojekt vorgestellt und dabei die Zusage für ein durch die Regierung von Oberfranken vermitteltes Förderdarlehen der "Bayernlabo" bekommen. 1,6 Millionen Euro der Baukosten können so abgedeckt werden.

Rainer Mayerbacher, der Geschäftsführer der gemeinnützigen Baugenossenschaft, machte dabei deutlich: "Ohne staatliche Unterstützung wäre dieser Neubau nicht möglich gewesen." Schon jetzt mussten sich der Bauherr und der Sonnefelder Architekt zur Decke strecken, um in den finanziellen Rahmenbedingungen zu bleiben. Eine Kaltmiete von fünf Euro pro Quadratmeter, wie sich manche Coburger Stadträte (die per Beschluss 384 000 Euro Förderdarlehen freigaben) gewünscht haben, war dennoch nicht zu erreichen. 6,50 Euro werden es nach der für Anfang 2017 geplanten Fertigstellung wohl werden, rechnete Mayerbacher hoch. Hätten sich der Freistaat Bayern und die Stadt Coburg nicht beteiligt, wären nach der Rechnung des Geschäftsführers wohl 8,50 Euro herausgekommen.

Diese Zahlen verdeutlichen das Dilemma in Oberfranken. Bei den derzeit geltenden Finanzierungs- und Förderbedingungen sind derartige Projekte für private Investoren nicht machbar. Das bestätigte Bau-Bereichsleiterin Marion Resch-Heckel, die als Vertreterin der Regierung von Oberfranken den Förderbescheid mitgebracht hatte. "Im Mietwohnungsbau wäre dieses Projekt für einen Investor Harakari", stellte Resch-Heckel klar. Das liege unter anderem auch daran, dass bei der Barrierefreiheit und dem Energieverbrauch strenge Vorschriften solche Bauten extrem verteuern. Der Neubau in Creidlitz zum Beispiel entspricht laut KfW-Kriterien einem Effizienzhaus 70.

Die Baugenossenschaft kann so einen Neubau - eine Sanierung der Altbauten war laut Mayerbacher wirtschaftlich nicht darstellbar - auch nur an einem Standort wie Creidlitz verwirklichen. "Dank der Stadtbusanbindung und der vorhandenen Infrastruktur", sagte der Geschäftsführer, sei genügend Nachfrage für 24 neue Wohnungen da. "Auf der grünen Wiese" (Mayerbacher) oder gar in einer abgelegenen Landkreisgemeinde hätten sich für zwei Wohnblocks hingegen nie und nimmer Mieter finden lassen.


Miete ist nicht gleich Miete

Wie Architekt Bernd Slotosch erläuterte, können sich die künftigen Mieter auf moderne Wohnungen freuen: barrierefrei, mit offenem Ess- und Wohnbereich, Terrasse oder Balkon und niedrigen Nebenkosten. Letztere waren für Marion Resch-Heckel auch noch einen Hinweis wert. Man dürfe die Kaltmiete heute nicht mehr direkt mit früheren Werten vergleichen. Dank moderner Bauweise und regenerativen Brennstoffen (in Creidlitz: Holzpellets) liege der Nebenkostenanteil heutzutage "extrem niedrig". Auf zwischen 50 und 60 Prozent bezifferte Rainer Mayerbacher den Rückgang bei den Nebenkosten.

Dass Bedarf für neue Wohnungen in Coburg da ist, bestätigte Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU). Sie berichtete von Erhebungen, wonach im Stadtgebiet Nachfrage nach rund 1500 Wohneinheiten sei. Alleine für 200 habe die Stadt in diesem Jahr die Genehmigung erteilt - wobei "genehmigt" zwingend auch "gebaut" heiße. Die Stadt aber sei "zügig dabei, in diesem Bereich voran zu kommen".

Landrat Michael Busch (SPD) war froh, dass der Freistaat Bayern Projekte wie das in Creidlitz großzügig unterstützt: "Sonst könnten wir so etwas gar nicht stemmen." Wie der Landrat weiter berichtete, hat die Baugenossenschaft des Landkreises bei einigen alten Wohnblöcken den in nächster Zeit geplanten Abriss nach hinten verschoben. Grund: Es werden immer mehr (provisorische) Wohnungen für Flüchtlinge gesucht - da brauche man jedes Haus.


Das Neubauprojekt

Zahlen & Fakten Grundfläche: 2842 Quadratmeter. - Wohnfläche: 1525 Qudratmeter. - Kosten: 4,1 Millionen Euro. - Abriss Altbau: Noch in diesem Jahr. - Beginn Neubau: Frühjahr 2016. - Fertigstellung: Frühjahr 2017. - Wohnungszuschnitt: Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen in einer Größe zwischen 54 und 77 Quadratmetern. - Stellplätze: für jede Wohnung einer.

Zukunft Es kann sein, dass nach 2017 in Creidlitz weitere neue Wohnungen entstehen.