Zu Beginn der Seßlacher Stadtratssitzung stellte Frank Reißenweber am Dienstagabend sein umfangreiches Öko-Konzept für Seßlach vor. Der Diplom-Biologe und Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes (LPV) erläuterte zunächst die Vorbildfunktion, die Kommunen bei der Bewirtschaftung ihrer Grundstücke nach dem Naturschutzgesetz vom Juli 2019 zukommt. Dieses entstand als Reaktion auf das Artenschutz-Volksbegehren. Rei­ßenweber: "Sie sind sogar verpflichtet, ihre Grundstücke im Sinn der Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu bewirtschaften."

Kommunale Grünflächen müssten ökologisch gestaltet und artenschonend bewirtschaftet werden. Zehn Prozent Kommunalwald sollten aus der Nutzung genommen werden. Eigene Gewässer seien beim Naturschutz zu berücksichtigen. "Am Geld sollte es nicht scheitern", betonte der Referent mit Verweis auf diverse Förderprogramme.

"Wir müssen nicht bei null anfangen", führte Reißenweber aus. Der LPV pflege bereits seit Jahren einen Teil der ökologisch wertvollen Flächen. Diese Pflege empfahl der Diplom-Biologe fortzusetzen:

"Die wertvollen Flächen haben Prio eins!"

Anhand dreier Kartenausschnitte - rund um die Innenstadt, nahe Autenhausen sowie zwischen Ober- und Unterelldorf - erläuterte der Experte mögliche Maßnahmen. Sein Rat: Bestehende Flecken vernetzen, kleinere Flächen vergrößern. Als Vorbild nannte Reißenweber die komplett nutzungsfreie "Wahlwiese" ("So wie es hier läuft, sollte es auch woanders laufen!") oder die "Gemünner Kanzel" (mit Vorkommen der auf der Roten Liste stehenden "Mohnbiene"). Ratsam sei es, die alten Streuobstwiesen zu erhalten. Und die Erdstoffdeponie in Autenhausen könnte, einmal komplett verfüllt, zu einem Biotop werden.

Wegränder könnten Biotope werden, wenn sie nicht umgeackert oder zu früh abgemäht würden. Mitarbeiter der Stadt und Landwirte sollten entsprechend ausgebildet sein. Aber auch die Bürger müssten "verstehen, warum Dinge so gemacht werden - und nicht anders", sagte Reißenweber. Daher setzt der Biologe auch bei Steinschüttungen in den Vorgärten lieber auf Überzeugung als auf Verbote, wie er Wolfgang Brasch (SPD) auf Nachfrage mitteilte. Diese Kies- und Schottergärten seien keineswegs pflegeleicht.

Das detaillierte Öko-Konzept liegt nun vor. Bürgermeister Maximilian Neeb (FW) möchte es mit Landwirten, Jagdgenossenschaften und anderen Beteiligten diskutieren. Neeb: "Unser Ziel lautete, im Konsens einen Weg zur Umsetzbarkeit zu finden."

Sportverein bekommt Zuschuss

Die pandemiebedingte Pause möchte der DJK/FC Seßlach nutzen, um Decke und Boden des Sportheims zu sanieren. Die Decke soll eine Dämmung und LED-Beleuchtung erhalten; im Herbst wird der Boden in Angriff genommen. Der Stadtrat gewährte einstimmig einen zehnprozentigen Zuschuss zu der circa 26500 Euro teuren Sanierung ( höchstens 5000 Euro) und berief sich auf die Sportförderrichtlinien.