"Seßlach, helau!" tönt es seit Samstagabend wieder im Sportheim des DJK/FC Seßlach. Die Besucher des ersten Bunten Abends des Faschingsvereins Seßlach erlebten hinreißende Tanzdarbietungen, hintergründig-witzige Wortbeiträge und begeisternde Musikeinlagen.
Alles um seinen Berufsstand drehte sich bei Metzgermeister Markus Brehm: Humorvoll imitierte er nervige Kunden, denen er auf vielerlei Art die Pest auf den Hals wünschte. Der Dietersdorfer machte sich über "sinnfreie Vorschriften" lustig und widmete seiner großen Liebe, "meine Bratwurst", gleich zwei Loblieder ("Du gehörst zu mir wie Leberkäs und Fleischsalat!"). Als Anhänger von König Fußball brauchte Maximilian Neeb keine besondere Maskerade.
Ob seine Anfeuerungen vor dem Bildschirm tatsächlich einem Match "seines" FC Bayern galten, soll hier nicht verraten werden. Von John Weiß an der Gitarre begleitet, gab Adele Gromhaus den unglaublichen Unfallbericht eines Dachdeckers zum Besten.
Kerstin Thein und Bernd Rathgeber alias Ingeborg und Albert warteten lange vor dem Seßlacher Rathaus auf den Rufbus. Derweil hatten sie reichlich Zeit, ebenso über die lokalen Folgen der erneuerbaren Energien ("Schüttelsyndrom bei den Seßlachern, "Drehsyndrom" in Welsberg"), den neuen Einkaufstempel ("gut aussortiert, bei Sortiment wie Mitarbeitern") und bekannte Seßlacher Größen herzuziehen ("Wer trägt Vollbart, raucht und labert den ganzen Tag rum? Unser Bürgermeister Martin Mittag!").
Den Bus rief selbst der auf die Bühne zitierte Geschäftsleiter Bernd Vogt vergeblich herbei. Zuvor hatte Thein bereits als "Putzperle Margit" über das Rathaus-Personal gelästert: Während die Verwaltung jugendlich und mit einer "Vollgas-Tourismusmanagerin" (Carolin Franz) daher komme, seien die Stadträte entweder alt, dick oder beides. So brächten sie gemeinsam über 500 Jahre und 1000 kg auf die Waage. Statt im Kultursaal sollten die "alten Figuren" ihre Feiern lieber im Heimatmuseum abhalten, riet Thein. Angetan hat es der Reinigungsfachkraft lediglich zweiter Bürgermeister Wolfgang Pfister. Als der sich ihr, zunächst als "Ferdinand" verkleidet, näherte und dann zu erkennen gab, warf sich "Margit" ihm in die Arme.
Auf den "Nahen Osten" hatten es die Mannen um Helmut Neudecker abgesehen, die dieses Mal als "Fränkische Bauerninfanterie" auftraten (Bert Geyer, Florian Ruppert, Alexander Leffer, Michael Beetz, Brehm). Ihre Quintessenz: "Der Franke ist schlau und stellt sich dumm, beim Ossi ist's grad anders rum." Mit der "10-Minuten-Nummer" ("Licht aus, Hose runter...") und dem Lied "Gott weiß, ich will kein Ossi sein" wusste die Infanterie das Publikum zu begeistern. Später ätzte Neudecker solo als Nürnberger Rocker "Pattex" ebenso amüsant wegen der Hundesteuer-Erhöhung gegen lokale Mandatsträger ("Die Seßlacher Stadträte sind nicht die hellsten Lampen!"). Auch Landrat Michael Busch ("Wenn er es zu etwas bringen wollte, bräuchte er einen anderen Namen und eine andere Partei") und die Bundespolitiker Siegmar Gabriel ("Früher waren Dick und Doof noch zwei") und Anton Hofreiter ("der Jesus aus Oberammergau") bekamen ihr Fett weg.
Perfekt einstudiert hatten die Trainer alle Tanzdarbietungen: Egal, ob Kinder-, Jugend- oder Prinzengarde oder Tanzmariechen Mia Thein, bereits die jugendlichen Aktiven des Vereins wussten zu überzeugen. Besonders entzückend präsentierten sich erstmals die 15 kleinen Biene Majas der "Krümelgarde" (5 bis 7 Jahre).
Als Nachwuchs in der Bütt lästerten Nele Müller und Janik Köhler über ihre bei der Feuerwehr aktiven Eltern. Tierisch kamen die "Flying Feet" aus Dietersdorf zur Musik des "Dschungelbuches" daher. Einen ebenso souveränen und modernen Auftritt legte die Maroldsweisacher Prinzengarde mit ihrem bunten Luftballon-Tanz hin. Die "Schickendales" zeigten im "Fatsuit" keine Angst vor runden Kurven. Nein, Adele Gromhaus, Simone Müller und Susanne Heß vermochten derart beleibt sogar mit Conny Weschenfelder und Oliver Förtsch zu tanzen.
Beim Auftakt der längst ausverkauften Bunten Abende bescherte das Publikum den Akteuren reichlich Lohn in Form von Applaus und vielen "Raketen". Rufe nach Zugaben versuchte Präsident Jens-Peter Scholz mit Blick auf den Zeitplan zu unterbinden, vergeblich. "Seid Ihr bei der Feuerwehr? Ihr seht so geschlaucht aus!", stellte "Coco", der Vogel von Bauchredner Erwin Motschenbacher (Friesen), nicht zu Unrecht fest. Erst nach 1 Uhr, nach über fünfeinhalb Stunden Programm, versammelten sich die Mitwirkenden zum Finale.
Das Beste hatten sich die Seßlacher wie immer bis zum Schluss aufgehoben: Erst marschierten die "Mauerschwälbchen", angeführt vom "Kommandanten" Markus Brehm, züchtig in Polizeiuniformen auf die Bühne, dann zeigten sie, was sie drunter an Lack, Leder und Netzhemden zu bieten hatten. Trotz des krankheitsbedingten Ausfalls von Martin Mittag und Sascha Bachmann riss das Männerballett (Brehm, Beetz, Neeb, Marc Schmidt, Andreas Rößner, Manuel Brasch und Thomas Büchner) die begeisterten Zuschauer zu Beifallsstürmen hin.