Die Franken erlebten ihr eigenes Waterloo mit Napoleon, allen voran Bamberg, das bis heute um seine von den Bay ern entführten Schätze kämpft. Das reiche Kloster Banz wurde leer geräumt. In Würzburg bediente sich das zum Königreich aufgestiegene Bayern ebenfalls. Coburg entging der Verdammnis - und gewann am Ende sogar ein bisschen dazu.

Am heutigen 18. Juni jährt sich die finale Niederlage Napoleons bei Waterloo zum 200. Mal. Das Haus der Bayerischen Geschichte hat die Landes ausstellung 2015 dem Thema "Napoleon und Bayern" gewidmet. Tatsächlich brachte die Napoleonische Zeit ja für ganz Europa eine bis heute vielfältig nachwirkende Neuordnung.

Und, hat das für Coburg mehr zu bedeuten als für andere Regionen? Hat es. Was kaum bewusst ist im historischen Gedächtnis der Region. Was eigentlich nicht sein darf, meinen VHS-Bereichsleiter Erich Escher, die Leiterin der Landesbibliothek Coburg, Silvia Pfister, im Verbund mit den Kunstsammlungen auf der Veste und dem Staatsarchiv Coburg. Erich Escher brauchte nicht viel Überredungskunst, um zum Nachforschen in den reichen Beständen anzuregen.

Coburg entgeht der Plünderung

Heute wird eine Ausstellung in der Landesbibliothek eröffnet, die der "schicksalhaften Al lianz" Coburgs mit Napoleon nachgeht, an jenem Ort, der in dieser herausfordernden Zeit seine heutige Gestalt erhielt, den Geist jener schwierigen Zeit atmet: die Ehrenburg. "Da ist man mitten drin, statt nur dabei", sagt Erich Escher beeindruckt.
War es Herzog Casimirs Entscheidung und Geschick, das kleine Ackerstädtchen Coburg im 17. Jahrhundert zum Fürstensitz auszubauen, so stand Coburg mit Napoleons Sturm über Europa erneut vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Die zahlreichen Schätze der Landesbibliothek, des Staatsarchives, der Kunstsammlungen wären nicht mehr hier, wäre die Geschichte anders verlaufen.

Hätte der Coburger Prinz Friedrich Josias (1737 - 1815), der legendäre frühere Reichs-Generalfeldmarschall des Kaisers, des tausendjährigen, demnächst aber zum Untergang verurteilten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, es nicht geschafft, durch seinen Ruf, seine Autorität, sein Auftreten 1806 den französischen Marschall Augereau zu beeindrucken, da wäre Coburg geplündert worden. Diese heldenmäßige Geschichte kennt man noch in irgendeiner Form.

Rechtzeitig gegen Napoleon

Doch wie war das mit dem riskanten Taktieren Ernst I., der erst gezwungen war, dem "Rheinbund", beizutreten, also das Alte Reich zu verlassen und sich Napoleons Schutz zu unterstellen, um dann zur rechten Zeit seine jüngeren Brüder Leopold und Ferdinand an prominenter Stelle in den Armeen Russlands und Österreichs wieder gegen Frankreich in Stellung zu bringen? Im November 1813 zog das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld wieder offiziell gegen Napoleon und stand am Ende, 1814, "behaglich auf der Siegerseite", wie es der Historiker Helge Jost Kienel zusammenfasst. Der hat die Ausstellung in der Landesbibliothek konzipiert und wird in Vorträgen und Führungen die Geschichte des kleinen Herzogtums während der napoleonischen Kriege erklären.

Die Ausstellung soll vor allem auch zeigen, was diese Zeit konkret für die Bevölkerung hier bedeutete: Neben hohen Geldzahlungen, Verpflegung der übermächtigen französischen Armee und Einquartierungen wurden dem bevölkerungsarmen Landstrich eine hohe Zahl an Infanteristen abgepresst, 1806 schon 400 Mann für die verhassten Rheinbund-Truppen, 1809 erneut Hundertschaften für das Regiment bei Würzburg, das dann bis nach Tirol marschieren musste, um den Aufstand unter Andreas Hofer niederzuschlagen. Dann ging es sofort weiter nach Spanien und gegen Russland. Krankheit, Erschöpfung, Kriegsgemetzel.

Brutaler Verschleiß

"Da fand eine ungemein brutale Ausbeutung der Menschen statt. In den zeitgenössischen Darstellungen, wie sie in den Vitrinen der Ausstellung zu sehen sind, fallen all die bunten Uniformen ins Auge. Das hatte aber "keinerlei kleinstaatlichen Charme", rückt Kienel das Bild zurecht. "In diesen Kriegen erleben wir zum ersten Mal den unglaublichen Verschleiß von Menschen in hoch disziplinierten Armeen, wie er bis zum Zweiten Weltkrieg Methode blieb", zeigt Kienel die Dimension auf. "Es ist unfassbar, was von den Menschen verlangt wurde." Verlustlisten rufen die Toten in Erinnerung.

Unter dem "blendenden Quellenmaterial", über das Coburg verfügt, wurden für die Schau beispielsweise der imposante Offizierspallasch von Prinz Josias ausgewählt, eine schwere Hiebwaffe aus den Kunstsammlungen. Die Orden der Coburger Prinzen, die an vorderster Front zu kämpfen hatten, blinken und prangen. Eindrucksvolle historische Dokumente. Am besten aber lässt man sich diese für Coburg und die Region wichtige Geschichte erzählen: bei den Vorträgen und Führungen im Rahmen dieser Veranstaltungsserie.

Ausstellung Verbündet mit Napoleon. Eine schicksalhafte Allianz für Bayern und Coburg. Landesbibliothek Coburg. Bis 21. August, Montag bis Donnerstag, 10 bis 17 Uhr, Freitag und Samstag, 10 bis 13 Uhr, Eintritt frei. Abendöffnung mit Führung zum Schlossplatzfest am 18. Juli. Spezielle Führungen für Gruppen auf Anfrage.

Vortrag Margot Hamm: Napoleon und Bayern. Heute zur Eröffnung der Ausstellung um 19 Uhr im Andromedasaal: Margot Hamm vom Haus der Baye rischen Geschichte hat die Landesausstellung "Napoleon und Bayern" in Ingolstadt konzipiert. (Eintritt 12 Euro)

Vortrag Helge-Jost Kienel: Das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld und die Napoleonischen Kriege. 25. Juni, 19 Uhr, im Andromedasaal der Ehrenburg (Karten 10 Euro, Buchhandlung Riemann, 12 Euro ander Abendkasse)

Exkursion Vhs-Fahrt zur Baye rischen Landesausstellung in Ingolstadt, Leitung Erich Escher, Samstag, 4. Juli, 6 bis 20 Uhr. 60 Euro. (Busfahrt, Ausstellungsbesuch, geführter Stadtrundgang.)