Martin Luther hat in diesen Tagen reichlich Besuch in der Coburger Morizkirche. Vorbei die Zeiten, da die Luther-Büste am Seiteneingang neben dem Chorraum fast ein wenig im Abseits zu stehen schien.


Zahlreiche Zuhörer


Nach der wie ein weltliches Hochamt gar feierlich inszenierten offiziellen Eröffnung der Landesausstellung lockt bereits am ersten Tag danach ein Konzert für Orgel und Posaunenchor bemerkenswert zahlreiche Zuhörer in die Morizkirche. Im Jahr 1530, als der Reformator mehrmals in der Coburger Stadtkirche predigte, war das Gotteshaus noch eine Baustelle. Heute, nach gründlicher Sanierung, bietet das Gotteshaus den Rahmen für den einleitenden Teil der Landesausstellung mit großformatigen Infotafeln und mancherlei multimedialen Angeboten zur Geschichte der Reformation in Coburger Landen.


Rudolf Lutz als Gast an der Schuke-Orgel


Der Schweizer Organist, Cembalist, Dirigent Rudolf Lutz als Gast hoch droben an der Schuke-Orgel und der Posaunenchor St. Moriz unter Leitung von Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein bringen die Zeit Luthers und die darauf folgende Barockzeit im Wechsel zum Klingen. Unter der sorgsam gestaltenden Leitung von Peter Stenglein intoniert der Posaunenchor Intraden und Choralsätze des ehemaligen Coburger Hofkapellmeisters Melchior Franck sowie von Johann Sebastian Bach mit abgerundetem Klang.


Rudolf Lutz, einstiger langjähriger Improvisations-Dozent an der Schola Cantorum Basiliensis, erweist sich als Meister des musikalischen Stehgreif-Spiels. Mit jederzeit souveräner Technik und ausgeprägter Klangfantasie füllt Rudolf Lutz barocke Formen von der Suite bis zur Choralbearbeitung anspielungsreich mit musikalischem Leben. Als Moderator erläutert Anselm Hartinger (Direktor des Geschichtsmuseums Erfurt) vorab jeweils das Thema, das Lutz dann an der dreimanualigen Schuke-Orgel sehr anschaulich in Musik verwandelt.


Besonders eindringlich geraten seine Improvisationen über eine der bekanntesten Melodien Melchior Francks: "Kommt, ihr G"spielen, wir woll"n uns kühlen". Einfallsreich variierend führt Lutz vor, wie diese Melodie wohl geklungen haben könnte, wenn sie von Bauern, Ritter und Mönchen, aber auch im türkischen Heerleger 1529 vor Wien gespielt worden wäre.


Am Ende gibt es bemerkenswert ausdauernden Beifall für alle Interpreten dieses ungewöhnlichen Reformations-Konzertes.



So geht es musikalisch weiter in St. Moriz



Musik zur Marktzeit Die Reihe "Musik zur Marktzeit" in der Coburger Morizkirche beginnt in diesem Jahr bereits am Samstag, 13. Mai, 11 Uhr. Begleitend zur Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" bietet sie bis zum 28. Oktober jeweils am Samstag Musik zum Zuhören, Nachdenken und Entspannen, gestaltet von Musikern aus ganz Süddeutschland. Der Eintritt ist jeweils frei, Beginn: 11 Uhr.

Musikalischer Ausklang Die Besucher der Landesausstellung sind an jedem Mittwoch in St. Moriz zu einem musikalischen Beitrag eingeladen. Mit Ausstellungsschluss um 18 Uhr bringen Kinder- und Jugendchöre, Kirchen- und Posaunenchöre, Sängerkreise und Singvereine, Vokalgruppen und Gospelchöre ein Musikprogramm von 20 bis 30 Minuten Länge zu Gehör.