Es ist mehr als ein Aufatmen, das spürbar ist. Von einer großen Freude und Dankbarkeit spricht die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Bettina Dörfling. Mit der Anerkennung des Secondhandladen "Die Kiste" als systemrelevanter Babyfachmarkt darf das Geschäft in der Judengasse wieder öffnen.

"Es ist wirklich Zeit geworden", sagt auch Dorothee David, die das Geschäft führt. Die Anrufe von Müttern, die dringend günstige Kleidung für ihr Kinder brauchen - eben weil sie auch aus vielem herausgewachsen sind - hätten sich gehäuft. Dazu muss man wissen, dass sich das Angebot der "Kiste" in erster Linie an sozialschwache Familien und an Alleinerziehende richtet, die mit wenig Geld im Monat zurecht kommen müssen. Manche Kunden könnten auch gar nicht online bestellen, da sie nicht über einen Internetzugang verfügen oder, weil es für sie zu kompliziert sei. Mit der Öffnung des Geschäfts hätten viele Frauen wieder ein Stück Lebensqualität zurück bekommen, ist Dorothee David überzeugt.

Kaufen und Kontakt aufnehmen

Reinhold Ehl, Leiter des Amtes für Jugend und Familie, nennt die "Kiste" deshalb auch ein Aushängeschild des Familienzentrums. Denn im Laden kommt man ins Gespräch. Zwischen Babybody und Gummistiefeln erfahren die ehrenamtlichen Helfer des Kinderschutzbundes oftmals von den Nöten und Sorgen der Familien. "Dann können wir vermitteln - ein Gespräch mit Birgith Sommer, der Leiterin der Kinder- und Familienlobby, einen Kontakt zu einer Spielgruppe im Haus oder auch eine Beratung bei notwendigen Behördengängen."

Die Geschäftsführerin Silke Beyer weiß um das große Netzwerk, das der Kinderschutzbund aufgebaut hat - mittendrin die "Kiste" als Anlaufstelle.

Ludmilla Bohl ist seit Jahren eine gute Kundin. Auch am Dienstag kommt sie zufällig mit ihrem Sohn Mark vorbei. "Ich bin so froh, dass wieder geöffnet ist", sagt sie. Nicht nur, dass sie hier für ihre drei Kinder Kleidung einkauft, hier kann sie sich auch mal außerhalb der vier Wände unterhalten, wie sie sagt. Die Spielgruppen im Haus besucht sie hin und wieder.

Endlich den Garten öffnen

Birgith Sommer trampelt ungeduldig auf der Stelle. "Es soll endlich wieder losgehen", sagt sie. Im Garten des Kinderschutzbundes stehen schon die Bobbycars bereit. Die Klettergerüste sind noch verwaist. "Es wäre so wichtig, dass wir uns wieder draußen treffen können", sagt die Pädagogin, die im Moment sehr viel Online-Angebote macht. Der Elterntalk, das Stoffwindelcafé oder der Schlaumeiertag finden nur im Netz statt. Themen wie Abstillen ohne Tränen, Baby in Bewegung oder Schlafen können so mit Experten aus der Region diskutiert werden. Dennoch sei der persönliche Kontakt durch nichts zu ersetzen, weiß die Sozialpädagogin.

Das kann Reinhold Ehl nur unterstreichen. Einen Trend zu mehr häuslicher Gewalt gegen Kinder kann er dennoch, wie häufig behauptet, in Corona-Zeiten nicht feststellen - zumindest nicht in Coburg. Hier seien die Zahlen konstant.

Adresse Babyfachmarkt "Die Kiste", Judengasse 48, Coburg

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr, Donnerstag 14.30 bis 17.30 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr

Hygiene Es braucht keinen Schnelltest. FFP2-Maskenpflicht besteht. Zwei Kunden dürfen gleichzeitig in den Laden. Kinder können mitgebracht werden.