Einer machte sich von Coburg aus auf den Weg und kehrt nun im Alter von 50 Jahren als erfolgreicher Künstler zurück. Und trifft sich hier mit einer Jungen, die jetzt als Debütantin ausgezeichnet wird mit einer Einzelausstellung, einer nicht zu unterschätzenden Starthilfe, die der mitgliederstarke Coburger Kunstverein gibt.

Marian Kolenda wurde 1965 in Coburg geboren und lebt seit 1994 freischaffend in Berlin. Er war immer präsent in seiner Geburtsstadt bei den jährlichen Sammelausstellungen und in unterschiedlichen Konstellationen. "Ich freue mich sehr, dass ich jetzt erstmals mit einer großen Einzelausstellung hier sein darf."

Die neue Doppelschau im Kunstverein ist zudem reizvoll in ihrer Gegensätzlichkeit. In Marian Kolenda ist ein Künstler der intuitiven Suche und des freien Experimentes zu erleben; in der 1988 in Marktredwitz geborenen Riccarda Pickert dagegen eine sehr genau planende, konstruktive Künstlerin.


In den Mikrokosmos

Was sind denn das für minutiöse Krickeleien? In Marian Kolendas Zeichnungen tummeln sind Zeichen, die gar nicht verstanden werden wollen. Manchmal meint man, gerade wenn man einen Zipfel des Erkennens erhascht glaubt, da mache sich doch etwas augenzwinkernd lustig über den Betrachter. Und schon hat Kolenda einen da, wo auch er ist, im freien Assoziieren, in einer freieren Gedanken- und Gefühlswelt.

Doch wo sich die "Kricke leien" zu unüberschaubaren gleichmäßig wirkenden Mustern verdichten, steht man plötzlich vor dem schwimmenden Mikrokosmos des ganz Anderen, einer undurchdringlichen Welt weit außer uns.

Um dort hin zu gelangen, um also die eigenen Barrieren des Bewusstseins und der Steuerung durch den vordergründigen Verstand zu überwinden, hat sich Kolenda das Zeichnen mit linker Hand angewöhnt. Mit dieser Selbstüberlistung gelangt er in die weniger stark sozial-gesellschaftlich geprägten Strömungen von Geist und Seele. Wenig überraschend, dass er beim Malen Musik hört und sich in letzter Zeit auch zusammen mit einem improvisierenden Musiker auf experimentellen Weg begibt, um seine "seismografischen Kompositionen" auf dem Papier zu fassen.

Die wären nicht mehr das, was Kolenda will, würde er sie als Druckgrafik vervielfältigen. Er fertigt stattdessen große Serien, Variationen zu einem Thema, das sich dabei unablässig verändert, weiterentwickelt. Zufälle sind erwünscht und werden von ihm weitergeführt in seinem Fluss der Zeichen und Bilder.


In die Großstadt gestürzt

Kolendas Zeichen-Welt steht nun im starken Kontrast zu seinen neuen großformatigen "Stadtlandschaften". Die Großstadt, in der er ja schon lange gerne lebt, war ihm ebenso lange nicht wirklich geheuer, künstlerisch für ihn nicht erfassbar. Was außen um ihn herum lag, war ihm zu komplex, "hat mich überfordert". Als er das breite Panorama-Format für sich entdeckt, tut sich auch diese Welt für ihn auf - und für uns in anderer Sicht auf die Orte des verdichteten Bauens.

Kolenda bildet die Straßenschluchten und begrenzten Himmelsausblicke selbstverständlich nicht ab. Durch seine farbintensiven, oft eher dunklen Türmungen von Baukörpern, Kuben, Türmen, Linien, Treppen, von verdrehten Achsen und purzelnden Formen spüren wir dieses andere Leben, eindrücklich auch in den Schwarzweiß-Bildern. Auch diese Ölgemälde sind nicht konstruiert, entstehen aus Experiment und Intuition, aus Linie und Farbe, die sich immer weiter zusammenfügen. Jetzt im weit langwierigeren Medium kommt doch die stärker intellektuell gesteuerte Gestaltung, Interpretation, Deutung unserer Welt. Wobei die Offenheit bleibt. Kolenda versucht, hinter die Fassade der Großstadt, der Welt, wie sie in unseren Köpfen seit Geburt gezeichnet wurde, zu blicken. Den Ausguck will er auch uns gewähren.

Kunstverein Coburg Marian Kolenda - Stadtlandschaften/ Seismografische Kompositionen. Malerei und Zeichnung. Eröffnung am Samstag um 16 Uhr, musikalische Umrahmung durch Anneröse Röder, Klavier. Bis 4. Oktober, Dienstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr, Sonntag auch 10 bis 12.30 Uhr.

Marian Kolenda wurde 1965 in Coburg geboren. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg freie Grafik und Malerei bei Ludwig Scharl und bei Johannes Grützke. Seit 1994 lebt er als freischaffender Künstler in Berlin. Er kann auf zahlreiche Auszeichnungen und Ausstellungen verweisen.