Das Huhn scharrt unter dem Tisch. Genüsslich pickt es die Krümel vom Boden, die die Schulkinder hinterlassen haben. Die sitzen gerne unter der Pergola vor dem Laden des Gärtnerhofs Callenberg. Es ist idyllisch im Schatten der Spätsommersonne. Die Esel schauen aus dem Stall, in der Luft liegt der Duft von frisch gebackenem Kuchen.

Dietrich Pax kommt mit einem Strunk Roter Bete, die er eben aus der Erde gezogen hat, um die Ecke und wäscht sie im Bottich vor dem Laden. Der 66-Jährige hat sich sein eigenes kleines Paradies geschaffen. 30 Jahre hat es gedauert. Einfach war das nicht. Aber der Öko-Lobbyist, wie er sich nennt, ist ein leidenschaftlicher Bauer. Einer, der für die Umwelt kämpft, für Nachhaltigkeit eintritt. Engagiert im Vorstand von Demeter Bayern hat er seinen Beitrag für biologisches Essen geleistet. Sein Hof ist längst zertifiziert.

Jetzt wurde er zum Vorsitzenden der neu gegründeten Aktiengesellschaft Regionalwert gewählt. Die AG unterstützt Initiativen, die die Produktion von ökologischen und sozial nachhaltigen Lebensmitteln zum Ziel haben. "In der Region, in der ich lebe, soll die Umwelt möglichst gut sein", sagt Pax und ist sich sicher, dass das jeder so sieht. "Demnach müsste jeder regional, nachhaltig und biologisch einkaufen", folgert der Biolandwirt. "Man isst sich seine Region schön und zukunftsfähig!" Davon ist er fest überzeugt.

Neben seinem Hofladen bietet der Gärtnerhof auch die Biokiste an. Mit was die gefüllt sein soll, bestimmt der Kunde selbst und bekommt sie dann direkt vor die Haustür geliefert. Flugware ist nicht im Angebot. "Wir bieten frische Qualität aus unserer Region. Unsere Früchte werden ausgereift geerntet und haben keine langen Transportwege hinter sich", erläutert Pax. Selbstverständlich sei, dass die Kisten Jahreszeiten-orientiert gefüllt werden. Rote Bete sind gerade im Angebot. "Wir wollen damit auch den Heimatgedanken stärken: Ich kann gut davon leben, was hier bei uns wächst." Mit einem guten Gefühl und vollem Geschmack. Ein Rezept gibt's deshalb jede Woche dazu. Diesmal: Rote-Bete-Quiche mit Brie und Kapern (für vier Personen)

750g Rote Bete, Salz, 250g Dinkelmehl, 125g weiche Butter. Guss: 2 Eier, 150g Creme fraiche, 1/2 TL gemahlener Kümmel, 2EL Akazienhonig, 2TL Senf, Pfeffer aus der Mühle, 50g Kapeern, 100g Brie.

Zubereitung: Rote Bete waschen, mit Schale in Salzwasser ca. 40 Minuten garen. Für den Teig: Mehl, 1/2 TL Salz, Butter und 75ml kaltes Wasser zu einem glatten Teig verkneten. Quiche-Form einfetten und mit dem Teig belegen, den Rand ca. 2 cm hochziehen. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Für den Guss Eier und Creme fraiche miteinander verrühren. Mit Kümmel, Honig, Senf, Salz und Pfeffer würzen. Kapern abtropfen lassen und untermischen. Rote Bete kalt abschrecken, würfeln und auf dem Teigboden verteilen. Guss darüber gießen. Etwa 30 Minuten backen. Brie in feine Scheiben schneiden und die Quiche damit belegen. Weitere fünf bis zehn Minuten backen bis der Käse zerlaufen ist.

Guten Appetit!

Was bietet die Regionalwert-AG? Regionalwert-AG Die Idee ist ganz einfach: Umweltbewusste Bürger, die die Agrarwende nicht abwarten wollen, kaufen Aktien, und mit diesem Geld werden regionale Unternehmen gefördert, die ökologische und sozial nachhaltige Lebensmittelproduktion zum Ziel haben. Wenn zum Beispiel ein junger Öko-Landwirt kein Geld hat, um ein Gewächshaus zu finanzieren, dann kann er sich bei der neuen Aktiengesellschaft bewerben. Oder auch die Inhaberin einer Schulkantine, die gerne auf ökologisches Essen umstellen will. Oder jemand, der eine Samenbank mit alten heimischen Obst- und Gemüsesorten aufbauen möchte. Wenn die Idee gut ist, beteiligt sich die Aktiengesellschaft an dem Unternehmen finanziell. Der Vorteil: Banken bewerten das Geld der Regionalwert AG als Eigenkapital und gewähren dann vielleicht weitere Kredite. "Wir haben bewusst als Rechtsform die Aktiengesellschaft gewählt. Sie ist zwar sehr viel aufwändiger als ein Verein oder eine Stiftung, aber sie spricht die Sprache des bei uns herrschenden Wirtschaftssystems", sagt Vorstandsmitglied Dietrich Pax, Demeter-Landwirt und Ökopionier aus Coburg. "Und das Konzept hat sich mittlerweile einfach bewährt"

Es ist nämlich bundesweit die sechste Regionalwert AG, die jetzt in Oberfranken von 18 Idealisten gegründet wurde.

Die Idee stammt aus der Region Freiburg. Die dortige Regionalwert AG wurde 2006 von dem Gärtner Christian Hiß gegründet. Seitdem verbreitet sich die Idee über Deutschland. Weitere Regionalwert AGs gibt es in der Region Isar-Inn, in Hamburg, im Rheinland und in Berlin-Brandenburg. Und nun eben in Oberfranken. "Damit beweisen wir dass in unserer Region viele Menschen sehr umweltbewusst sind und Wert auf ökologisches Essen legen", sagt das zweite Vorstandsmitglied Maria Zeußel, die einst den ersten oberfränkischen Bio-Supermarkt in Bayreuth eröffnet hat. "Das Startkapital einer Aktiengesellschaft zusammen zu bekommen, ist ja alles andere als selbstverständlich." Jedoch beteiligten sich unerwartet viele Menschen und die erforderlichen 70000 Euro waren schnell zusammengelegt.

Aktien Wer jetzt Bürgeraktien zeichnen möchte, schreibt eine E-Mail an info@regionalwert-oberfranken.de. An diese Adresse können auch Unternehmer ihre Öko-Geschäftsideen schicken.