Im ersten Moment wollte sich Erleichterung breit machen bei Chören und Musikensembles in der Region Coburg. Seit Mitte September liegt das neue Rahmenkonzept für Proben im Bereich Laienmusik und Amateurtheater vor. "Endlich wieder Freude am gemeinsamen musizieren und Theaterspielen" - so kündigte das zuständige Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst das neue Konzept an.

Unklare Formulierungen

Doch nach der ersten Freude über die angekündigten Lockerungen folgt die Ernüchterung. Denn viele der Formulierungen lassen Fragen offen, wie die Verantwortlichen in der Region feststellen mussten. Immer wieder gibt es Formulierungen, die einer genaueren Auslegung bedürfen.

"Jeder wird angehalten, wo immer möglich zu anderen Personen einen Mindestabstand einzuhalten", heißt es unter der Überschrift "Generelle Sicherheits- und Hygieneregeln."

Unsicherheit ist noch sehr groß

Reichlich Interpretationsspielraum lässt auch diese Passage beim Thema Mindestabstand: "In Bezug auf Probenteilnehmer ist ein Mindestabstand grundsätzlich nicht einzuhalten, soweit dies zu einer Beeinträchtigung der künstlerischen Betätigung oder Darbietung führen würde."

"Den Abstand konnte man verordnen, dass man keine Angst haben soll, kann man nicht verordnen", sagt Stenglein und erklärt, warum er bei der Probenarbeit mit dem Coburger Bachchor, aber auch mit der Kantorei und dem Posaunenchor St. Moriz ganz bewusst den neuen Spielraum nicht restlos ausnutzt: "Bei uns geht die Gesundheit vor." Außerdem nehme man ganz bewusst Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Sängerinnen und Sänger.

Die Unsicherheit sei immer noch sehr groß, "so dass einige meiner Sängerinnen und Sänger sich immer noch nicht trauen, zur Probe zu kommen", sagt auch Antoinetta Bafas, die den Chor Unerhört leitet. "Das erschwert die Probearbeit schon sehr. Auch akustisch ist das Proben mit Abstand keine leichte Sache", räumt sie ein.

Musica Mauritiana

"Wir haben ein neues Hygienekonzept für alle Chöre erstellt", sagt Peter Stenglein, Kirchenmusikdirektor an St. Moriz. Ganz bewusst nutze man nicht alle Möglichkeiten, die die neue Verordnung bietet. Der Posaunenchor und die Kantorei St. Moriz proben derzeit im Haus Contakt, der Bachchor in der Morizkirche - "sonst können wir die Abstände nicht einhalten", sagt Stenglein. Die Kantorei wird am 10. Oktober Chormusik bei einem musikalischen Gottesdienst präsentieren. Mit dem Bachchor plant Stenglein die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium zum 3. Advent am 12. Dezember (Kantaten eins bis drei), die vierte Kantate folgt im Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag.

Chor Unerhört

"Ich probe bereits seit Juni, gleich nach den ersten Lockerungen habe ich meine Proben wieder aufgenommen", sagt Antoinetta Bafas als Leiterin des Chores Unerhört. Dabei wurden die Masken nur zum Singen abgenommen und beim Singen Abstand eingehalten. Seit den Sommerferien werden die Vorschriften der 3G Regel angewendet. Nach einem ersten Auftritt beim Festival Coltur Ende Juli auf der Freilichtbühne vor dem Herzog-Alfred-Brunnen plant der Chor Unerhört "eifrig weitere Auftritte über Weihachten". Die neue Regelung bietet eine Reihe von Erleichterungen bei der Probenarbeit. Dennoch betont Antoinetta Bafas: "Für uns gilt nach wie vor, die höchste Sicherheit anzubieten, die es uns erlaubt, mit einem sicheren Gefühl sich dem Singen wieder zu öffnen."

Vocalensemble Coburg

"Mit dem Vocalensemble Coburg beginnen wir erst Mitte Oktober, um auch die Lage vor Ort mit Reiserückkehrern und dem Schulbeginn abzuwarten", sagt Steffi Herrgesell als Leiterin des Vocalensembles: "Wir freuen uns schon sehr auf die Proben und ich habe ein Weihnachtsprogramm vorbereitet in der Hoffnung, dass Weihnachtskonzerte stattfinden dürfen." Geplant ist zunächst ein Konzert am Sonntag, 12. Dezember in der Heilig-Kreuz-Kirche: "Hier backen wir erst mal kleine Brötchen, um nicht wieder alles absagen zu müssen". Die Proben seien "auf jeden Fall unter Maßgabe von 3G ausgelegt und natürlich halten wir auch immer noch den Abstand zwischen den Sängerinnen ein."

Musizierkreis Neustadt

Erleichtert über die Lockerungen der Corona-Regeln zeigt sich Norbert Luche, langjähriger Leiter des Musizierkreises Neustadt. Bereits Anfang September hatte Luche mit seinem Musizierkreis mit der Probenarbeit für das Neujahrskonzert am 22. Januar in der Mehrzweckhalle Heubischer Straße begonnen. Luche freut sich vor allem, dass unter Maßgabe der neuen Regelungen bei Konzerten wieder mehr Zuhörer zugelassen sind. Unter der Maßgabe, dass die 3G-Regel Anwendung findet und die Zuhörer auch auf den Sitzplätzen Maske tragen, kalkuliert Luche mit der Chance, für sämtliche denkbaren Sitzplätze Tickets anbieten zu können. "Im ersten Teil machen wir Stücke von Franz Lehár, im zweiten Werke von Robert Stolz", erzählt Luche. Und dazwischen gibt es Stücke eines Komponisten aus Neustadt: Albert Arnold.

Collegium Musicum Coburg

"Die erste Probe seit Frühling 2020 war bereits kurz vor den Sommerferien. Diese Woche geht es am Samstag dann weiter", sagt Joachim Rückert, Musikvorstand der Gesellschaft der Musikfreunde über die Planungen für das Collegium Musicum Coburg unter Leitung von Thomas Ehrle. Klar ist aus seiner Sicht: "Das Weihnachtskonzert in der Morizkirche soll am 4. Advent stattfinden" (20. Dezember, 17 Uhr, St. Moriz). "Nachdem sich das Gymnasium Albertinum in Coronazeiten dagegen gesperrt hat, in der dortigen Aula Proben stattfinden zu lassen und derzeit dort Fenster eingebaut werden, war das Collegium gezwungen, einen neuen Probenraum zu finden", erläutert Rückert: "Der ist nun mit dem großen Pfarrsaal von St. Marien gefunden und die Größe des Raumes lässt die volle Besetzung mit Abstandsregeln zu."

Kantorei St. Georg Neustadt

"Wir hatten am Montag wieder die erste Probe im Gemeindehaus", freut sich Kantor Markus Heunisch: "Endlich konnten wir wieder unter halbwegs vertrauten Bedingungen mit dem gesamten Chor proben." Zuvor habe er mit der Kantorei St. Georg nur in Gruppen oder in der Kirche proben können. Am Montag standen Stücke für den Ernte-Dank-Gottesdienst auf dem Probenplan. Heunisch gibt sich aber vorsichtig optimistisch, ein vorweihnachtliches Konzert am 3. Advent (12. Dezember, 17 Uhr) anbieten zu können - wenn auch ohne Orchester. Noch seien längst nicht alle Sängerinnen und Sänger der Kantorei wieder dabei. Spätestens in zwei Wochen will Heunisch entscheiden, wie das Programm beim Adventskonzert aussehen soll.

Kantorei St. Georg Neustadt

Musikfreunde Neustadt

In dieser Woche ist die Gesellschaft der Musikfreunde Neustadt mit ihrem Orchester nach langer Corona-Pause wieder in die Probenarbeit eingestiegen. Die Lockerungen ermöglichen nun auch in größerer Besetzung Proben im Saal des Familienzentrums am Schützenplatz. Als Vertretung für den aus gesundheitlichen Gründen pausierenden Chefdirigenten Hans Stähli haben die Musikfreunde Neustadt Manuel Grund als Dirigent für das Frühjahrskonzert verpflichtet. Grund ist seit September stellvertretender Leiter und Dozent der Berufsfachschule für Musik Oberfranken.  Die Musikfreunde planen ihr Frühjahrskonzert im März in der Mehrzweckhalle Heubischer Straße, erläutert Vorsitzender Bernd Frittrang. Auf dem Programm: Werke von Schubert, Grieg und Mendelssohn.

Jugendorchester Rödental

"Orchesterproben sind seit Juni wieder machbar, wenn auch mit Auflagen und Einschränkungen. Wir proben auch tatsächlich seitdem, immer mit den vorgeschriebenen zwei beziehungsweise drei Meter Abstand", sagt Christine Weiß, stellvertretende Vorsitzende des Jugendorchesters Rödental. Im Winter und das komplette Frühjahr hindurch hat das Jugendorchester Rödental ebenfalls jede Woche geprobt - allerdings virtuell. "Wir hatten in den vergangenen Wochen auch bereits einige Auftritte in Biergärten. Aktuell planen wir für unser Weihnachtskonzert gemeinsam mit dem Musikverein Rödental." Es soll am 26. Dezember in der Franz-Goebel-Halle stattfinden - in etwas veränderter Form, "mit ausreichend Abständen, mit weniger Catering, aber mit viel guter Musik. Ein entsprechendes Konzept erarbeiten wir gerade."