Laden...
Coburg
Auszeichnung

Lob auf Coburgs unsichtbaren Ex-Intendanten

Wie die Erstaufführung der Korngold-Operette "Die stumme Serenade" dem Landestheater eine besondere Auszeichnung des Bayerischen Rundfunks einbringt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ausgezeichnet: Susanne Prinz und Franziska Stürz sowie Stefan Frey (von links) überreichten den Operettenfrosch des Jahres Roland Fister und Tobias MAterna (rechts).Foto: Jochen Verger
Ausgezeichnet: Susanne Prinz und Franziska Stürz sowie Stefan Frey (von links) überreichten den Operettenfrosch des Jahres Roland Fister und Tobias MAterna (rechts).Foto: Jochen Verger
+23 Bilder
Wer die Operette liebt, allen Anfeindungen zum Trotz auch heute noch liebt, sollte einen ausgeprägten Sinn für Paradoxien und Unwahrscheinlichkeiten jeder Art besitzen.


Denn die Operette ist dann ganz bei sich, wenn sie der (vermeintlichen) Logik mal wieder die kalte Schulter zeigt, wenn sie sich an aberwitzigen Verwicklungen ergötzt, um schließlich doch auf ein Happy End zuzusteuern, das umso schöner ist, je kitschiger es wirkt.


Für wahre Operettenfans also wird dieser ganz besondere Abend in der Coburger Reithalle zu einem rauschenden Fest. Denn für einen Abend wird die Studiobühne des Landestheaters zum Aufnahmestudio des Bayerischen Rundfunks - Erich Wolfgang Korngold sei Dank.

Die Coburger Erstaufführung von Korngolds Operette "Die stumme Serenade" beschert dem Landestheater gut ein Jahr nach ihrer Premiere eine begehrte Auszeichnung, die der Rundfunksender BR Klassik vergibt - den Operetten-Frosch.


Frisch und witzig

Mit dem Operetten-Frosch zeichnet BR-Klassik Monat für Monat nach eigener Definition "besonders gut gemachte, zeitgemäße und frische Operettenproduktionen" aus. Und eine solche frische, witzige und temporeiche Produktion war dem Landestheater in der Regie von Tobias Materna mit Korngolds "Stummer Serenade" im Februar letzten Jahres gelungen. Verliehen wurde diese Auszeichnung bei einer Vorstellung der szenisch arrangierten Operetten-Gala unter dem Motto "Wir laden gern uns Gäste ein".


"Stumme Serenade" - so paradox kann auch nur ein Operetten-Titel sein. Und irgendwie passt es zu diesem paradox klingenden Titel, der eine ungesungen bleibende Serenade beschwört, dass der geistige Vater der Coburger Erstaufführung an diesem besonderen Abend unsichtbar bleibt.


Coburg-Trip abgesagt

Denn eigentlich hätte Coburgs ehemaliger Intendant Bodo Busse, der das Werk auf das Programm seiner Abschieds-Saison gesetzt hatte, an diesem Abend persönlich die Auszeichnung in Empfang nehmen sollen. Weil Busse, seit Herbst Generalintendant am Staatstheater Saarbrücken, krankheitsbedingt seinen Coburg-Trip kurzfristig absagen musste, wurde aus der Ehrung eine symbolische Preisüberreichung an Tobias Materna, den Regisseur der Coburger Korngold-Produktion, und an Roland Fister, den musikalischen Leiter.


Sehnsuchtswelt Operette

So blieb es in der Laudatio auf Bodo Busse von Susanne Prinz vom Bayerischen Rundfunk bei einer verbalen Huldigung. "Die stumme Serenade" am Landestheater sein "ein richtiges Kleinod" gewesen, lobte Susanne Prinz, die zugleich auf Busses Operetten-Faible verwies: "Die Operette imponiert ihm als eine besondere Mixtur, als eine Sehnsuchtswelt." Dass das Genre Operette am Landestheater einen hohen Stellenwert genießt, sei nicht zuletzt Coburgs Ex-Intendant zu verdanken: "Für Bodo Busse ist Operette kein Genre in der zweiten Reihe."


Beste Stimmung in der Reithalle

Wie sich mit Qualität im Operetten-Genre auch in der ersten Spielzeit nach Busses Weggang nach Saarbrücken punkten lässt, bewies zudem der Abend, in den die Preisverleihung eingebettet war. "Wir laden gern uns Gäste ein" - diese szenisch arrangierte Operetten-Melange in den Arrangements und unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Roland Fister am Klavier garantierte beste Stimmung unter den Besuchern.


Fußball-Operette

Ganz am Ende des ersten Teils erlebten sie dann sogar noch eine zweite Ehrung. Sie galt einem jungen Regisseur, der sich sehr dem Genre Operette verbunden fühlt. Den Operetten-Preis des Musiktheatermagazin "Orpheus" überreichte Iris Steiner an Martin G. Berger, der im Dezember letzten Jahres im Theater Augsburg die Fußball-Operette "Roxy und ihr Wunderteam" von Paul Abraham auf die Bühne gebracht hatte.


Geburtstagsständchen

Und weil Theater dann ganz besonders bei sich ist, wenn es sich selber feiert, gab es schließlich noch für Korngold-Regisseur Tobias Materna ein Geburtstags-Ständchen auf offener Bühne - samt Geburtstagstorte, auf der ein grüner (Operetten-)Frosch thronte.




Rund um den BR-Operettenfrosch


Der Operetten-Frosch Zum zweiten Mal vergibt BR-Klassik den "Frosch des Jahres" für eine mutige Operetten-Inszenierung: 2017 hat die Jury der Redaktion Operette erneut jeden Monat für besonders gut gemachte, zeitgemäße und frische Operettenproduktionen den "Frosch des Monats" verliehen. Aus diesem Dutzend hat die Jury der Redaktion Operette das Landestheater Coburg mit der Produktion "Die stumme Serenade" von Erich Wolfgang Korngold als Jahresgewinner gewählt.

Die Gewinner der 12 Monats-Frösche von 2017:
- Nationaltheater Mannheim mit "Wie werde ich reich und glücklich?" von Mischa Spoliansky
- Deutsche Oper am Rhein / Düsseldorf mit "Der Graf von Luxemburg" von Franz Lehár
- Landestheater Coburg mit "Die stumme Serenade" von Erich Wolfgang Korngold
- Theater Regensburg mit "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach
- Musikalische Komödie Leipzig mit "Prinzessin Nofretete" von Nico Dostal
- Opernhaus Zürich mit "Das Land des Lächelns" von Franz Lehár
- Seefestspiele Mörbisch mit "Der Vogelhändler" von Carl Zeller
- Lehár-Festival Bad Ischl mit "Kaiserin Josephine" von Emmerich Kálmán
- Stadttheater Gießen mit "Ein Herbstmanöver" von Emmerich Kálmán
- Tiroler Landestheater Innsbruck mit "Der Vetter aus Dingsda" von Eduard Künneke
- Theater Augsburg mit "Roxy und ihr Wunderteam" von Paul Abraham
- Mainfranken Theater Würzburg mit "Die Csárdásfürstin" von Emmerich Kálmán

Sendetermin Ausstrahlung am Sonntag, 25. März, 21.05 Uhr in BR-Klassik/Hörfunk