Am Freitag hat vor dem Landgericht Coburg der Prozess gegen Thomas K., Peter H. und Daniel R. begonnen. Ihnen wird vorgeworfen, für ihre Baufirmen in Wilhelmsthal Waren im Internet bestellt, auf Rechnung getankt und Fahrzeuge gemietet zu haben - obwohl sie wussten, dass sie das alles nicht bezahlen konnten.

So sollen sie mehrere Dienstleister in den Landkreisen Kronach und Coburg betrogen haben. Am ersten Verhandlungstag äußerten sich die Angeklagten zu den Taten, die ihnen zur Last gelegt wurden - und erklärten, wofür sie ihre Firmeneinnahmen ausgegeben haben.

Komplizierte familiäre Umstände: Wer hatte das Sagen in den Firmen?

Dabei musste erst einmal aufgedröselt werden, wer in welcher der Firmen das Sagen hatte. Und wie das alles mit den familiären Umständen zu tun hatte. Und das war nicht ganz unkompliziert. Denn: Eine Baufirma gehörte Thomas K. und Daniel R. Bei der anderen Firma war Peter H. Geschäftsführer. Die Firma von K. und R. hatte sich auf Bauarbeiten an Außenanlagen spezialisiert, H.s Firma führte Baumaßnahmen in Innenräumen durch. Verbunden sind die Angeklagten durch ihre Frauen: Daniel R. wohnt seit seinem 18. Lebensjahr bei Denise H. Die ist mit Peter H. verheiratet. Thomas K. wiederum hat ein Kind mit Mandy G. Und Mandy G. war auch schon mit Daniel R. liiert.

Die amourösen Vorgeschichten taten dem harmonischen Miteinander aber offenbar keinen Abbruch: Die Angeklagten sowie Denise H. und Mandy G. lebten zum Tatzeitpunkt alle zusammen in einem Haus - und auch die Finanzen wurden den Angaben der Angeklagten nach gemeinschaftlich geregelt.

Die Einnahmen beider Firmen wanderten also auf ein Konto, doch seien dort nicht allzu lange geblieben, wie Peter H. angab.

Das Geld wurde kurz nach Erhalt abgehoben und gelangte in eine Art "Gemeinschaftsgeldbeutel", auf den die gesamte Hausgemeinschaft Zugriff hatte. Die Angeklagten gaben an, von diesem Geld die Ausgaben des täglichen Bedarfs und Besorgungen für die Firma getätigt zu haben. Ein Mitarbeiter, der vor Gericht aussagte, führte diese Angaben auf Nachfrage von Richterin Jana Huber noch präziser aus: "Sie bezahlten Essen, Werkzeuge und Drogen."

"Gemeinschaftsgeldbeutel" für Essen, Werkzeuge und Drogen

Tatsächlich gab Thomas K. vor Gericht an, seit seinem 15 Lebensjahr von Crystal Meth abhängig zu sein und wöchentlich "zwischen 80 und 120 Euro" aus dem Gemeinschaftsgeldbeutel für seine Sucht aufgewendet zu haben.

Laut Aussage des Mitarbeiters sei es auch K. gewesen, der in der Firma das Sagen hatte. Daniel R. sei lediglich "hineingezogen" worden - R. sei in der Hierarchie "mehr Mitarbeiter als Chef" gewesen. Daniel R. sagt aus, sich um die Beschaffung von Maschinen gekümmert zu haben, denn von "dem ganzen Papierkram" hätte er "null Ahnung". Über die finanziellen Verhältnisse der Firma hätte er deshalb "nicht wirklich" Kenntnis gehabt.

Alle drei Angeklagten gestanden die ihnen vorgeworfenen Taten im Allgemeinen, betonten aber auch Abweichungen zur Anklageschrift bei einzelnen Ausgaben. So gab Peter H. an, für seine Firma Bedarf bestellt zu haben, obwohl ihm der Dienstleister wegen nicht bezahlter Rechnungen eigentlich nichts mehr liefern wollte. Da habe er sich kurzerhand eine Fake-Firma ausgedacht, eine neue E-Mail-Adresse angelegt und im Namen von Mandy G. bestellt. Er hätte die Waren "unbedingt gebraucht" und vor gehabt, das Geld für diese Waren vom Gemeinschaftsgeldbeutel "abzuzwacken". "Das war dumm von mir, das weiß ich selber", sagt er.

Fake-Firmen, Diebstahl, kein Führerschein

Auch einen Schlepper habe er angemietet, gefahren sei er aber nicht. Am Steuer hätten Thomas K. und Daniel R. gesessen - und das obwohl die gar keinen Führerschein besitzen.

Ein Geschädigter gab dann schließlich an, Anzeige gegen die drei Geschäftsführer erstattet zu haben. Der Grund: Er habe sich von K. überreden lassen, ein Auto in seinem Namen zu mieten. Für die Kosten sollten die Angeklagten aufkommen. Daran hätten sich die drei auch gehalten, aber hätten das Konto des Zeugen danach dazu benutzt, andere Rechnungen für ihre Firmen zu begleichen - der Zeuge habe das an Abbuchungen bemerkt, die er nicht autorisiert hatte. Die Verhandlung wird am 11. Mai fortgesetzt.