Davon träumen die Mimen - von treuen Fans, die auch nach vielen Jahren ihre Bühnen-Lieblinge noch in bester Erinnerung bewahren. Vor fast einem Jahrzehnt hat die Schauspielerin Anja Lenßen das Landestheater Coburg verlassen und nach einem kurzen Gastspiel am Theater in Lüneburg ihre neue künstlerische Heimat am Staatstheater Meiningen gefunden. Noch immer aber hat sie viele Fans in der Vestestadt und in der Region. Das bewies jedenfalls die außergewöhnliche Resonanz bei ihrem Gastspiel in der Reihe "Cultur im Contakt", wo sie zuletzt vor gut fünf Jahren mit dem Salonorchester Bonbonniere zu Gast war - dicht besetzt die Sitzplätze bis in die letzten Reihen.

"Frau über Bord"

Diesmal kam sie als Duo mit ihrer langjährigen Klavierpartnerin Viola Bornscheuer, mit der sie im Dezember 2014 ein Benefizkonzert bei "Leise am Markt" gestaltet hatte. Im Gepäck: ein nostalgisch gefärbtes Programm unter dem Motto "Frau über Bord - Männerfang auf hoher See". Dazu hatten Anja Lenßen und Viola Bornscheuer (alias Trixie Delaporte) Chansons und Schlager von den 20er bis 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ausgewählt.

"Er heißt Waldemar"

Das Resultat: eine kurzweilige Vortragsfolge, die Anja Lenßen mit Gespür für Bühnenwirksamkeit präsentierte. Jedes Chanson, jedes Lied wird bei ihr zur kleinen Szene - von "So oder so ist das Leben" bis "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", von "Er heißt Waldemar" bis "Ein Schiff wird kommen".

Capri-Fischer

Sie singt von einem Spaghetti-Kavalier und von reichen Russen mit ausgeprägter Eifersucht, von den Capri-Fischern und von der vergeblichen Suche nach allein Reisenden Millionären.

Enttäuschte Hoffnungen

Mit allerlei Requisiten, vor allem aber mit ihrem Gespür für präzis platzierte Bühneneffekte verwandelt sie diesen Chansonabend in ein Seestück, das von Liebesabenteuern, vor allem aber von enttäuschten Hoffnungen auf hoher See erzählt.

Musikalische Stichworte

Das gelingt der singenden Schauspielerin auch deshalb so überzeugend, weil ihre Klavierpartnerin Viola Bornscheuer in ihrer Rolle als Trixie Dellaporte dazu am betagten Bechstein-Flügel jederzeit den sicheren musikalischen Rückhalt garantiert und die klingenden Stichworte liefert.

"Rote Rosen"

Als Zugabe schließlich noch eine Erinnerung an Anja Lenßens erfolgreichen Coburger Hildegard-Knef-Abend: "Rote Rosen".

Zu Gast im Contakt

Anja Lenßen absolvierte ihre künstlerische Ausbildung an der Schauspielschule Theaterwerkstatt Mainz. Sie war am Staatstheater Wiesbaden und am Landestheater Linz ebenso auf der Bühne zu erleben wie am Theater Nordhausen (2000 und 2002). Von 2003 bis 2010 gehörte sie zum Ensemble des Landestheaters Coburg. Nach einem kurzen Gastspiel am Theater in Lüneburg gehört sie seit 2011 dem Ensemble des Staatstheaters Meiningen an. Ausblick Sonntag, 5. Mai, 19.30 Uhr - Timm Sigg "Die Leiden des jungen Professors", Haus Contakt