Was haben das Landestheater in Coburg und der Flugplatz auf der Brandensteinsebene gemeinsam? Beide haben in ihrer heutigen Form nur eine begrenzte Betriebserlaubnis. Während es aber beim Flugplatz im Kern um die Zulassung für den Instrumentenflug geht, schaut es beim Landestheater ernster aus: "Es ist wichtig, dass wir 2017 mit den ersten Baumaßnahmen beginnen", sagte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) am Rand des Neujahrsempfangs der SPD-Stadtratsfraktion am Samstag. "Denn sonst verlieren wir für das das Landestheater die Betriebserlaubnis."

Immerhin scheint es aber nun soweit zu sein, dass konkrete Planungen beginnen können. Denn der Freistaat habe akzeptiert, dass das Landestheater für seinen Betrieb mehr Platz braucht, sagte Tessmer. Dass eine Generalsanierung des historischen Gebäudes und der Technik unumgänglich ist, steht seit Jahren fest.
Allerdings äußerte die Theaterleitung den Wunsch, dass, wenn schon gebaut werde, auch zusätzliche Probenräume geschaffen werden. Für Chor, Orchester und Ballett werden entsprechende Räume gebraucht, erläuterte Intendant Bodo Busse, der ebenfalls an dem Empfang im Restaurant Rosengarten teilnahm. Der Chor zum Beispiel übe unterm Dach des Theaters, wo es im Sommer unerträglich heiß werden könne. "Da sind schon Proben ausgefallen." Das Ballett zieht schon seit Jahren von einem externen Probenraum zum nächsten. Außerdem, so Busse, brauche das Theater zusätzliche Büroflächen für Verwaltung und Service, da im Hauptgebäude nach der Sanierung nur noch die technischen Dienste untergebracht werden sollen.

Platz für all das sahen Theaterleitung und Vertreter des Stadtrats im und am Palais Kyrill, besser bekannt als Kinderhaus.Doch es war offenbar nicht so einfach, die Vertreter von Kultur- und Finanzministerium zu überzeugen, dass im Zuge der Generalsanierung auch zusätzliche Räume geschaffen werden müssen. Der Stadtrat hat nun in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, das Palais Kyrill samt Grundstück in Erbpacht dem Landestheater zur Verfügung zu stellen. Das Kinderhaus soll nach derzeitigem Planungsstand in die Lutherschule umziehen.

Auch die Verhandlungen über die Finanzierung sind dem Vernehmen nach vorangegangen. Bisher übernahm der Freistaat Bayern bei Baumaßnahmen 75 Prozent der Kosten. Das wird er auch bei der Generalsanierung tun und bei den Kosten für eine Ausweichspielstätte. Die wird sich am Anger befinden - entweder in der Angersporthalle oder in einem Behelfsbau anstelle der Halle. So viel scheint sicher zu sein. Die Kosten für die Sanierung und die Anbauten am Palais Kyrill sollen sich Freistaat und Stadt hälftig teilen, hieß es.

Dass es zu dieser Einigung kam, "haben wir unserem beharrlichen Oberbürgermeister zu verdanken", sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Bettina Lesch-Lasaridis in ihrer Begrüßung zum Empfang. Seit Tessmer hier federführend sei, "ist es ganz schnell vorwärts gegangen", bestätigte Intendant Bodo Busse. Als nächstes wird das staatliche Hochbauamt von Ministeriumsseite einen Auftrag zur Planung erhalten Bodo Busse schwärmte indes schon jetzt: "Wenn es soweit ist, haben wir eins der schönsten Theater Deutschlands!"