Der Gemeinderat Lautertal befürwortete in seiner Sitzung am Donnerstag grundsätzlich - Abstimmungsergebnis von 9 zu 6 Stimmen - ein Repowering der bestehenden Windräder in den Gemarkungen Tremersdorf und Rottenbach. Damit kann sich die Firma Uhl - Windkraft Projektierung als Investor auf die politische Legitimation des Gremiums zum Vorhaben berufen und seine Planungsarbeiten fortsetzen. Repowering bedeutet, dass neue Anlagenteile, zum Beispiel mit höherem Wirkungsgrad, in die vorhandenen Anlagen eingebaut werden.

Angst vor hohen, lauten und dominanten Windenergieanlagen

Der Gemeinderat diskutierte ausführlich das Für und Wider, auch im Bewusstsein, dass die rechtlichen Regelungen bei den Abständen nicht absolut feststehen und dass Bürger Angst vor zu hohen, lauten und dominanten Windenergieanlagen haben. So informierte Bürgermeister Karl Kolb (ÜPW) darüber, dass bei der Gemeinde eine Liste mit 106 Unterschriften aus den Ortsteilen Tremersdorf und Rottenbach eingegangen sei. Dies entspreche rund zwei Drittel der dortigen wahlberechtigten Bürger. "Wir haben uns auch deshalb die Beschlussvorbereitung keineswegs leicht gemacht", betonte Karl. Allen Mitgliedern des Gemeinderates liege ein grober Planungsentwurf vor und die Fraktionsführer seien regelmäßig im Rahmen von Videokonferenzen unterrichtet worden. Es habe außerdem eine Informationsveranstaltung für die Bürger im Juli und in der öffentlichen Sitzung des Klima- und Umweltbeirates gegeben, in denen umfassend über das Vorhaben informiert worden sei, erinnerte Kolb.

ÜPW-Fraktion für Modernisierung der Windkraftanlage

Eine Stellungnahme der ÜPW-Fraktion verlas Dritter Bürgermeister Hans Rauscher, in der man sich klar für eine Modernisierung der Anlage aussprach. Die Erhöhung der Leistung pro Windrad bringe zehn Millionen Kilowattstunden pro Jahr, das sei das Zwölffache eines der bisherigen Windräder. Grundsätzlich seien drei Emissionen zu beachten: Lärm, Infraschall und Schattenwurf der Rotorblätter. Es sei der Fraktion wichtig, dass beim Repowering alle gesetzlichen Grundlagen eingehalten werden. Ein Gesamtpaket für eine breite Beteiligung der Bürger sei geplant, um am wirtschaftlichen Erfolg teilzuhaben. Von den anfallenden Gewerbesteuereinnahmen würden die gesamte Gemeinde und ihre Bürger profitieren, erklärte Rauscher.

"Eine völlig neue Größenordnung"

Rottenbachs Ortssprecher Udo Oppel bezeichnete das Repowering als "Freibrief" für eine Windkraftanlage, die den Weg in eine völlig neue Größenordnung ebne. "Wir sind verpflichtet, die betroffenen Bürger vor neuen Belastungen zu schützen", warf er ein. Norbert Seitz (CSU) erklärte, man müsse sich schon fragen, ob neue höhere Windräder im Sinne der betroffenen Bürger seien. Die Landschaft werde beeinträchtigt, die Lebensqualität verringert. "Wie können wir unsere Bürger davor schützen?", stellte Seitz in den Raum. Es gebe derzeit keinen Zwang, einen Grundsatzbeschluss zu fassen. Die Firma solle erst einmal sehen, ob sie überhaupt in den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern den Standort sichern könne.

Dem widersprach Dr. Bernd Wicklein (ÜPW): "Es ist wichtig, gegenüber der Bevölkerung und der Firma Uhl ehrlich zu bekennen, ob wir ein Repowering wollen oder nicht. Die Energiegewinnung aus Windkraft ist nicht nur nachhaltig, sondern auch wesentlich effektiver als beispielsweise Photovoltaik und sie bringt uns eine Menge Geld nach Lautertal", betonte Wicklein. "Wir müssen aufhören, rumzueiern und offen Flagge zeigen, den Bürgern bekunden, wo wir stehen", mahnte Zweiter Bürgermeister Martin Rebhan (SPD). Es gebe zu den Windrädern keine Alternative und die Firma brauche eine Sicherheit für ihr Vorhaben. Karl Kolb erklärte zum Abschluss der Diskussion, dass die Firma Uhl Windkraft Projektierung sehr kooperativ sei und Wert auf Akzeptanz unter der Bevölkerung sowie entsprechende Transparenz lege.

Bedenken in weiteren Ortsteilen

Den Plänen im Regionalplan Oberfranken-West zur Neuausweisung eines Vorranggebietes für Windkraftanlagen bei Fornbach steht der Gemeinderat Lautertal eher skeptisch gegenüber. In seiner Stellungnahme heißt es, die geplanten Windkraftanlagen seien von Lautertal aus sichtbar. Es sei davon auszugehen, dass sich die dadurch verursachten Emissionen wie Lärm und Schattenwurf auf die Ortsteile Tiefenlauter und Neukirchen auswirken. Alle gesetzlichen Grenzwerte und Abstände seien verlässlich einzuhalten, Gemeinderat und Bürger seien regelmäßig und umfassend zu informieren. Zu bebauten Ortsteilen solle ein Abstand der Anlagen von über 1000 Metern festgelegt werden. Rechtzeitig, regelmäßig und umfassend seien der Gemeinderat und die Bürger von Neukirchen und Tiefenlauter über die Entwicklung bei dem Vorhaben zu informieren.