Dagmar Escher geht für die Grünen ins Rennen. Harsche Kritik an fehlender Information durch die Geschäftsführung von Regiomed.
Dagmar Escher bewirbt sich um das Amt der Coburger Landrätin. Die Kreisrätin der Grünen und Gemeinderätin in Meeder erhielt bei der Aufstellungsversammlung ihrer Partei am Donnerstagabend in Bad Rodach das Votum aller neun stimmberechtigten Mitglieder. Sechs Kandidaten wollen nun Michael Busch bei der Wahl am 27. Januar 2019 beerben, der im Herbst in den bayerischen Landtag gewählt wurde.
Bekannt geworden und Profil gewonnen hat Dagmar Escher als Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Weißer Berg und als Sprecherin des Bündnisses "Bürger für ihre Region gegen den neuen Verkehrslandeplatz". "Allerdings ist das Planfeststellungsverfahren noch nicht geschlossen. Vorsicht ist angebracht", sagte sie am Montag.
Escher: Warum gab es keine Infos über den Regiomed-Verlust?
Nachdem kürzlich der erstmalige Jahresverlust des Regiomed-Klinikverbundes von vier Millionen Euro bekannt geworden ist, ging Dagmar Escher hart mit den nicht gegebenen Information an den Kreistag Coburg ins Gericht. Über den Krankenhausverband Coburg sind sowohl der Landkreis als auch die Stadt Coburg Gesellschafter der Regiomed-Klinikum GmbH und der Landrat sowie der Coburger Oberbürgermeister haben auch Sitz und Stimme im Aufsichtsrat der GmbH. "Genau vor einer Woche, im Kreisausschuss war Regiomed Thema", sagte Dagmar Escher in ihrer Vorstellung. "Kein Wort über die finanzielle Schieflage." Auch in der Sitzung des Coburger Stadtrates habe die Geschäftsführung nicht über den Sachverhalt informiert. "Leider ist das nicht das erste Mal", sagte Escher.
Escher befasste sich weiter mit dem Thema Pflege. Um ein Altersheim, das Regiomed von der Schwesternschaft Coburg übernommen habe, rankten sich nach Angaben der Grünen-Kandidatin Gerüchte über schlechte Versorgung und eine "grottenschlechte Bewertung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MdK)".
Wie Escher berichtete, ist bei der Prüfung am 5. September dieses Jahres das Seniorenzentrum Bertelsdorfer Höhe bei der Pflege und medizinischen Versorgung mit der Note "mangelhaft" (4,5) bewertet worden. Weiter sei dem bkk-Pflegefinder zu entnehmen, dass es für den Umgang mit Demenzkranken sowie für die Betreuung und Alltagsgestaltung je "befriedigend" gab, die Note "sehr gut" erhielt der Bereich "Wohnen ,Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene". Daraus ergab sich ein Gesamtergebnis von 3,4 (befriedigend). Der bayerische Durchschnitt in Bayern liegt laut bkk-Pflegefinder bei 1,3. Deutschland leiste sich Museen und Bäder als Zuschussbetriebe. "Ausgerechnet Krankenhaus und Altenheim sollen als Grundpfeiler der Daseinsvorsorge rentabel sein?", erteilte Dagmar Escher jeglicher Gewinnmaximierung eine Absage.
Selbstverständlich war auch der Verkehrslandeplatz bei Neida ein Thema der Grünen-Politikerin. Die nach ihren Worten "oft falschen und einseitigen" Informationen dazu seien ein Grund für sie gewesen, sich um das Amt als Landrätin zu bewerben. Sie erinnerte daran, dass der frühere Amtsinhaber "eigenmächtig Entscheidungen am Kreistag vorbei" getroffen habe. Solch unangemessenes Verhalten schädigten das Ansehen des Amtes und der Politik. Dagmar Escher sagte zu, "mit allen Fraktionen und Gruppierungen offen, gleichberechtigt und transparent und um der Sache willen zusammenzuarbeiten", sollte sie Landrätin werden.
Auswirkungen der Trockenheit
Die Trockenheit in diesem Jahr habe den Klimawandel "sichtbar und spürbar gemacht", sagte Dagmar Escher. Das Aussterben von Tierarten gehe dem des Menschen nur voraus. "Die Auswirkungen von Entscheidungen des Landkreises auf die Natur sind in Zukunft immer mit zu bedenken." Dagmar Escher forderte weiter, den Flächenverbrauch zu begrenzen, Straßen zu sanieren, "statt neue Trassen in die Landschaft zu hauen, die Energieversorgung dezentral zu regulieren, bestehende Leitungen zu verstärken und den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft zu reduzieren. Weiter sprach sie sich für die Stärkung der Kindertagesstätten und der Schulen aus.