Die Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" auf der Veste Coburg durfte sich bereits über 90.000 Besucher freuen. Sie alle kamen aus der Region, aber auch von weit her. Sie erkundeten die Ausstellung für sich allein oder nahmen an einer begleiteten Führung teil. Eine spezielle Form des informativen Rundgangs gibt es aber erst seit Montag und zwar für Menschen, die die historischen Stücke nicht mit ihren eigenen Augen sehen können.

Horst Rüdel leitet diese Führung für Sehbehinderte. Im Foyer begrüßt er seine fünf Gäste. "Wenn ich Ihnen etwas zeigen möchte, dürfte ich dann Ihre Hand nehmen und sie an das Objekt heranführen?", fragt er einfühlsam. Natürlich hat keiner etwas dagegen. Also zieht die Gruppe los Richtung Ausstellungsräume. Vollständig blind sind nicht alle Teilnehmer. Zwei haben neben ihrem Blindenstock, mit dem sie sich vorsichtig vorwärts tasten, noch eine Begleitung dabei. Bei diesen haken sie sich mit den Armen ein und lassen sich führen.


Anfassen erlaubt

Zwei Holzfiguren sind die erste Station. Leider stehen sie in einer Glasvitrine. Deshalb beschreibt Rüdel ausführlich die beiden Bauern aus dem 16. Jahrhundert, die gerade auf dem Weg zum Markt sind, um ihre Waren zu verkaufen. Auch einen "Türkenhelm" beschreibt er möglichst genau, mit dessen auffälliger Spitze und zwei Aushebungen für die Augen.

Anfassen dürfen die sehbehinderten Menschen nicht alles. Doch für sie werden einige Exponate speziell bereitgestellt. Zum Beispiel ein altes Siegel und einige Münzen aus Luthers Zeit. Behutsam nimmt Rüdel die Hand seiner Gäste und führt diese über die Münze. Dabei erklärt er ihnen, was darauf geschrieben steht und welches Symbol darauf abgebildet ist. Auch ein Modell des Stadtlebens um 1500 dürfen die Besucher ertasten - obwohl davor ein Schild steht, das darauf hinweist, genau dies nicht zu tun. Bei dieser Führung wird aber mal eine Ausnahme gemacht.


150.000 Besucher begrüßt

Nicht alltäglich war auch der Besuch von Julia und Mathias Kraus aus Behringersmühle nahe Gößweinstein (Kreis Forchheim) auf der Veste. Eigentlich wollten sie nur die Ausstellung genießen. Diesen Ausflug hatten sie sich am Montag ausgesucht, denn Mathias Kraus feiert seinen Geburtstag. Doch stattdessen sehen sie sich umringt von Reporten, Fotografen und Menschen im Anzug. Sie alle waren gekommen, um das Ehepaar zu gratulieren, denn einer von ihnen war der 150.000. Besucher der Landesausstellung in Coburg.

Wer von beiden nun genau der Jubiläumsgast war, konnten sie nicht sagen. Sie waren zum einen natürlich wegen der Ausstellung nach Coburg gereist, zum andern wegen der Veste. Besonders auf die Kanonenausstellung freuen sich die beiden. "Wir kommen regelmäßig hierher", sagt Julia Kraus. Dann geht es meist ins Landestheater oder zum Sambafestival. Auch die vielen schönen alten Gebäude der Stadt haben es ihnen angetan.

Jetzt kann sich das Ehepaar auch über einen Ausstellungskatalog und eine Veste-Monografie freuen, mitsamt Luthersocken und Coburger Schmätzchen. Das Jubiläums-Präsent rundet ein Gratis-Ticket für die kommende Landesausstellung 2018 im Kloster Ettal ab, zusammen mit einer kostenlose Anreise per Bahn.


Zufrieden über Zuspruch

Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, hat dies aus Augsburg mitgebracht. "Passt", sagt er, als er über die bisherige Bilanz der Landesausstellung in Coburg sein vorläufiges Fazit zieht. Angesichts der Konkurrenz etwa in Wittenberg oder Eisenach, sei es ein "großes Wagnis, aber ein kalkuliertes Risiko" gewesen, die Ausstellung nach Coburg zu holen. "Aber unser Konzept ist aufgegangen", sagt er zufrieden. Im "Reformationsmonat" Oktober rechne er noch mit erheblichem Zugewinn. Die Veste allein könnte dann auf insgesamt 125.000 Besucher kommen, zusammen mit den Gästen in der St. Moriz-Kirche käme die gesamte Ausstellung dann auf 200.000 Besucher.

Das wäre dann eine deutliche Steigerung zur Landesausstellung im Jahr 1997. Damals kamen rund 133.000 Gäste nach Coburg, sagt Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). "Unser Ziel war es immer, das zu toppen. Und das ist uns offensichtlich gelungen", sagt er.