Ein Auto fährt auf einem Feldweg entlang. Wenige Meter entfernt läuft ein Hund durch die Wiese. Diese Szene hat Nina Liebermann, Bürgermeisterin der Gemeinde Itzgrund, vor Kurzem auf der Freiberger Höhe im Jagdrevier Kaltenbrunn beobachtet. Wer seinen Hund vom Auto aus Gassi führt, hat diesen ihrer Einschätzung nach nicht mehr unter Kontrolle. Das kann nicht nur wegen des Jagdtriebs der Hunde zu einer Gefahr für die geschützten Arten werden, wegen der ein Großteil der Wiesen im Itzgrund als FFH- oder Natura 2000 Gebiete ausgewiesen sind. Ein weiteres Problem ist der Kot, den die Halter nicht aufsammeln und entsorgen.

Im Itzgrund gibt es verhältnismäßig kleine Wald- aber große Freiflächen. Aus diesem Grund würden neben den Einheimischen auch auswärtige Hundebesitzer regelmäßig hier Gassi gehen. "Der Hundetourismus bei uns hat zugenommen. Nahe der üblichen Gassirouten parken häufig Autos mit auswärtigen Kennzeichen", sagt Liebermann. Um das Problem mit dem Hundekot zu lösen, hat die Gemeinde entlang der Wege Hundekotbehälter mit Tütenspendern aufgestellt. "Landwirte beschweren sich regelmäßig, weil benutzte Tüten auf den Äckern landen. Dabei sind die Behälter ja eigentlich eine Aufforderung, den Hundekot mitzunehmen."

Probleme für die Landwirtschaft

Liegt der Hundekot erst einmal auf einem Acker oder in einer Wiese, können sich Partikel durch das Mähwerk breitflächig verteilen. So gelangt der Hundekot in das Futter von Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden, für die heimische Wiesen die Futtergrundlage sind. "Wir versuchen, das Heu, das Gras und die Silage sauber aufzunehmen und dann ist Unrat mit drin", bemängelt Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands Coburg.

Das könnte Sie auch interessieren: Hundesteuer - hier zahlen Halter im Raum Coburg die höchsten Beträge

Vor allem für Rinder kann es verheerende Konsequenzen haben, wenn sie den Kot über die Nahrung aufnehmen. "Der einzellige Erreger, Neospora caninum', der im Hundekot enthalten sein kann, kann bei Rindern Fehlgeburten verursachen", sagt Tierarzt Dr. Rainer Pechtold. Wenn eine Kuh den Erreger über den Hundekot im Futter aufgenommen hat, trägt sie diesen dauerhaft in sich. "Ein damit einhergehendes Problem ist, dass die Kühe den Erreger wiederum mit der Nachgeburt und dem Fruchtwasser ausscheiden." Das bleibt vor allem in Laufställen nicht ohne Folgen, weil Kühe ihre Nachgeburt wegen des enthaltenen Eiweißes oft fressen. "Der Erreger kann sich im ganzen Bestand ausbreiten", erläutert Pechtold einen möglichen Verbreitungsweg des Erregers. Auf der Weide würde eine Kuh von Natur aus einen Bogen um einen Hundehaufen machen.

Laut Rebelein sei die Verunreinigung mit Hundekot ein immer größer werdendes Problem. "In der Nähe von Wohngebieten und größeren Ortschaften besonders problematisch. Es gibt richtige Hundespazierwege. Landwirte schimpfen zu Recht, weil hier ein Haufen neben dem anderen liegt", sagt Hans-Jürgen Rebelein. Er bemängelt ebenfalls, dass mit Kot befüllte Hundetüten häufig in der Landschaft entsorgt werden. "Dann liegt nicht nur Kot, sondern auch Plastik auf den Wiesen und Feldern, das ist eine Sauerei und ein Krankheitsrisiko."

Antrag auf Leinenpflicht gestellt

Um dem Problem entgegenzuwirken, hat der Bauernverband einen Antrag an die Stadt und den Landkreis Coburg gestellt. "Wir haben eine Hundeleinenpflicht in Vogelschutzgebieten von Mai bis September beantragt. So würden wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", sagt Rebelein. Das Naturschutzgesetz sehe ohnehin ein Betretungsverbot von Vogelschutzgebieten während der Vegetationszeit vor. Vor allem, was Wiesen betrifft, wird das Verbot laut Rebelein oft nicht beachtet. "Von der Stadt Coburg wurde der Antrag abgelehnt, das Landratsamt hat noch keine Entscheidung getroffen."

Wie das Landratsamt Coburg unserer Zeitung auf Anfrage mitteilte, werde der Antrag des Bauernverbands derzeit geprüft, wann eine Entscheidung fällt, steht noch nicht fest. Im Landkreis gibt es insgesamt neun Vogelschutzgebiete, die eine Gesamtfläche von 2632 Hektar umfassen. Das größte Vogelschutzgebiet liegt mit 1118 Hektar im Itzgrund. Danach folgen die Schutzgebiete im Rodachtal und Wiesenfeld mit jeweils 674 Hektar und 447 Hektar. Das kleineste Vogelschutzgebiet des Landkreises befindet sich mit zwölf Hektar in Sülzfeld.

Eine Gefahr für ungeborene Kälber

Parasiten Die Übertragung von Parasiten auf Pflanzenfresser erfolgt in der Regel durch den Kot von Fleischfressern. Der Parasit "Neospora caninum" ist die weltweit häufigste Ursache für Fehlgeburten beim Rind. Sein bisher einziger bekannter Endwirt ist der Hund, das Rind gilt als Zwischenwirt.

Übertragungsweg Hunde nehmen den Parasiten über infiziertes, rohes Fleisch auf und scheiden diese bis zu drei Wochen als Eier im Kot aus. Wenn Rinder diese über das Futter aufnehmen, werden der Fötus und die Fruchthülle befallen, was zu Fehlgeburten führen kann. Quelle: BBV