Wie nahe am Abgrund der Verzweiflung kann Musik entstehen? Wie klingt Musik, die sich immer wieder am Rand des endgültigen Verstummens bewegt?

Miecczyslaw Weinberg im Zentrum des Programms

Diese Fragen drängten sich auf beim Gastspiel des Trios con Brio in Coburg. Denn Musik am Rande des Verzweifelns - das ist das 1945 entstandene Klaviertrio a-Moll des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, das das Trio con Brio in den Mittelpunkt seines Programms gerückt hatte. Musik zwischen Verzweiflung und Verstummen, die Weinberg geschrieben hatte, nachdem er seine gesamte Familie in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten verloren hatte.

In ihrer Expressivität, in ihrer Wucht der Emotionen ist diese Musik auch heute noch eine unüberhörbare Anklage - vor allem dann, wenn sie so intensiv, so unentrinnbar nachdrücklich musiziert wird wie am Montag vom Trio con Brio, das auf Einladung der Gesellschaft der Musikfreunde bereits zum dritten Mal im Kongresshaus gastierte.

Faszinierende Ausdruckskraft

Wie Weinbergs Musik zwischen schreienden Ausbrüchen und fast erstickendem Verstummen hin und her pendelt, war in dieser Wiedergabe von einer beinahe unerträglichen Intensität.

Eines der viel zu selten gespielten Trios von Joseph Haydn bildete den Auftakt - ein Werk des späten Haydn, das 1795 in London entstandene Trio E-Dur. Das Trio von Brio leuchtete den verblüffenden Ausdrucksreichtum vor allem des Mittelsatzes mit feinem Gespür und klanglich perfektem Zusammenspiel aus.

Musik am Rande des Verstummens - das trifft in vielen Werken auch auf die Musik Franz Schuberts zu, oftmals sogar dort, wo sie scheinbar melodienselig singend daher kommt. Besonders eindringlich gilt das für sein Klaviertrio Es-Dur, das am Ende des Programms stand. Denn genau diese Stellen, an denen die Musik mit ihrer Trauer kurz vor dem Verstummen scheint, interpretierte das Trio con Brio mit faszinierender Ausdruckskraft.

Auch dafür wurde das Trio am Ende mit bemerkenswert ausdauerndem Beifall gefeiert. Die Gäste bedankten sich mit einer klug gewählten Zugabe: dem 3. Satz aus Dvoráks "Dumky-Trio".