"Es geht um die strategische Ausrichtung für die nächsten Jahre", sagt Martin Finzel. "In Coburg werden die Leitsätze für das kirchliche Handeln beschlossen." Die evangelische Kirche will sich nach außen wenden, Kooperationen suchen, um die Menschen zu erreichen - auch jene, die Abstand zur Kirche halten oder entwickelt haben. Dass solche Überlegungen auch etwas mit Geld zu tun haben, streitet Finzel, der auch Mitglied des Finanzausschusses der Landessynode ist, gar nicht ab. Aber: "Es wäre schlimm, wenn wir die Diskussionen über Veränderungen von den Finanzen her führen und nicht von den Inhalten", betont Finzel.

Kooperationen von Kirchengemeinden sind nichts Neues - gerade in Coburg: Petra Heeb, seit 17 Jahren im Kirchenvorstand von St. Lukas, verweist auf das Beispiel ihrer Gemeinde. St. Lukas arbeitet mit Creidlitz, Seidmannsdorf und Niederfüllbach zusammen, die Pfarrer teilen Aufgaben wie Notfallseelsorge, Kindergärten oder Schulunterricht untereinander auf. Anlass dafür war auch, dass die Gemeinden kleiner wurden.

Neu ist nun, dass die Kirche die engere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufsgruppen, mit der Diakonie, den politischen Gemeinden oder anderen Konfessionen ausdrücklich ins Auge fasst. Darüber wollen die Synodalen ab Dienstag diskutieren. Was von dieser Strategie danach aber vor Ort umgesetzt wird, bleibe den Gemeinden und Dekanaten selbst überlassen, betonen Martin Finzel und Petra Heeb. Die Kommunikation mit den Gemeinden sei hierbei ganz wichtig.


Basis einbezogen

"Die Diskussion über solche Dinge hat in den Gemeinden schon lange begonnen", betont Petra Heeb. Denn die Gemeinden sähen sich ja in der Not, mit immer weniger Pfarrpersonal ihre Angebote aufrecht zu erhalten. Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, wie stark die Kirchen in ihren Alltag hineinwirken, sei es über die evangelische Kita, die das Kind besucht, oder das Seniorenwohnheim der Diakonie, wo Angehörige betreut werden, meint Petra Heeb. Ihre Beobachtung: Austritte erklären meist die 30- bis 40-Jährigen, oft der Kirchensteuer wegen; ältere Menschen treten vielfach wieder ein, "weil sie merken, dass ihnen etwas fehlt".

Das muss nicht unbedingt der sonntägliche Gottesdienst sein. Die Kirche müsse über neue Formate nachdenken, meint Finzel. "Man muss die Komfortzonen verlassen", nötig sei ein Denken in Räumen und über Gemeindegrenzen hinweg. Es gelte, die neuen Medien nutzen, fordert er. "Wir müssen überlegen, wie wir die Menschen in der digitalen Welt erreichen und Antworten auf ihre Fragen geben."

"Die Menschen erwarten von uns Gottesdienst und Seelsorge, aber sie erwarten das in zeitgemäßer Form", bestätigt der Coburger Dekan Stefan Kirchberger. Auch er ist gespannt auf die Vorträge und Diskussionen zu dem großen Thema "Profil und Konzentration" (Dienstag, 28. März, 9 bis 12 Uhr, Kongresshaus, zugänglich für die Öffentlichkeit).

Die Frühjahrstagung wird zwar von München aus organisiert, trotzdem kommt auf das Dekanat und die Synodalen aus dem Raum Coburg, Kronach und Lichtenfels einiges an Arbeit zu. "Wir sind zuständig für die Begegnungsstätten", sagt Kirchberger: Der Eröffnungsgottesdienst wird am Sonntag in St. Moriz gefeiert, am Mittwochnachmittag ist ein Begegnungsprogramm vorgesehen, bei dem das Dekanat sich vorstellen wird. Außerdem müssen die Arbeitskreise der Synode bei ihren Sitzungen verpflegt werden, der Ausflug zur Veste will organisiert sein - "da bleibt viel an unseren Dekanen Stefan Kirchberger und Andreas Kleefeld und ihren Mitarbeitern hängen", bestätigt Petra Heeb. Seit eineinhalb Jahren laufen die Vorbereitungen vor Ort. Die Landessynode tagt erstmals seit Herbst 1994 wieder in Coburg.


Die Landessynode

Termin Beginn am Sonntag, 18 Uhr, mit dem Eröffnungsgottesdienst in der Morizkirche. Ende: Donnerstag, 30. März, ca. 15.30 Uhr. Tagungsort ist das Kongresshaus, die Eröffnung am Montag und die Vorträge am Dienstag sind öffentlich.

Wer 108 Synodale sind teils in ihren Kirchenkreisen gewählt, teils in die Synode berufen worden. Neben den Kirchenkreisen entsenden die Hochschulen und die Jugend Synodale. Sie alle sind auf sechs Jahre gewählt, treffen sich zwei Mal jährlich zu Tagungen und zu Ausschuss-Sitzungen.

Aufgaben Die Synode wird auch als Kirchenparlament bezeichnet. Sie verabschiedet Haushalt und Stellenplan der Landeskirche, sie entscheidet über die Gottesdienstordnung sowie die Ordnung des kirchlichen Lebens, sie wählt den Landesbischof und die leitenden Organe der Landeskirche.

Mehr Weitere Informationen zu Themen und Ablauf der Frühjahrstagung gibt es im Internet unter landessynode.bayern-evangelisch.de. Dort ist auch ein Link zur Liveübertragung aus den öffentlichen Veranstaltungen zu finden.