Jetzt ist auch der letzte Koffer gepackt worden. Mit einem bewegenden Gottesdienst hat am Sonntag Pfarrerin Kerstin Willmer Abschied von der Johanneskirchengemeinde in den Coburger Stadtteilen Hut und Wüstenahorn genommen. Bereits im Herbst 2016 hat ihr Ehemann Pfarrer Ulrich Willmer Coburg verlassen und eine Pfarrstelle an der St.-Johannis-Kirche in Nürnberg angetreten. Aus familiären Gründen, der Schulabschluss von Tochter Rahel sollte abgewartet werden, war Kerstin Willmer noch ein Jahr an der Johanneskirche in Coburg geblieben. Jetzt folgt sie ihrem Ehemann in die Frankenmetropole nach. Am Sonntag, 17. September, wird sie in der Nürnberger St.-Jobst-Kirche als Pfarrerin der Gemeinde in ihr Amt eingeführt.

Das Ehepaar Willmer war seit 2005 im Coburger Westen tätig. Sie hatten sich bis Herbst 2016 die dortige Stelle geteilt. Pfarrerin Willmer war zuletzt auch als Seniorin die Sprecherin des Coburger Pfarrkapitels. Zwischen dem Rücktritt von Dekan Christoph Liebst und dem Amtsantritt von Dekan Stefan Kirchberger unterstützte sie auch Dekan Andreas Kleefeld in der Leitung des evangelischen Dekanatsbezirkes Coburg, der ja eigentlich zwei Dekane an der Spitze hat.

"Die Johanneskirche ist ein Ort der Begegnung mit Gott", blickte die Geistliche mit etwas Wehmut auf die zwölf Jahre ihres Wirkens dort zurück. "Die Johanneskirche ist so vielen Menschen zur Heimat geworden, auch mir in dieser Zeit." Willmer lobte das Team, die vielen ehrenamtlichen sowie haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter in den zahlreichen Verantwortlichkeiten und Diensten. Kerstin Willmer: "Gemeinde lebt von und mit den Menschen. Die sich ihr zugehörig fühlen, die diese Gemeinde mitgestalten und mittragen."


Sie durfte Menschen begleiten

Sie erinnerte sich an Gemeindeglieder und Familien, die sie auf ihren Wegen zumindest teilweise begleiten durfte ... Familien mit Kindern, Konfirmanden, Hochzeitspaare, Trauernde. "Es war für mich ein Geschenk, Freud und Leid' zu teilen, manchmal Trost zusprechen zu können, manchmal einfach nur mit auszuhalten", sagte Willmer. Sie blickte auf die gute Zusammenarbeit mit der Melchior-Franck-Schule und dem Caritas-Seniorenheim St. Josef zurück. Sie werde in dem großen Nürnberg wohl auch die kurzen Kommunikationswege zur politischen Gemeinde vermissen. Bei ihrer Abschiedspredigt hatte Kerstin Willmer ihren dicken Schlüsselbund dabei. Diesen gab sie der Johanneskirchengemeinde zurück. "Gott wird neue Türen aufschließen", war sich Pfarrerin Willmer sicher. "Leben heißt Wandern, Leben heißt Veränderung, aber Gott geht all diese Wege mit uns."

Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD), der auch Vorsitzender des Kirchenvorstandes Johanneskirche ist, würdigte die Spuren, die das Pfarrersehepaar Ulrich und Kerstin Willmer im Coburger Westen hinterlassen habe. "Zwei halbe Stellen waren bei euch beiden viel mehr als eine ganze Stelle", sagte Nowak. "Du hast Dich um die Menschen in unserer Gemeinde gekümmert." Kerstin sei eine gefragte Gesprächspartnerin für die Gemeindeglieder gewesen. "Alles, was du in unserer Gemeinde gemacht hast, hast du aus vollem Herzen, mit voller Überzeugung und mit ganzem Engagement gemacht."

Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) wies darauf hin, dass sowohl die Kommune als auch die geistliche Gemeinschaft mit dem Wort "Gemeinde" bezeichnet würden. "Der gemeinsame Nenner ist das Wohl der Menschen", fuhr Tessmer fort. Kerstin Willmer habe stets an der Basis, nahe bei den Menschen gewirkt. "Wir gönnen den Nürnbergern ja eine geistliche Auffrischung", sagte der katholische Dekan Roland Huth. "Aber uns trifft der Verlust doppelt." Abschiedsworte gab es unter anderem auch von Dekan Andreas Kleefeld, Pfarrer Rolf Roßteuscher, den beiden Kindergärten Pfiffikus und Tausendfüßler und Vertretern der Melchior-Franck-Schule. Die musikalische Ausgestaltung der Abschiedsfeier übernahmen Arno Seifert und Sven Götz und verschiedene Ensembles aus der Johanneskirchengemeinde.