Die Enttäuschung sitzt tief: Auf der SPD-Liste für die Bundestagswahl 2017 hat die im Wahlkreis Coburg/Kronach antretende Doris Aschenbrenner lediglich Platz 28 ergattern können. Die Aussicht, über die Liste den Sprung nach Berlin zu schaffen, ist damit sehr gering - bei der letzten Wahl waren es nur die ersten 22, die auf diesem Weg in den Bundestag kamen

Enttäuschend ist dieser schlechte Listenplatz nicht zuletzt deshalb, weil die gute "Vernetzung" von Doris Aschenbrenner eines der Hauptargumente für ihre Nominierung war. Mit Hilfe ihrer Kontakte, so das Kalkül der Coburger und Kronacher Genossen, müsste für Aschenbrenner ein "sicherer Listenplatz" herausspringen - und für die SPD in der Region ein Vertreter in Berlin.

"Natürlich bin ich enttäuscht", gibt Doris Aschenbrenner unumwunden zu. "Ich finde es schade, dass Coburg trotz sehr guter SPD-Ergebnisse so behandelt wird." Zur Erinnerung: Norbert Tessmer holte bei der letzten Bundestagswahl das beste Ergebnis eines SPD-Kandidaten in ganz Bayern.

Doch jetzt bei der Listenaufstellung spielten offenbar andere Kriterien eine Rolle. "Anstatt eine politische Liste aufzustellen, in der beispielsweise Johanna Ückermann und ich vorkommen, ging es nach rein regionalen Kriterien und darum, die amtierenden Abgeordneten wieder abzusichern", analysiert Doris Aschenbrenner.
Aber die SPD-Frau gibt sich kämpferisch. Sie sehe "eine reale Chance", im Wahlkreis Coburg/Kronach das Direktmandat zu holen. In einem "Sechs-Parteien-System" sei das möglich. Ihre Parole lautet: "Blick nach vorn! Die Wahl ist erst nächstes Jahr, und bis dahin lohnt es sich zu kämpfen!"


Erststimmen-Kampagne

Ähnliche Töne sind von Stefan Sauerteig, dem Vorsitzenden der SPD Coburg-Stadt, zu hören. "Umso entschlossener sind wir jetzt, das Direktmandat ins Visier zu nehmen", schreibt er auf Facebook. Und: "Doris verkörpert die Zukunft unserer Region." Gleichwohl räumt Sauerteig ein: "Sicher hätten wir uns einen aussichtsreicheren Listenplatz gewünscht. Dabei hätte es gar nicht mal viel Mut verlangt, einer jungen Politikerin den Platz zuzuweisen, den sie aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihrer politischen Schwerpunkte, die in den Zukunftsthemen Industrie 4.0 und Digitalisierung liegen, verdient hätte."

Carsten Höllein, Vorsitzender der SPD-Coburg-Land, zeigt sich zwar "selbstverständlich enttäuscht über den Listenplatz". Er gibt aber auch schon eine mögliche Taktik aus: Man wolle die Menschen im Wahlkreis überzeugen, mit der Erststimme Doris Aschenbrenner zu wählen - "denn wir brauchen eine zweite Bundesabgeordnete, damit die Region stark in Berlin vertreten ist." CSU-Direktkandidat Hans Michelbach, so die These, bekomme ohnehin einen sicheren Listenplatz.

Lob für Doris Aschenbrenner kommt auch vom bayerischen SPD-Chef Florian Pronold: "Sie ist eines der größten politischen Talente, das die Bayern-SPD hat." Bei dem "abfälligen Urteil", das viele Menschen über Politiker fällen würden, hätte er es sich gewünscht, dass der "selbstlosen Einsatz von Doris" mit einem besseren Listenplatz honoriert worden wäre.