George Gershwin schlägt die Brücke an diesem Nachmittag beim Gastspiel des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken im Coburger Kongresshaus. Seine Tondichtung "Ein Amerikaner in Paris" verbindet Amerika und Europa, Alte und Neue Welt. Von Aaron Copland bis Maurice Ravel spannt sich der Bogen des Programms, von der effektvollen "Fanfare for the Common Man" bis zum rhythmisch unerbittlich konsequenten "Bolero".
Die Konzerte des Jugendsymphonieorchesters zur Orchesterwoche im Coburger Kongresshaus haben sich längst einen festen Platz im dicht gefüllten Veranstaltungskalender der Vestestadt gesichert - die zahlreichen Besucher mit unverkennbar steigender Tendenz beweisen es.



Das Konzert, mit dem das Orchester sein 30-jähriges Bestehen feiert, macht hörbar, warum dieser Klangkörper viele Fans in der Region besitzt.
Schließlich begegnen sich im Musizieren dieses Orchesters der geballte Enthusiasmus der rund 70 Mitglieder mit konsequenter Probenarbeit, die von Fachdozenten in den Instrumentengruppen maßgeblich unterstützt wird. Im zweiten Jahr ist Till Fabian Weser Chefdirigent der Jugendsymphoniker. Weser ist durchaus der Typus, der einem solchen Klangkörper Impulse geben kann. Denn Weser ist kein autoritärer Maestro, der seine Eitelkeit über die Interessen seiner jungen Musiker stellt.

Zwei Zugaben als Dank

Vielmehr kennt Weser den instrumentalen Part auch von der anderen Seite - aus der täglichen Arbeit im Orchester: Weser ist seit zwei Jahrzehnten als Trompeter Mitglied der Bamberger Symphoniker. Bei ihm verbinden sich pädagogischer Impetus und klarer künstlerischer Gestaltungswille auf ganz selbstverständlich wirkende Weise.
Mit prägnanter, bei Bedarf auch energischer Zeichengebung beflügelt er die jungen Instrumentalisten zu schwungvollem Musizieren. Dabei überzeugt das Jugendsymphonieorchester aber nicht nur durch Elan und Frische, sondern auch durch tragfähigen Gesamtklang und präzises Zusammenspiel. Konzentriert meistert das Orchester auch die rhythmischen Klippen in Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" zum Ausklang des ersten Teils.



Im zweiten Teil bewährt sich das Orchester dann auch in begleitender Rolle bei Ausschnitten aus Bizets Opern-Hit "Carmen". In Arien und Duetten stellen sich dabei drei talentierte junge Vokalsolisten vor. Mit schlankem lyrischem Sopran übernimmt die Bambergerin Victoria Kunze den Part der Micaela. Mit tragfähigem, dunkel timbriertem Mezzosopran zieht Idunnu Münch als Carmen die Zuhörer in Bann. Der thailändischer Tenor Nutthaporn Thammathi setzt als Don José den Schmelz seiner Stimme bereits routiniert und sehr wirkungssicher ein und erntet dafür sogar Bravo-Rufe.


Am Ende dankt das Publikum Solisten, Orchester und Dirigent mit bemerkenswert ausdauerndem Beifall und wird schließlich noch mit zwei Zugaben belohnt - mit Gershwins "Summertime" und dem bekannten Trinklied aus Verdis "La Traviata".