Christoph Schießer ist der wichtigste Mann an diesem Freitagnachmittag. Der Revierleiter des Callenberger Forstes hat es sozusagen in der Hand. Er wird gleich die Nordmanntanne fällen, die am Montag auf die Reise nach Großbritannien geschickt wird, um die englische Königin an Weihnachten vor Schloss Windsor zu erfreuen. Ob er nervös sei, will einer der vielen Journalisten wissen, die mit ihren Kameras um Christoph Schießer herumwuseln. "Wir haben das schon öfter gemacht, aber es kann immer mal was passieren." Eine gewisse Anspannung sei dabei. Schießer lacht. "Wenn ich jetzt sage, ich bin tiefenentspannt, würde ich lügen." Zwischen zehn und zwölf Meter hoch und an der breitesten Stelle nicht mehr als vier Meter, so lauteten die Vorgaben für den Weihnachtsbaum. "Drei, vier Mal waren wir im Wald, um einen Baum auszusuchen", berichtet Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha, der die Tanne zur Verfügung stellt. Der royale Baum sei aber eher ein Zufallsfund gewesen. "Wir haben eigentlich in einem anderen Teil gesucht."

Ob die Tanne rundherum so schön gleichmäßig gewachsen ist, wie sie aus der Ferne wirkt, werde sich zeigen, wenn sie gefällt sei, sagt Prinz Hubertus. Allerdings sei eine Seite des Baumes am Standort vor Schloss Windsor ohnehin einer Statue zugewandt. So könne man ohne Weiteres die Schokoladenseite nach vorne drehen. "Wie man das zu Hause mit dem Weihnachtsbaum eben auch macht", sagt der Prinz schmunzelnd.

Am Ende sind alle Bedenken vom Tisch. Christoph Schießer sägt vorbildlich, und als die Nordmanntanne eine halbe Stunde später aufrecht am Haken durch den Callenberger Forst Richtung Lkw schwebt, ist klar: ein Baum wie gemalt.

"Sie war eine von den ersten, die ich vor gut 23 Jahren hier gepflanzt habe", sagt der Revierleiter. "Damals haben wir diese Plantage hier angelegt." Beim Setzen war der Baum bereits vier Jahre alt, macht zusammen 27 Jahre. "Er ist also volljährig", scherzt Mick Böhm vom Coburger Stadtmarketing, das die ganze Aktion ins Rollen gebracht hatte.

Böhm wird am Montagmorgen eine ganz besondere Aufgabe übernehmen. In aller Frühe startet nicht nur der Lastwagen mit dem Weihnachtsbaum, sondern auch der Sprinter, der die 2000 mundgeblasenen Christbaumkugeln der Berufsfachschule Glas in Lauscha auf die britische Insel transportiert. Hinterm Steuer: Mick Böhm.
Bevor es losgeht, wird der Baum noch offiziell verabschiedet: am Samstag, 12. November, 12.30 Uhr, auf dem Albertsplatz.