Das Landestheater Coburg ist das Herz des Coburger Kulturlebens, ja der Region. Dass es grundlegend saniert werden muss, ist seit Jahren bekannt. Eine generell als günstig für Coburg eingestufte Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern wurde endlich abgeschlossen. Erst jetzt allerdings ist die Diskussion in vollem Umfang ingang gekommen, wo der Theaterbetrieb mit seinen 260 Mitarbeitern während der etwa vierjährigen Bauzeit verbleiben soll. Und wie gespielt werden soll, ohne dass der Besucherzustrom auf Dauer versiegt. Dabei läuft Ende 2018, infolge der Wasserschäden von 2013, die Betriebsgenehmigung für das 1840 eröffnete Gebäude ab.
Mit einem grundsätzlichen Appell richtet sich die drei Stadträte umfassende Fraktion Pro Coburg jetzt an Entscheidungsträger und Öffentlichkeit. Letzten Freitag war nochmals eine Coburger Abordnung aus Vertretern von Fraktionen und Verwaltung unterwegs, um sich das Landshuter Theaterzelt anzusehen (Tageblatt vom Montag). Begeistert kam keiner zurück.


Nie beschlossen

Trotz der Zeitnot will der Fraktionsvorsitzende von Pro Coburg, Jürgen Heeb, erst noch ins Grundsätzliche gehen und fordert auf, danach zu fragen, was wir überhaupt wollen. "Wir gehen in dieser Diskussion von Dingen aus, die wir doch nie beschlossen haben", sagte Jürgen Heeb gegenüber dem Tageblatt. "In Coburg haben wir zunächst mal das Problem, dass wir inzwischen viel über Geld reden müssen, aber gleichzeitig allen klar ist, dass wir das Landestheater nicht abschaffen können und dürfen, obwohl dies aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll wäre."
Die Interessen in der lokalen Gesellschaft seien naturgemäß sehr unterschiedlich. Um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, brauche man "einen möglichst neutralen Menschen, der eine Moderator-Funktion wahrnimmt." Der sei bisher nicht gesucht worden. Ein "Externer" müsse das nicht sein, "das können wir selbst leisten."
Erst wenn alle Aspekte, Argumente und Bedenken auf dem Tisch liegen, könne man beginnen "festzulegen, welche Art von Spielbetrieb wir in der Interimszeit haben möchten. Einfach zu sagen: Einfach alles, so wie wir es heute im Landestheater haben, ist uns zu wenig, da muss man schon kreativer sein."


Kein höherer Zuschuss

Pro Coburg will aber noch mehr, nämlich auch fragen, welche Art Theater wir überhaupt in Zukunft, also nach der Generalsanierung, haben wollen, wobei der demographische Wandel zu berücksichtigen sei. Erst dann kämen die Entscheidungen darüber, ob stadtnaher oder peripherer Interimsstandort und die Art der technischen Lösung, also Halle oder Zelt, wiederverwendbar oder nicht. "Auf jeden Fall besteht ein argumentatives Problem, wenn man fünf Millionen Euro investiert, um dann alles nach vier Jahren dem Boden gleich zu machen! Auch das Geld vom Land Bayern ist ,unser‘ Geld."
Ein Investitionsplan für Coburg liege vor, "und da müssen die Landestheateraktivitäten reinpassen (...) Wir müssen Einfluss nehmen auf den jährlichen Zuschuss, der sich nicht weiter nach oben entwickeln darf."
Pro Coburg will aus der gestern veröffentlichten Stellungnahme keinen formellen Antrag entwickeln, der die Verwaltung weiter beschäftigen würde. "Wir wollen eher mit dem OB und den Fraktionen darüber diskutieren. Uns geht es vor allem auch um Nachhaltigkeit."