Die SÜC Coburg ist Vorreiter in Bayern, wenn es um die Sicherheit und Stabilität im Mittelspannungsnetz geht. Am Donnerstag nahm das Coburger Versorgungsunternehmen im Bad Rodacher Stadtteil Schweighof den ersten gestuften Längsspannungsregler im Freistaat offiziell in Betrieb. Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich ein leistungsfähiger Transformator, der Spannungsschwankungen automatisiert in Grenzen hält. Grund für die Installation der rund 370 000 Euro teuren Schalteinheit ist die steigende Zunahme der regenerativen Stromerzeugung im Zuge der Energiewende.

Immer mehr elektrische Energie wird heute von Windrädern, Photovoltaik- und Biogasanlagen erzeugt. Die elektrische Energieversorgung wandelt sich. Mehr als 100 Jahre speisten Kraftwerke Strom in die Leitungsnetze ein, an dessen anderem Ende die Verbraucher waren.
"Die alte Stromwelt hatte ein starres Netz mit festgelegten Einspeisern und Abnehmern", sagte SÜC-Geschäftsführer Wilhelm Austen am Donnerstag am Schalthaus Schweighof. Vor allem in ländlichen Netzen drehen hohe Einspeiseleistungen aus Photovoltaik-, Windkraft- oder Biogasanlagen den Spannungsverlauf heute oftmals um, die Nennspannung in den Leitungsnetzen schwankt mitunter zu stark. Oft muss deshalb die Einspeisung von Strom aus regenerativen Quellen begrenzt oder unterbrochen werden.


Wer hat's erfunden? Die Schweizer!

Vom Schweizer Technologiekonzern ABB entwickelt wurde der Regler, der automatisch Probleme bei der Spannungshaltung ausgleicht. Seit Mitte April war diese Technik im Probebetrieb. Ohne diese Technik müssten dicke Kupferkabel verlegt werden. Bei einem Preis von rund 70 Euro je Meter eine teure Angelegenheit. "Hier kann der Längsregler von ABB künftig die günstigere Alternative zu dicken Kabeln sein", meinte Frank Cornelius, der die Entwicklung des neuen Reglers im ABB-Transformatorenwerk in Brilon leitet.

An ein Mittelspannungskabel würden in der Regel 20 bis 80 Ortsnetzstationen angeschlossen, die dank des Längsreglers nicht mit regelbaren Ortsnetztrafos umgerüstet werden müssten. "Neben dem Handbetrieb - also Steuerung vor Ort oder aus der Leitwarte - kann der Regler auch automatisch entweder einen festen Spannungssollwert einhalten oder aber einen lastabhängigen Sollwert einstellen."


Ungefähr so groß wie eine Garage

Für den ABB-Technologiekonzern ist die etwa garagengroße Technik beim Schweighofer Schalthaus eine ideale Gelegenheit, den Regler in der normalen Betriebspraxis einzusetzen und nicht als Pilotprojekt zu betreiben. Fünf solcher Längsspannungsregler der Firma sind bislang bundesweit im Einsatz.

Seit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ab dem Jahr 2000 hat sich die "Netzwelt" nach fast 100 Jahren umfassend verändert und erfordert nach den Worten von Rico Reißmann (SÜC, Abteilung Netzschutz) intelligente Steuerung. Die SÜC habe daher seit dem Jahr 2000 mit dem Aufbau eines Glasfaserdatennetzes reagiert. Seit zehn Jahren könnten immer mehr Trafostationen von der Netzleitwarte der SÜC ferngesteuert werden.

Zur Information:
Der Begriff Stromnetz bezeichnet in der elektrischen Energietechnik ein Netzwerk aus elektrischen Stromleitungen (Freileitungen und Erdkabel) und die dazugehörigen Einrichtungen wie Schalt-, Umspannwerke und die daran angeschlossenen Kraftwerke und Verbraucher. Dies geschieht mit unterschiedlichen Spannungen, um die Netzverluste zu verringern. Hierdurch sinkt der erforderliche Querschnitt der Stromleitungen und der Aufwand für die Schalteinrichtungen. Das übergeordnete Höchstspannungsnetz ist in Europa in der Regel bis zu 400.000 Volt (400 kV) bzw. 230.000 Volt (230 kV) ausgelegt. Im Hochspannungsnetz sind 110 kV üblich. Im nachgelagerten Mittelspannungsnetz sind Spannungsstufen zwischen 1 kV und 30 kV gebräuchlich. Das Niederspannungsnetz wird mit 400 V bis 420 V für Dreiphasenwechselstrom und 230 V bis 240 V für Einphasenwechselstrom betrieben.

Das in Europa üblicherweise mit 110 kV betriebene Verteilnetz sorgt für die Grobverteilung elektrischer Energie. Das Mittelspannungsnetz verteilt die elektrische Energie an die regional verteilten Transformatorenstationen oder größere Einrichtungen, wie Krankenhäuser oder Fabriken. Stadtwerke, die kleinere Kraftwerke betreiben, speisen ihren Strom in das Mittelspannungsnetz.

Die Niederspannungsnetze sind für die Feinverteilung zuständig. Die Niederspannung wird in Europa auf die 400 V bzw. 230 V transformiert und damit werden private Haushalte, kleinere Industriebetriebe, Gewerbe und Verwaltungen versorgt. Kleine Photovoltaikanlagen speisen Überschussleistung auf dieser Niederspannungsebene ein.