Coburg
Ballett-Gala

Im Spiegel der Coburger Tanzkunst

"Schwanensee meets Bolero" war ein ganz besonderer Abend des Landestheaters überschrieben. Zwischen feinster Klassik und moderner Expressivität durften die begeisterten Zuschauer nochmals Ausschnitte der letzten Spielzeiten erleben. Und Neues gab es auch.
Ob "Dornröschen" glücklich klassisch oder in moderner Intensität des Tanzes wie hier mit Chih-Lin Chan und Takashi Yamamoto, das Coburger Ballett faszinierte bei dieser Gala in jeder Beziehung. Foto: Henning Rosenbusch
Ob "Dornröschen" glücklich klassisch oder in moderner Intensität des Tanzes wie hier mit Chih-Lin Chan und Takashi Yamamoto, das Coburger Ballett faszinierte bei dieser Gala in jeder Beziehung. Foto: Henning Rosenbusch
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Noch ein Geschenk des Landestheaters Coburg zum Saisonabschluss: Eine fulminante Ballett-Gala brachte eine große und begeisterte Zuschauermenge in den höchsten Genuss klassischen wie modernen Tanztheaters. Ausgewählte Szenen und Miniaturen aus den letzten beiden Spielzeiten, dazu aber auch erstaunliches Neues, unterstrichen das hohe tänzerische wie choreografische Niveau der Coburger Compagnie. Das Publikum zeigte sich anhaltend hingerissen.

Allein endlich jenen fetzigen "Bolero" auf der großen Bühne erleben zu dürfen, war die durchaus aufwändige Produk tion dieses einen Sonderabends, durch den Musikdramaturgin Renate Liedtke charmant und gewandt führte, wert. Die packende Choreografie um junge Liebelei des Frankfurter Tanzprofessors Marc Spradling zu Ravels manischer Besessenheit war 2013 eines der prominentesten und schmerzhaftesten Opfer des Wasserschadens im Großen Haus. Sie konnte nur in den begrenzten räumlichen Möglichkeiten der Cortendorfer Probebühne gezeigt werden.

Auch Jean Renshaws bewegungsraffinierte "Bedtime Stories", von Natalie Holzinger und Federico Frigo zwischen inniger Seelenverstrickung und wütender Abstoßung getanzt, entstammt jenem groß angelegten Tanzabend.

Im Kontrast zur freieren Körperkunst wirkte die streng kodifizierte Sprache des klassischen Tanzes in der Präzision und Intensität, wie sie am Sonntag in Coburg verwirklicht wurde, ihrerseits absolut atemberaubend. Es war ein kleines Tschaikowsky-Fest, das die Paare Natalie Holzinger und Jaume Costa, Eriko Ampuku und Adrian Stock sowie Kozue Tashiro und wiederum Jaume Costa in höchster Konzentration und Vollendung boten, mit Pas de Deux nicht nur aus dem noch Anfang dieser Spielzeit gezeigten "Nussknacker", sondern zudem aus den hier kaum zu verwirklichenden Petipa-Choreografien von "Dornröschen" und "Schwanensee".

Überraschend, atemberaubend

Immer wieder im Gegensatz zur scheinbaren Schwerelosigkeit des Klassischen stimulierte die Expressivität des modernen Tanzes die Wahrnehmung und Empfindungsfähigkeit des Zuschauers in besonderem Maße, so auch die schlängelnde Suche der Körper im Begehren von Takashi Yamamotos "Yoku", von ihm selbst und Chih-Lin Chan getanzt.

Premiere zwischen all dem für "Run" von Ballettmeisterin Tara Yipp und Po Sheng Yehs "Mirror". Tara Yipp lässt in dieser zeitkritischen Analyse Lauren Sargent den Wahn unserer Zeit, das verschlingende Tempo und den Zwang zur äußeren Perfektion, in treffenden Posen entlarven.

Und wieder einmal Po Sheng Yeh. Erneut überraschte der ungemein expressive Tänzer mit eigener Choreografie und eigener Körpersprache, die tief in die Psyche zu dringen vermag. Zusammen mit Adrian Stock als sein Spiegelbild steigert er in "Mirror" den Blick in den Spiegel und hinter das Glas, ins eigene Selbst also, bis ins Unheimliche. Die Selbstgewissheit löst sich auf in erschreckender Irritation.

Zum Frösteln intensive, unter die Haut gehende Bilder, Bewegungsfindungen, Rhythmen also, nach denen man süchtig werden könnte. Muss es wirklich bei dieser einen Aufführung bleiben?