Vor über 100 Jahren war es ein Schulfach und diente sogar dem Broterwerb: das Klöppeln. Da werden Fäden gekreuzt und gedreht, bis Spitzendeckchen, Bluseneinsätze oder auch Christbaumschmuck entsteht. Heute wird die alte Handarbeit manchmal noch als Hobby weitergeführt - wie zum Beispiel bei Leni Angermüller in Großheirath.

Ortsbesuch: Meistens mittwochs trifft sich Angermüller mit ihren Freundinnen Erika Schmidt (Rossach), Helga Rose (Gleußen) und Waltraud Mayer (Döringstadt, Landkreis Lichtenfels) zum Klöppeln. Heute ist ein neues Gesicht dabei: Brigitte Patz aus Kaltenbrunn möchte zuschauen und sich bei den nächsten Treffen vielleicht auch einmal an dieser Handarbeit versuchen.

Während ihre drei Freundinnen fleißig weiterklöppeln, beginnt Helga Rose vom Ursprung dieses gemeinsamen Hobbys zu erzählen. "Wir haben ab 1999 das Klöppeln über VHS-Kurse gelernt und wollten auch nach den Kursen in Übung bleiben", erzählt Rose. Deshalb beschlossen die vier Frauen, sich einmal im Monat zum Klöppeln zu treffen. Die Feinheiten und Schliffe des Klöppelns kamen dann mit der Zeit.

Waltraud Mayer wirft ein: "Ich habe das Klöppeln schon viel früher gelernt, bereits als Kind im Sudetenland." Ihrer Mutter hat diese Handarbeit einst als Broterwerb gedient, so Mayer. "Es gab einen Spitzenherrn, der den Frauen Muster geschickt hat, die sie klöppeln mussten", erzählt sie. Sie erinnert sich noch sehr genau, wie ehrfürchtig ihre Mutter vom "Spitzenherrn" sprach, wenn er ein neues Muster in Auftrag gab. Ihre Mutter hat sogar einmal ein ganzes Brautkleid gemeinsam mit ihren Schwestern gefertigt. Die Klöppel wie auch das Klöppelgestell von Waltraud Mayer stammen von ihren Eltern, sind also über 100 Jahre alt. Doch wie funktioniert das Klöppeln eigentlich?

Eigentlich ganz einfach

Für Helga Rose ist Klöppeln eigentlich ganz einfach: "Es besteht aus Kreuzen und Drehen." Für das Grundprinzip startet man mit zwei Klöppeln, an denen Leinenfäden befestigt sind. Die Klöppel werden nun nach einem bestimmten System unter und übereinander gekreuzt und gedreht, bis die Fäden ähnlich wie beim Weben vorliegen. "Der Klöppelschlag beendet dies", so Rose. Leni Angermüller klöppelt übrigens mit 104 Klöppeln, also 52 Paaren.

Die Bahnen der vorgegebenen Muster werden mit Stecknadeln befestigt die in Kissen gesteckt sind. Die Motive für die fertigen Spitzendeckchen oder Einsätze beziehen die vier Freundinnen aus sogenannten Klöppelbriefen. "Diese Mustervorlagen gibt es in einigen wenigen Geschäften sehr teuer zu kaufen - oder auf dem Klöppelkongress", erzählt Waltraud Mayer.

Der Kongress findet einmal jährlich am Schönsee in der Oberpfalz statt. Dort kommen Klöppler aus verschiedenen Ländern zusammen um neue Muster zu erstehen. Stolz zeigen die vier Freundinnen sie verschiedenen Motive, die sie im Laufe der Zeit geklöppelt haben. Da gibt es die "Turchon-Spitze", mit sehr filigranen Mustern, die Spitzen aus dem Erzgebirge, das "Brüsseler Blumenwerk" oder die Tülle. Wie viel Mühe und Liebe hinter all diesen Objekten steckt erkennt man durch die kleinen Details: eingearbeitete Goldfäden, Draht oder Glöckchen.

Waltraud Mayer hat beispielsweise für ihren Christbaum 70 kleine Sterne geklöppelt und Helga Rose hat innerhalb einer Zeit von nur sechs Monaten einen bunten Schal gefertigt. Auf der Kommode steht ein ganz besonderer Blumenstrauß - Erika Schmidt hat an den Stängeln bunte, selbst geklöppelte Blumen befestigt.

Diese Objekte sind durch die Mühe und den hohen Zeitaufwand natürlich unbezahlbar. "Aber sie sind ein tolles und besonderes Geschenk", meint Helga Rose. Waltraud Mayer fügt hinzu: "Und wir freuen uns, wenn diese Geschenke Anerkennung finden und sie die Leute ebenfalls freuen." Abgesehen von den schönen Spitzenteilen, die durch die Handarbeit entstehen, hat das Klöppeln auch eine beruhigende Wirkung. "Wir sitzen zusammen, unterhalten uns und klöppeln dabei - das ist wie eine Therapie", erklärt Helga Rose.

Man muss nur Geduld haben

Die vier Freundinnen würden sich freuen, ihr besonderes Hobby an die Nachwelt weiterzugeben. "Wir wollen zeigen, das Klöppeln nicht altmodisch und traditionell ist. Mit neuen Ideen von jungen Leuten kann diese Handarbeit modisch und aktuell werden", ist Rose überzeugt. Deshalb freuen sich die Vier auch immer über Zuwachs in ihrer kleinen Gruppe. "Man muss klein anfangen und Geduld haben, doch am Ende lohnt es sich auf alle Fälle."