Der Goldbergsee ist nicht nur ein beliebtes Freizeit- und Naherholungsgebiet, sondern kann mitunter auch als Experimentierfeld für kreative Köpfe genutzt werden. So haben sich jetzt sechs Studierende des Bauingenieurwesens an der Hochschule Coburg Gedanken zur baulichen Weiterentwicklungen gemacht - unabhängig davon, ob diese dort überhaupt gewünscht sind.

Im Kurs "Landmark Goldbergsee" gingen die Studierenden der Frage nach, wie der Goldbergsee um eine sogenannte Landmarke (das englische Wort dafür ist "landmark") als Wahrzeichen oder auch als Sehenswürdigkeit bereichert werden könnte. Ingenieur Jonas Schmidt, Dozent für Bauingenieurwesen am Campus Design, ließ seinen Studierenden freie Hand: Sie konnten komplett selbst entscheiden, welches Bauwerk sie hierbei konzeptionieren möchten. Es sollte aber auf einem baulich geeigneten Standort stehen, wetterbeständig sein, einen attraktiven Ausblick und eine Möglichkeit zum Verweilen bieten.

Studierende der Hochschule Coburg suchen Landmarke für den Goldbergsee

Timy Atay griff das bewährte Konzept der Pfahlbauten auf: Er überlegte sich ein halbrundes, dreistöckiges Gebäude, das auf einem Steg ins Wasser des Goldbergsee hineinragen würde. "Anders als bei schmalen Aussichtsplattformen und Türmen ließ sich hier Gastronomie, beispielsweise in Form eines kleinen Cafés, Restaurants oder sogar einer Bar, besser unterbringen", so der zukünftige Bauingenieur. Gelegen an der Kante der Landzunge des Sees würde dies auch einen guten Blick auf Schloss Callenberg bieten.

Kantig und kugelartig zugleich, auch auf Pfählen, aber nicht ins Wasser gebaut und weniger Turm und weniger Plattform - so gestaltete Thi Bao Uyên Pham ihr "Landmark" für den Goldbergsee. Es ist ein begehbarer, stufenloser Rundbau aus Holz - ähnlich der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin. Besucher laufen einen flachen ansteigenden Rundgang hinauf, welcher in einer kleinen Plattform mündet. Die hölzerne Konstruktion besteht aus gebogenen Holzstützen, welche am Fußpunkt auf Pfählen gegründet sind und am Kopf in einen Druckring aus Stahl münden. Der Druckring sorgt dafür, dass sich die radial angeordneten Stützen am Kopf gegenseitig abstützen können. Senkrecht zu den Stützen verlaufen Druckrohre, die zusammen mit diagonal angeordneten Streben die Stützen in der Lage halten und das Bauwerk aussteifen. Die größte Herausforderung sieht die Studentin in der Ausbildung des Knotenpunktes, an welchem die Stützen, der Druckring und die Diagonalen zusammengeführt werden müssen. Mit 20 Metern Höhe bietet das Bauwerk genug Ausblick - von jedem Punkt des Aufstiegs aus.

Der Aussichtsturm von Marvin Booz hat einen schlanken und zugleich hohen Korpus. Das Objekt ähnelt naturgewachsenen Umrissen und verfügt über vier Plattformen, die durch gegenläufige Treppen erreichbar sind. Die erste davon wäre barrierefrei zugänglich. Wer abenteuerlustig und schwindelfrei ist, könnte Plattform für Plattform bis zur vierten hinaufsteigen, um den Rundumblick auf See, Felder und Baumwipfel der umliegenden Wälder zu genießen. Der dreieckige Grundriss ermöglicht Stabilität und eine beachtliche Höhe, ohne das Objekt zu massiv wirken zu lassen.

Seminar fand online statt

Hosan Al-Rifay entwarf ein segelförmiges Konstrukt, welches sehr stark an das Meer erinnert. Stefanie Löhr wiederum hat einen Turm entwickelt, der wie ein Baum von unten nach oben hin breiter wird. Im Inneren können Besucher auf einem schwach ansteigenden Weg zu einer Plattform hinauflaufen. Emma Köppel gestaltet ihr Wahrzeichen futuristisch und durch seine geometrische Form herausstechend.

Jonas Schmidt lobt die Arbeiten seiner Studierenden. "Bemerkenswert ist, dass die angehenden Bauingenieure neben ihren eigentlichen Aufgaben - den statischen Berechnungen der Tragwerke - auch gestalterische Aufgaben von Architekten sehr kreativ umgesetzt haben. Das war vor allem der Pandemie geschuldet, da das Seminar online gehalten wurde und ein interdisziplinäres Angebot zusammen mit den Architekten nicht möglich war", so der Dozent abschließend.