• Hausärztemangel in Coburg weiterhin riesiges Problem
  • Auf Social Media schütten Menschen ihr Herz aus: "Ich suche schon seit eineinhalb Jahren einen Hausarzt"
  • Trendumkehr zwar beobachtbar, aber noch zu langsam
  • Ärztemangel belastet sowohl Patienten als auch Ärzte

"Hallo, ich brauche eure Hilfe! Weiß jemand, welcher Hausarzt noch Patienten aufnimmt? Ich suche schon seit eineinhalb Jahren. Ich bin um jeden Tipp dankbar!" Facebook-Postings wie dieses in der Facebook-Gruppe "Coburger Stadtgespräche" sind keine Seltenheit. Immer wieder berichten Coburger davon, wie schwer es ist, einen Hausarzt in Coburg zu finden.

Hausärztemangel in Coburg: "Noch immer herrscht wirklich ein Mangelzustand"

"Noch herrscht wirklich ein Mangelzustand", gesteht Dr. Ullrich Zuber, Vorsitzender des Hausarztvereins Coburg. Ärgerlich sei das aber nicht nur für diejenigen, die nach einem Hausarzt suchen. "Für uns Hausärzte bedeutet das in den Praxen jede Menge Mehrarbeit - und es gibt auch Konfliktpotenzial, wenn wir den Wünschen der Patienten nicht gerecht werden können."

Nicht nur der Hausarztverein setzt sich dafür ein, dass sich daran etwas ändert. Die GesundheitsregionPlus Stadt und Landkreis Coburg arbeitet intensiv daran, neue Allgemeinmediziner für Stadt und Landkreis Coburg zu gewinnen. Ein Projekt, das die hausärztliche Versorgung in der Region sicherstellen soll, ist das Stipendiatenprogramm: Wer sich zum Allgemeinmediziner weiterbilden möchte und danach mindestens zwei Jahre in der Region praktiziert, bekommt während des Studiums eine monatliche Finanzspritze in Höhe von 300 Euro.

Ausgebildet werden die Stipendiaten - und auch die, die sich ohne das Projekt dazu entschlossen haben, als Allgemeinmediziner arbeiten zu wollen - durch den Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Coburg, der vor zehn Jahren durch Dr. Christian Pohlig, und Dr. Oliver Gregor gegründet wurde. In den zehn Jahren seit der Gründung wurden zwölf Fachärzte für Allgemeinmedizin ausgebildet, die meisten davon haben sich in und um Coburg niedergelassen.

Trendumkehr beobachtbar: Aber längst nicht "alle Löcher gestopft" beim Ärztemangel

"Momentan sind acht Ärzte in der Praxisweiterbildung, davon möchten sich sechs in der Region niederlassen", erzählt Dr. Christian Pohlig. Beobachtet habe er eine Trendumkehr: "Der Nachwuchs will weg von den Kliniken und hin zu Gemeinschaftspraxen mit individuellen Arbeitszeitmodellen."

Er sei deshalb zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren der akute Mangel an Hausärzten nachhaltig vermindert werden kann. Im vergangenen Jahr konnten fünf Hausarztpraxen übernommen beziehungsweise neu eröffnet werden.

"Aber es ist längst nicht gelungen, alle Löcher zu stopfen", erklärt er. Aktuell gibt es noch 22 freie Hausarztsitze, und da Studium und Weiterbildung jeweils fünf Jahre dauern, wird sich die Lage nur langsam entschärfen. "Es ist ein bisschen so wie in der Forstwirtschaft - wenn die Bäume gepflanzt werden, dauert es noch etwas, bis ein Wald entsteht", sagt Pohlig.

Werbung für den Beruf des Hausarztes weiterhin wichtig

Der Hausarztverein wirbt unterdessen für den Fachbereich der Allgemeinmedizin. "Es ist eine unheimlich spannende, anspruchsvolle und vielseitige Fachrichtung", schwärmt Dr. Ullrich Zuber. Der Beruf verlange viel Menschlichkeit: "Aber dafür bekommen wir auch unheimlich viel Wärme von den Patienten zurück."

Damit sich die Auszubildenden des Weiterbildungsverbunds ein Bild davon machen können, erhalten sie als Assistenzärzte zwei Jahre lang in einer Hausarztpraxis Einblicke in das Berufsfeld. Eine von ihnen ist Vera Heublein, die sich gerade bei Dr. Roman Pohl in Coburg-Neuses ausbilden lässt.

"Als Medizinstudent hat man nicht immer ein klares Ziel oder eine Vorstellung, welche Richtung man einschlagen möchte", erklärt sie. Sie habe die Allgemeinmedizin als "unerwartet vielfältig" erlebt. Und ihr Ausbilder hat auch etwas davon: "Natürlich sind wir motiviert, unser Wissen weiterzugeben, aber wir können auch unser Wissen auffrischen."