Immer in Action. Niemals gelangweilt. Glücklich. Stolz. Zufrieden. So beschreibt Romy Reißenweber ihr Leben. Ihre Augen strahlen dabei. Gewissenhaft legt sie Wischtücher und Putzlappen Ecke auf Ecke zusammen. Drei Stapel hat sie schon vor sich liegen. Nur noch ein paar Handtücher, dann hat sie es geschafft. Um 16 Uhr ist Dienstschluss. "Dann wartet mein Sofa und Kerstin Ott auf mich. Ich liebe deutsche Schlager", sagt die junge Frau voller Vorfreude.

Mir wird warm ums Herz. Ich kenne Romy Reißenweber schon seit über 25 Jahren. Mein erster Bericht über sie erschien im Rahmen einer Serie über behinderte Menschen "unter uns". Damals war sie sieben Jahre alt und präsentierte in Zeitungsanzeigen stolz den Brotlaib aus der elterlichen Bäckerei. Heute treffe ich sie in der Wäscherei des Ernst-Faber-Hauses. Von ihrem Charme, Humor und ihrer Lebensfreude hat sie nichts eingebüßt. Vor mir steht eine selbstbewusste Frau, die auf sich und ihr Leben stolz ist.

Seit acht Jahren wohnt sie mittlerweile im Ernst-Faber-Haus in einer kleinen Wohnung. Und seit fünf Jahren arbeitet sie dort im Alten- und Pflegeheim. Morgens belegt sie Brötchen und teilt sie zum Frühstück aus, "an meine Seniorinnen", sagt sie. Das mache ihr so viel Spaß. "Ich schätze alles an meinen Senioren. Sie sind so dankbar und zufrieden. Das finde ich einfach schön." Romy lächelt.

Ihre Tage sind gut durchgetaktet. Nach dem Austeilen des Mittagessens hat sie selbst eine Pause und dann gehts weiter in die Wäscherei.

Mit großer Sorgfalt dreht sie Socken von links auf rechts, legt Wäsche zusammen, leert die Waschmaschine. Mit ihren Kollegen hat sie Spaß. "Einer ärgert mich immer ein bisschen, aber ich ärgere ihn zurück. So wie das unter Arbeitskollegen eben ist."

Ihr selbstbestimmtes Leben genießt Romy sehr. "Ich wollte eigentlich schon mit 17 Jahren daheim ausziehen, aber das haben meine Eltern nicht erlaubt", erzählt sie. Mit 25 habe sie es dann ihren Geschwistern nachgemacht und zog in eine eigene Wohnung. Ihre Familie ist dennoch sehr präsent im Leben von Romy. "Meine Schwester bekocht mich immer dienstags, meine Mama kommt jeden Donnerstag und am Sonntag haben wir immer Familientag", sagt sie und beschreibt klar, wie der abläuft: "Mama, Papa und ich essen zusammen, gehen spazieren, spielen wir noch was und dann geht jeder wieder seine Wege. So ist es gut."

Romys Eltern haben die Vormundschaft für ihre Tochter und kümmern sich auch um alle Behördengänge und Formalien. Wenn sie einkaufen gehen möchte, kommt eine sogenannte Assistenz zu ihr. "Ich komme ja gar nicht an die oberen Regale, und an der Kasse brauche ich auch Hilfe mit den ganzen Cents."

Als Einschränkung empfindet das Romy nicht. Es ist wie es ist. Alles, was die junge Frau zum Leben braucht und was sie haben möchte, hat sie. Auch eine große Freundesclique, mit der sie sich regelmäßig trifft. Alles behinderte Menschen, "weil die gehören ja auch dazu" (Romy).

Für ihren Sommerurlaub mit ihren Eltern auf Sylt hat Romy in den letzten Monaten elf Kilogramm abgenommen, erzählt sie stolz. Wie sie das geschafft habe, möchte ich wissen. "Na, ich habe alles gegessen", sagt sie und nach einer kurzen Pause: "...aber halt immer nur die Hälfte."