Mit einer ganz besonderen Premiere sind die Akteure der Waldbühne Heldritt am Samstag in die Saison 2017 gestartet. Vorsitzender Friedhelm Wölfert konnte sich nicht erinnern, jemals eine Premiere bei solch herrlichem Sonnenschein miterlebt zu haben - und begrüßte daher zuallererst den strahlend blauen Himmel neben den mehreren hundert kleinen Gästen, die zusammen mit Eltern, Großeltern, Tanten, Onkeln oder Paten, um bei den den Abenteuern des "tapferen Schneiderleins" mitzufiebern und zu jubeln.

"Das tapfere Schneiderlein" kommt in diesem Jahr in Geldritt zum dritten Mal zur Aufführung. Während das erste Schneiderlein, Frank Müller aus Elsa (heute Kirchenmusikdirektor in Kempten), am Samstag leider verhindert ist, weilt der zweite Thomas Einzel (heute Thomas Bamberg, Pfarrer in Nürnberg) mit seiner Familie unter den Gästen. Die freuen sich mit, als Jakob, so heißt der tapfere Kerl, sieben Fliegen auf einen Streich erwischt und sich mächtig stark fühlt.

Hauptdarsteller Lucas van Rendsburg verkörpert die Märchenfigur mit solch klarer Stimme, deutlicher Mimik und Gestik, dass es bestimmt nicht das letzte Mal sein wird, ihn auf einer Bühne erleben zu können. Begleitet wird er von seinem treuen Hund und seinem Kater, die ebenfalls ziemlich genau wissen, wie sie das Geschehen im Griff behalten - der Hund mit klarer Übersicht und der Kater so faul, dass er einem schon fast leid tut, dass er seine Mäuse selber jagen muss und sie ihm nicht einfach hinterher laufen.

Die drei lernen die stinkenden, tollpatschigen Riesen kennen, können ihnen aber entkommen, bevor die sie fressen. Selber hungrig, gelangen sie bis an den Hof des Königs mit dem elend langen Namen und seiner argwöhnischen, arroganten Frau, deren Name nicht kürzer ist. Der König verspricht dem tapferen Schneiderlein seine Tochter, sollte er die drei Aufgaben lösen.

Bevor es jedoch soweit kommt, lässt Jakob das Publikum nicht ungeschoren davonkommen: Kurzerhand werden zwischendurch Helfer auf die Bühne gebeten, um das Bühnenbild wieder aufzuräumen (dort hatten sich die grazilen Tänzerinnen des Ballettstudios am Ketschentor als Fliegen, aber auch als Kinder und in weiteren Kostümen gerade bejubeln lassen). Und zum Gelächter vor allen Dingen des älteren Publikums will sich das tapfere Schneiderlein die Königstochter erst einmal anschauen, damit er weiß, worauf er sich einlässt. Der König gibt ihm da übrigens vollkommen recht ("Das hätte ich damals auch tun sollen!").

Und so kommt es, wie es vor allem die Kinder herbeigesehnt haben: Jakob lässt die beiden Riesen sich selbst ausschalten, sperrt das böse Wildschwein ein und fängt das berühmte Einhorn - einer Hochzeit mit der Königstochter und dem tosenden Schlussapplaus stehen nichts mehr im Weg. Den spenden die begeisterten Gäste denn auch minutenlang.