Spektakulärer Arbeitseinsatz auf der Trasse der neuen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung, die derzeit im Landkreis Coburg gebaut wird. Auf dem Abschnitt zwischen dem Froschgrundsee und der "Hohen Schwenge" oberhalb von Oberwohlsbach sind gestern die Vorseile für die Stromleitungen gezogen worden - mit Hilfe eines Hubschraubers, was nur selten der Fall ist.


Warum der Hubschrauber zum Einsatz kam, erklärte Eugen Bößendörfer, der beim Netzbetreiber Tennet mit für den Bau der Trasse verantwortlich ist: Beim Froschgrundsee und dem Wald an der "Hohen Schwenge" wäre es technisch zu schwierig geworden, vom Boden aus die Leitung zu ziehen. "Und der Zeitvorteil nicht zu vergessen", ergänzte der Bauleiter.
Nur gut acht Stunden war das aus Österreich angereiste Team der Firma "Eqos" im Einsatz, dann war die aufsehenerregende Aktion schon wieder vorbei - auch die heranziehende Schlechtwetterfront stellte da keine Gefahr mehr dar. Die Vorseile vom Boden aus zu ziehen, hätte hingegen wohl mehrere Tage gedauert. Warum die Hubschrauber nicht auf der gesamten Länge der Trasse durch das Coburger Land zum Einsatz kommen, hat finanzielle Gründe. "Rund 1000 Euro", rechnete Bößendörfer hoch, "dürfte eine Hubschrauberstunde kosten".


Nur mit Genehmigung

Was gestern aus der Luft über die 16 Masten zwischen Schönstädt und Oberwohlsbach gezogen wurde, hat natürlich noch nichts mit Stromleitungen zu tun. Hendrik Zehder stand an einer der vier großen Rollen und erklärte, was ein Vorseil ist: "Es ist aus speziellem Nylon und sehr reißfest." An diesem Seil werden später weitere Vorseile (dann schon aus Draht) und zum Schluss 25 über drei Zentimeter starken Leitungsseile pro Mast gezogen. Das Nylonseil ist etwa zwei Daumenstärken dick.


Exorbitante Kräfte musste das Vorseil gestern aber sowieso nicht aushalten. "Maximal 800 Kilo Zugkraft", erklärte Eugen Bößendörfer. Denn mehr als dieses Gewicht kann selbst ein leistungsstarker Hubschrauber nicht ziehen, selbst wenn er nur in der Mindestbesetzung mit zwei Mann unterwegs ist.


Das "Eqos"-Team ist eine eingespielte Mannschaft. "Wir sind da Spezialisten", sagte Hendrik Zehder grinsend und ergänzte, dass er deshalb in seinem Job das ganze Jahr über quer durch Deutschland unterwegs ist. Der Hubschrauber, der gestern im Rödentaler Raum unterwegs war, kam aus Baden-Württemberg angeflogen.


Tennet drückt aufs Tempo

Für seine Arbeit brauchte der Pilot eine Sondergenehmigung der Flugsicherung, weil er natürlich den ganzen Tag unter der Mindestflughöhe für Hubschrauber (auf freier Fläche rund 150 Meter) blieb. So hoch sind die Masten für die Höchstspannungsleitung freilich nicht - nicht einmal die drei höchsten Stahl-Kolosse, die im Bereich der "Hohen Schwenge" stehen. "Da haben wir drei Masten mit jeweils 82 Metern", erklärte Bößendörfer. Sieben Mal musste der Hubschrauberpilot jeden Mast anfliegen, dort nahm dann jeweils ein Kollege das Seil entgegen und spannte es in eine mannshohe Rolle ein.


Abgewickelt wurde das Nylonseil - in enormer Geschwindigkeit von großen Trommeln, die nicht weit weg von der Verbindungsstraße zwischen Fischbach und Fornbach standen. "Zwischen 12 und 15 Kilometer Seil sind auf jeder Rolle", erklärte Bauleiter Bößendörfer. Insgesamt gesehen, ist Tennet als Betreiber der künftigen Höchstspannungsleitung sehr zufrieden mit den Fortschritten auf der Trasse zwischen dem Übergabepunkt kurz hinter Schalkau (Landkreis Sonneberg) und dem Redwitzer Umspannwerk im Landkreis Lichtenfels. "Wir liegen komplett im Plan", erklärte Ulrike Hörchens von der Tennet-Presseabteilung. Im Klartext: Die Bauarbeiten im Coburger Land dürften Ende des Jahres abgeschlossen sein. Weil aber auf Thüringer Seite das Unternehmen "50Hertz" als zweiter Betreiber der "Südwestkuppelleitung" noch nicht ganz so weit ist, dürfte die Trasse voraussichtlich erst im ersten Quartal 2016 betriebsbereit sein.