Erleichterung pur in der stimmungsgeladenen HUK-Arena. Mit 28:26 gewann der HSC 2000 Coburg das wichtige Vier-Punkte-Spiel gegen den bisherigen Tabellenvorletzten Bergischen HC. Jetzt ist die Hoffnung auf den angestrebten Klassenerhalt in der 1. Bundesliga wieder wesentlich größer, als in den letzten Wochen. Der HSC ist wieder da!
Jan Gorr war zur Pause auf 180 - und suchte nicht nur das Gespräch mit den Schiedsrichtern, sondern auch mit der Spielaufsicht. Denn in diesem eminent wichtigen Kellerduell gegen den Bergischen HC gab es gerade in der ersten Halbzeit einige diskussionswürdige Entscheidungen.
Wobei die 2823 Zuschauer wohl nicht den Eindruck hatten, ein Kellerduell zu sehen. Beide Teams warteten immer wieder mit taktischen Umstellungen auf, auf die der Gegner reagieren musste. Damit blieb das Spiel lange offen, doch entschieden wurde es letztendlich bereits zwischen der 38. und 40. Minute, als Coburg aus einem 16:17 ein 19:17 machte und anschließend nicht mehr in Rückstand geriet. Der 28:26-Erfolg war deswegen verdient, obwohl fast bis zum Schluss gezittert werden musste.
Fast wie erwartet lief beim Bergischen HC deren Sportlicher Leiter, Viktor Szilagyi, mit auf, der schon im September und Oktober aufgrund von Verletzungsproblemen reaktiviert wurde. In diesen drei Partien holte der BHC die bisherigen fünf Punkte. Doch auch er war gegen den Kampfgeist des HSC an diesem Abend machtlos.
Dabei war es gerade die, "Harakiri-Taktik", wie Gorr es selbst bezeichnete, die den Weg zum Erfolg ebnete: "Eigentlich konnten wir hinten gar nicht mit "Kiwi" und Philipp spielen, weil es vorne mit Nico Büdel und "Ado" Harmandic so gut geklappt hat. Da mussten wir trotzdem einfach das Risiko des doppelten Wechsel gehen."
Und dieses Risiko wurde belohnt. "Wir haben zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Welle der Begeisterung losgetreten und sind mit diesem Wind ins Ziel gesegelt", konstatierte ein gelöster Jan Gorr nach dem Spiel.


HSC 2000 Coburg gegen
Bergischen HC 28:26 (11:12)

Ein Start nach Maß sieht anders aus - Coburg traf zwei Mal die Latte, einmal den Pfosten, der Bergische HC führte schnell mit 2:0. Der war in der Anfangsphase der Partie wacher und aufmerksamer, nutzte das langsame Rückzugsverhalten und die Fehler der Coburger. Es dauerte sieben Minuten bis die Gastgeber in Fahrt kamen. Aber es blieb eng, denn erst scheiterte Billek mit einem weiteren Konter an Rudeck im Gehäuse der Gäste, dann warf Büdel völlig frei über das Tor.
Lange Zeit stand es 7:7, was vor allem an technischen Fehlern auf Coburger Seite lag. Erst ein, wenn auch zweifelhaftes, Stürmerfoul von Lex, dann ein schlechter Pass von Büdel. Trotz Überzahl gelang dem HSC kein Tor, der BHC verteidigte geschickt und ließ den Gegner hart arbeiten.


Mit unerlaubten Mitteln

Dabei übersahen die Unparteiischen oft mit welch unerlaubten Mitteln die HSC-Kreisläufer am Laufen in den freien Raum gehindert wurden. Überhaupt bestimmten die Abwehrreihen in einem weiter engen Spiel das Geschehen. Immer wieder versuchte es der HSC mit dem Spiel über den Kreis. Sehenswert wie sich Sebastian Weber vor dem 10:9 gegen zwei Gegenspieler, die ihn fast entkleideten, durchsetzte. Die fällige Zeitstrafe blieb aus.
Die bekam wenig später Girts Lilienfelds für eine weitaus harmlosere Situation. Die Überzahl kurz vor der Pause nutzte der BHC um selbst wieder in Führung zu gehen, auch weil Weber zum vierten Mal die Stabilität des Pfostens "testete". Zwar gab es für Coburg noch eine Option zum Ausgleich, doch als der Ball Sekunden vor dem Pausenpfiff bei Weber am Kreis landet, pfiffen die Schiedsrichter Vorteil ab und entschieden auf Freiwurf. Jan Gorr war entsetzt und an der Seitenlinie kaum zu halten, hatte sich aber schnell wieder beruhigt und fokussierte sein Team in einer langen Kabinenansprach auf die zweite Halbzeit.
Dann ging es genauso eng wie vor der Pause weiter, allerdings lief der HSC erst einmal einem Rückstand hinterher, hatte nach 40 Minuten das Blatt aber doch gewendet und hielt den Gegner mehr oder weniger auf Distanz.
Der HSC war bissig in der Abwehr, fightete um jeden Ball und trieb den BHC oft in ein Zeitspiel, das sie meist aber sehr erfolgreich bestritten. Kein Millimeter Boden wurde kampflos preisgegeben. Die Partie blieb weiter nervenaufreibend, dazu trug auch der von Coßbau erst im Nachwurf verwandelte Strafwurf bei - aber endlich einmal ein Abpraller für die Coburger.


Griff in die Taktikkiste

BHC-Trainer Sebastian Hinze griff nach dem 23:21 kräftig in die Taktikkiste. Erst brachte er zehn Minuten lang den siebten Feldspieler, dann stellte er seine Abwehr auf eine 3:3-Formation um. Auf beides hatte Gorr seinem Team die richtigen Antworten mit auf den Weg gegeben und als die Gäste beim Stand von 27:24 endlich auch einmal den Pfosten trafen und Sebastian Weber im Gegenzug die erste Vier-Tore-Führung für sein Team markierte, war die Entscheidung trotz hektischen Schlussminuten gefallen.



Die Statistik


HSC 2000 Coburg gegen Bergischer HC 28:26 (11:12)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (25 Gegentore, 12 Paraden), Oliver Krechel (1 Gegentor, 1 Parade) - Philipp Barsties, Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm (1), Sebastian Weber (5), Stefan Lex (4), Steffen Coßbau (2), Florian Billek (6), Till Riehn, Nico Büdel (4), Adnan Harmandic (5), Girts Lilienfelds, Romas Kirveliavicius (1).
Trainer: Jan Gorr.

Bergischer HC: Björgvin Pa Gustavsson (19 Gegentore, 3 Paraden), Christopher Rudeck (9 Gegentore, 3 Paraden) - Moritz Preuss (5), Christian Hoße, Maximilian Hermann (2), Arnor Gunnarsson (4/2), Jan Artmann, Alexander Herrmann (4), Tomas Babak, Fabian Gutbrod (7), Uros Vilovski (1), Viktor Szilagyi (3), Bogdan Criciotoiu. Trainer: Sebastian Hinze.

SR: Matthias Brauer / Kay Holm. - Spielaufsicht: Jürgen Rieber.

Spielfilm: 0:2 (3.), 1:2 (5.), 3:4 (8.), 5:4 (10.), 6:6 (13.), 7:7 (15.), 7:8 (22.), 9:8 (24.), 10:9 (27.), 10:11 (28.), 11:11 (30.), 11:12 (HZ), 12:13 (34.), 16:17 (38.), 19:17 (40.), 20:20 (44.), 21:21 (45.), 23:21 (47.), 24:22 (49.), 25:24 (51.), 28:24 (56.), 28:26.

Zuschauer: 2823.
Strafminuten: 6 (Weber, Barsties, Lilienfelds). - 6 (Preuss, Szilagyi, M. Hermann)
Siebenmeter: 2/1 (Coßbau scheitert an Gustavsson, trifft im Nachwurf). - 3/2 (Gunnarsson scheitert an Krechel).
Beste Spieler: Barsties, Harmandic, Weber - Gutbrod, Preuss.