Die Sirene tönt, die Zeit ist um, das Spiel ist aus: 28:28. Ein Unentschieden für den HSC? Denkste. Es gibt - wie so oft im Handball - noch einen Freiwurf. Von der halblinken Position für Coburg! Eine Angelegenheit für "Toni" Lakisa, der im Frühjahr mit einem direkt verwandelten Freiwurf dem HSC gegen Rimpar das Remis gerettet. Doch Horvats "Joker" drückt in diesem Moment die Strafbank. Dejan Dobardzijev schnappt sich den Ball und zieht ab. Der Rundling schlägt ein und Dobardzijev ist Sekunden später unter einer Menschentraube aus Spielern und Fans des HSC begraben.

Der 29:28-Auswärtssieg war in diesem "schwarz-gelben" Glücksmoment perfekt. Dem HSC 2000 Coburg gelang ein ganz großer Schritt Richtung 2. Bundesliga, denn dieser Erfolg beschert nicht nur zwei Zähler für die Tabelle, sondern jede Menge Selbstvertrauen und Moral für die anstehenden Spiele.

Bereits vor der mit Spannung erwarteten Drittligapartie zwischen der TG Münden und dem HSC 2000 Coburg ging es hoch her: Schon beim Warmkicken waren die HSC-Spieler richtig "heiß" und hatten es scheinbar auf elektronische Objekte am Spielfeldrand abgesehen!

Zuerst wurde ein Laptop abgeschossen, dann flog ein aus der Hand geschossener Fotoapparat über die Zuschauertribüne. Alles andere als langweilig war dann auch die packende Auseinandersetzung auf dem Spielfeld.
Die 400 Zuschauer bekamen besten, temporeichen Drittliga-Handball geboten und einen "Krimi, bei dem ich wieder 20 Jahre älter geworden bin", wie es die Ehefrau von HSC-Coach Hrvoje Horvat formuliert hat.

Spiel ging an die Nerven


Aber auch anderen Unbeteiligten ging das Spiel an die Nerven. Sebastian Roth tigerte wie ein wildes Tier auf der Tribüne hin und her, hätte am liebsten trotz Muskelfaserriss gespielt. Und Johann Andersson erst: "Ich habe mitgespielt, auf jeden Fall müsste ich fast duschen."

Ihre Kollegen haben es mit der Spannung auch wieder einmal unnötig übertrieben, führten bis auf einmal ständig, teilweise mit vier Toren. Am Ende entschied dann Dejan Dobardzijev zu einem Zeitpunkt, als alle sich schon mit einem doch leistungsgerechten Unentschieden abgefunden hatten.

Weil die Coburger in den letzten drei Minuten in Unterzahl spielen mussten, konnten sie den knappen Vorsprung nicht verteidigen. Münden war dem Sieg nach dem Ausgleichstreffer sogar näher als die Coburger, die sich aber noch einmal den Ball eroberten und wie eingangs geschildert spektakulär gewannen.

TG Münden gegen HSC 2000 Coburg 28:29 (11:14)


Mit einem Schmunzeln kam HSC-Coach Hrvoje Horvat vor Spielbeginn in die Halle. Er hatte sich einmal mehr etwas Besonderes einfallen lassen. Denn nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Johan Andersson (Schulter) und Sebastian Roth (Muskelfaserriss) "brauch' ich "eher einen erfahrenen Spieler als einen jungen". Und Horvat weiter: "Es geht um die Tabellenspitze, da tut uns Routine gut", war sich Horvat vor dem Anpfiff sicher. Und wer kam da anderes in Frage als sein Co-Trainer Anton Lakisa.

Außerdem musste Torwart Raimonds Steins wegen muskulärer Probleme passen. Aus diesem Grund war Jonas Faber zur Sicherheit mit in die Drei-Flüsse-Stadt Niedersachsens gereist. Gleich bei der ersten Abwehraktion blieb dann auch noch Mirza Cehajic mit einem Pferdekuss liegen, doch dieses Foul schien ihn es eher zu beflügeln als zu hemmen, obwohl er lange Zeit mit einer "Leidensmiene" unterwegs war. Zehn Mal traf er am Ende ins gegnerische Tor. Einmal erntete er aber auch einen bitterbösen Blick seines Trainers, weil er in Überzahl beim Stand von 22:25 viel zu schnell abschloss und die Coburger wieder einmal ein Überzahlspiel mit 0:2 verloren.

Nach acht Minuten hatten die 80 mitgereisten Coburger Fans erstmals etwas zu feiern, als TG-Spielertrainer Alexander Koke einen Strafwurf über die Latte knallte. Eine anschließende Unterzahl überstanden die HSCler dann bestens. Das war die Basis für die erste Drei-Tore-Führung nach 13 Minuten.
Aber mehr wurde es nicht, weil sich Coburg nach eigenen Toren immer wieder aufs Neue von der schnellen Mitte der Mündener überraschen, ja fast übertölpeln, ließ. Das veranlasste Horvat nach 24 Minuten zu einer Auszeit.
"Die zweite Halbzeit ist TG-Halbzeit", so leitete der Hallensprecher die spannenden zweiten 30 Minuten ein, in der Sebastian Kirchner nach 20 Sekunden den Pfosten traf. Linsmeier kam auch zu einem Kurzeinsatz, stand aber noch nicht auf dem Spielberichtsbogen. Coburg wurde für dieses Versäumnis mit einer gelben Karte bestraft.

Die Gastgeber zeigten nun mehr Biss, ließen kaum noch Lücken zu und spielten extrem körperbetont. Der Vorsprung der Coburger schmolz schnell dahin und nach 43 Minuten gab es die erste Führung für die Gastgeber. Jetzt brachte Horvat "Joker" Anton Lakisa, der dafür sorgte, dass der HSC mit drei Toren davonzog (22:25). Doch Münden kam noch einmal heran und es entwickelte sich eine dramatische Schlussphase, weil Coburg die letzten drei Minuten in Unterzahl absolvierte.



TG Münden gegen HSC 2000 Coburg 28:29 (11:14)


HSC 2000 Coburg: Havard Martinsen, Jonas Faber - Kenny Schramm, Ronny Göhl (7/4), Dejan Dobardzijev (4), Nicola Franke , Dominic Kelm (1), Hajck Karapetjan (2), Sebastian Kirchner (2), Anton Lakisa (3), Tomas Riha, Stefan Linsmeier , Maximilian Drude, Mirza Cehajic (10).
Zeitstrafen: 6.
Siebenmeter: 4/4.

TG Münden: Luchien Zwiers, Mario Blazevic - Dennis Backhaus, Thorben Buhre (3), Hannes Hornbrink (5), Dominic Leinhart (3), Areseniy Buschmann, Bjarni AaronThordarsson (3), Thomas Eisenbach, Alexander Koke (10/4), Rasmund Barslund-Pedersen (1), Andrii Doktorovych, Dennis Knudsen (2), Jann Rentsch (1).
Zeitstrafen: 4.
Siebenmeter: 6/4.

SR: Heiko Jäger (Eisenach) / Christian Luther (Meinigen).
Zuschauer: 400.