• Coburg: Bürgerin schildert Vorfälle mit aggressiven Hornissen
  • "Alleine das laute Brummen ist schon gruselig": Frau flüchtet vor Insekt
  • Hornissen-Horror in der Region? Auch andere berichten von Erlebnissen
  • Experte mit eindringlicher Warnung: Das sollte man auf keinen Fall tun

Sie nehmen Kurs auf Brotzeit, Eis, Kuchen und Bier: Viele Menschen fühlen sich derzeit von Wespen regelrecht belästigt. In Coburg werden derweil auch verstärkt Hornissen beobachtet, die einem das Leben schwermachen. "Alleine das laute Brummen ist schon gruselig", erklärt eine Frau in einer Coburger Facebook-Gruppe. Sie schildert Erlebnisse mit angriffslustigen Tieren. Nach ihrem Empfinden verhalten sich die Hornissen in diesem Jahr "ziemlich aggressiv".  

Coburger berichten von unliebsamen Hornissen-Begegnungen - "Wurde erst am Samstag gestochen"

Die Coburgerin berichtet im Netz von ihrer jüngsten Begegnung mit einem pedantischen Insekt. Die Hornisse habe sie auf dem Coburger Marktplatz "regelrecht attackiert" und sei ihr ständig ins Gesicht geflogen - "sodass ich dann kurzzeitig flüchten musste". Ihr Fazit zu Hornissen: "Vor denen hab ich echt Respekt, muss ich sagen." Andere Nutzer berichten von ähnlichen Vorfällen - die teils auch schlimmer endeten.

"Wurde erst am Samstag gestochen, richtig aggressiv", schreibt eine andere Frau bei Facebook. "Heute musste ich zum Arzt, immer dicker werdender Fuß mit Blasenbildung." Die Konsequenz: "Jetzt wird nur noch drin gegessen, hab die Nase voll von den Viechern." Ein Einzelfall? Oder gibt es in diesem Sommer tatsächlich mehr angriffsbereite Hornissen als sonst? Kann man gar von einem Hornissen-Horror sprechen? inFranken.de hat nachgehakt.

Sind in diesem Jahr tatsächlich mehr Wespen und Hornissen in den fränkischen Gefilden unterwegs? "Was Wespen angeht, kann man die Frage klar bejahen - heuer ist ein Wespenjahr", erklärt Frank Reißenweber, am Landratsamt Coburg zuständig für den Bereich Arten- und Biotopschutz. Dem Experten zufolge hat auch die Anzahl der Hornissen geringfügig zugenommen. "Das liegt an den hohen Temperaturen und der Trockenheit", sagt Reißenweber im Gespräch mit inFranken.de.

Hitze und ausbleibender Regen sorgen für Zunahme von Wespen und Hornissen

Vor allem die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe sorgen 2022 demnach "ein bisschen für Furore". Das warme Wetter und der ausbleibende Regen führten zu erfolgreichen Nestgründungen. "Es gibt nahezu kein Absterben", berichtet der Biologe. Die Folge: "Es gibt mehr Tiere. Und die sind auch noch aktiver." Dies gelte letztlich auch für die Hornissen. "Es gibt in diesem Jahr einfach mehr. Deswegen wird man auch mehr belästigt", bestätigt der Fachmann die Annahme vieler Laien. Reißenweber betont zugleich: "Die Tiere sind aber nicht aggressiv, allenfalls hartnäckig."

Wespen und Hornissen treten dem Experten zufolge in der Regel nicht angriffslustig auf - insbesondere nicht, wenn sie Nahrung entnehmen. Anders sieht es mitunter aus, wenn sie ihr Nest verteidigen. "Sie stechen allerdings nur, wenn sie sich in Leib und Leben bedroht fühlen", betont Reißenweber. "In unmittelbarer Nestnähe können Hornissen durchaus aggressiv sein." Auf freier Fläche komme es normalerweise selten zu Vorfällen mit Menschen. "Etwas anderes sind 'Unfälle' - zum Beispiel, wenn sich ein Tier im T-Shirt eines Radfahrers verheddert und nicht mehr herausfindet." 

Wird jemand von einer Hornisse gestochen, ist dies im Normalfall nicht weiter gefährlich. "Ein Hornissenstich tut zwar mehr weh als ein Wespenstich und ist auch wirklich unangenehm", erklärt der Biologe. "Aber auch 100 Stiche überlebt man." Wer gestochen wird und darauf nicht allergisch reagiert, kann sich für gewöhnlich gut selbst behandeln - etwa mit einer Salbe oder einem entsprechenden Gel. "Auch eine aufgeschnittene Zwiebel als altes Hausrezept ist gut." Moderne Hilfsmittel wie ein Wärmestift, der die Haut kurzzeitig erwärmt, kann die Auswirkungen eines Insektenstichs womöglich ebenfalls abmildern. "Kühlpads helfen zudem gut bei einer Schwellung", sagt Reißenweber.

Experte mit eindringlicher Warnung: Das sollte man mit einer Hornisse auf keinen Fall tun

Um es gar nicht zu einem Stich kommen zu lassen, gibt es eine Reihe von Tipps, mit denen sich Hornissen und Wespen im Idealfall fernhalten lassen. So sollten beispielsweise Lichtquellen, sofern möglich, vermieden werden, Der Grund: "Hornissen werden nachts von Lampen gerade magisch angezogen, sodass sie völlig desorientiert sind", erläutert Reißenweber. "Da kann es sein, dass sie stechen." Abhilfe schaffe hier möglich ein Fliegengitter. Möglich sind auch Nelken in Kombination mit einer Zitronenscheibe - oder Knoblauch mit Basilikum.

Zur Ablenkung sei auch eine aufgeschnittene Weintraube denkbar, sagt der Experte. Wirksam gegen unliebsame Wespen und Hornissen ist ihm zufolge auch der Einsatz von kleinen Wassersprühern. "Die Tiere denken dann, es regnet, und verschwinden." Eins sollte man jedoch laut Reißenweber auf gar keinen Fall tun. "Die Tiere niemals anpusten!", warnt der Fachmann des Coburger Landratsamts. "Das wird von ihnen als schlimmer Angriff empfunden. Da kann es vorkommen, dass sie einem in die Lippe stechen." Besser seien dagegen langsame Handbewegungen, um die Insekten zu vertreiben.

Fazit: Durch die anhaltenden hohen Temperaturen bei gleichzeitig ausbleibendem Regen gibt es in diesem Sommer mehr Wespen und Hornissen als in den Vorjahren - auch im Raum Coburg. Von einem regelrechten "Hornissen-Horror" kann gleichwohl keinesfalls die Rede sein. Mitunter wirken die Insekten zwar aggressiv - sie stechen in der Regel allerdings nur, wenn sie sich angegriffen fühlen.

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