Coburg
Regiomed

Hinweise auf "pflichtwidriges Verhalten"

Seit einem dreiviertel Jahr ermittelt eine Frankfurter Kanzlei, ob ein früherer Geschäftsführer dem kommunalen Klinikkonzern geschadet hat.

Es gebe "Anhaltspunkte für pflichtwidrige Geschäftsführer-Entscheidungen, vor allem in Fragen des Vergaberechts", sagt Anwalt Marcus Reischl. Er untersucht seit April 2019 im Auftrag des Aufsichtsrats von Regiomed Vorgänge, die in den Verantwortungsbereich des früheren Hauptgeschäftsführers Joachim Bovelet fallen. Der hatte Regiomed im Herbst 2018 verlassen; kurz danach wurde bekannt, dass das Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht war.

Nun sagt Reischl, dass es wohl einige Fälle gegeben haben dürfte, in dem das pflichtwidrige Verhalten zu "substanziellen Schäden" für Regiomed geführt hat. Um das sicher sagen zu können, seien aber weitere Untersuchungen nötig; auch lasse sich die Höhe eines möglichen Schadens noch nicht beziffern.

Klar scheint allerdings zu sein: Der ehemalige Geschäftführer hat etliche Aufträge ohne Ausschreibung und ohne vergleichbares Angebot an Personen aus seinem Netzwerk vergeben. Er verstieß damit gegen Vergaberichtlinien. Schaden sei könne da entstanden sein, wo die erbrachten Leistungen nicht sachgerecht waren oder überhöht abgerechnet wurden. Aber dazu brauche es weitere Ermittlungen, sagte Reischl. Weder Straubel noch Reischl nannten Bovelets Namen, doch sie dementierten auch nicht, dass er gemeint ist.

Etliche der Gutachten, die unter Bovelet eingeholt wurden, hat Regiomed inzwischen abgeschrieben. Damit sei dem Unternehmen ein Schaden entstanden, bestätigte Reischl. Aber ob dieser Schaden auf pflichtwidriges Verhalten zurückgehe, müsse noch geprüft werden. Schadensersatzansprüche seien nur dann gegeben, wenn beides zusammenkomme.

Mehrmals betonten Reischel und der Coburger Landrat Sebastian Straubel als derzeitiger Vorsitzender des Aufsichtsrats, dass noch nicht sicher sei, ob Regiomed Anzeige erstatten werde. In erster Linie werde es um Schadenersatz gehen. Darüber könne man sich auch außergerichtlich einigen. Aber noch seien die Ermittlungen nicht abgeschlossen, auch mit dem ehemaligen Geschäftsführer selbst sei noch nicht geredet worden.

Regiomed gehört den Landkreisen Coburg, Hildburghausen, Lichtenfels und Sonneberg sowie der Stadt Coburg, wobei der Krankenhauszweckverband Coburg von Stadt und Landkreis der eigentliche Gesellschafter ist. Nachdem Bovelet gegangen war und das Ausmaß des Defizits bekannt wurde, begannen die Gesellschafter, das Geschäftsgebahren der vorangegangenen Jahre zu untersuchen. Um einige fragwürdige Vergabeentscheidungen genauer zu untersuchen, wurde die Kanzlei Gleiss Lutz (Frankfurt) eingeschaltet. Dort betreut Marcus Reischl den Fall Regiomed.