Auf den ersten Blick wirkt es fast ein wenig paradox, dass die Siemensstraße in Neustadt nicht jene Straße ist, in der Siemens für lange Zeit ansässig wurde. Immerhin zweigt die Siemensstraße von der breiten Austraße ab, in der der Siemens-Zweigbetrieb angesiedelt war. In einem weiten Bogen verbindet die Siemensstraße die Austraße mit der Heubischer Straße.

Der Name erinnert an jenen Mann, der auch dem weltweit agierenden Elektrokonzert den Namen gab: Werner von Siemens. Die Namensgebung in Neustadt geschah aus Dankbarkeit dafür, dass der Konzern in Neustadts großer Notzeit 1935/36 ein Kabel- und Leitungswerk errichtete und damit die beängstigende Arbeitslosigkeit zumindest linderte.

In der Mitte der 1930er Jahre hatten Neustadts Stadtväter mit allen Mitteln versucht, einen großen Industriekonzern für die Ansiedlung eines Zweigbetriebs zu gewinnen. Doch von den Junkers-Flugzeugwerken holten sie sich dabei ebenso eine Absage wie von den Bayerischen Motorenwerken. Von Erfolg gekrönt waren schließlich die Verhandlungen mit Siemens.

Dabei kam die Stadt der Firma für die Neuansiedlung sehr entgegen und stellte Bauland zu einem sehr günstigen Preis zur Verfügung. Mehr noch: Neustadt gewährte Siemens sogar für einen gewissen Zeitraum Gewerbesteuerfreiheit in der Hoffnung, dass das Siemenswerk dazu beitragen könne, die Arbeitslosigkeit nachhaltig zu senken.

Wissenschaft und Geschäftssinn

Dramatisch spitzte sich die Situation der Firma gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zu. Fanatische Offiziere wollten damals das Werk in die Luft sprengen, damit es nicht dem Feind in die Hände fiel. In letzter Minute aber konnte die Werkleitung diese Zerstörung verhindern, so dass das Kabelwerk rasch nach Kriegsende wieder produzieren konnte.

Namenspatron der Siemens-AG ist der Erfinder Werner von Siemens, der als Begründer der Elektrotechnik in Deutschland gilt und 1888 geadelt wurde. Am 13. Dezember 1816 in Lenthe bei Hannover geboren, erfand Siemens 1846 den elektrischen Zeigertelegraphen mit Selbstunterbrechung und die nahtlose Umkleidung von Telegraphenleitungen. Eine Reihe von weiteren Erfindungen folgte. Werner von Siemens verband wissenschaftliche Begabung mit erfinderischem Genie und geschäftlichem Weitblick. Gemeinsam mit seinen Brüdern Wilhelm und Carl gelang es ihm, auch in England und Russland geschäftlich festen Fuß zu fassen.

Werner von Siemens starb am 6. Dezember 1892 in Berlin. Im Jahr 1998 wurde aus dem Siemenswerk in Neustadt das Pirelli Kabel- und Leitungswerk Neustadt, nachdem Siemens das Geschäftsgebiet Starkstromkabel und -leitungen an Pirelli verkauft hatte.

Im Jahr 2005 erfolgte der Übergang zu Prysmian. Die Produktionskapazität des Werks in Neustadt wurde schließlich 2016 durch den Zukauf von Corning Neustadt erweitert. Prysmian bezeichnet sich heute als Weltmarktführer in der Kabelindustrie.

Geschichte

Die Serie "Neustadts Straßennamen" beleuchtet am Beispiel wichtiger Personen verschiedene Aspekte in der Entwicklung der Bayerischen Puppenstadt. Den Anfang machte Neustadts Ehrenbürger Max Oscar Arnold. Weitere Folgen waren bereits der Ernststraße, der Pestalozzistraße, der Rückertstraße, der Albertstraße, der Goethestraße , der Klinglerstraße, der Augustastraße, dem Moellerweg sowie der Georg-Langbein-Straße gewidmet.